Kulturgut mit Seltenheitsfaktor

In der Wittlicher Friedrichstraße steht eine der ältesten noch im Betrieb befindlichen Großtankstellen der Region. Seit August 2005 dient die historische Station als Autogas-Tankstelle.

Wittlich Die ehemalige Aral-Großtankstelle am Wittlicher Casino blickt auf eine 80-jährige Geschichte zurück. Als eines der wenigen noch bestehenden Vorkriegsexemplare stellt das historische Bauwerk ein selten gewordenes Kulturgut dar. Seine Entstehungsgeschichte begann Ende 1937 mit dem Abschluss eines Grundstücks-Mietvertrags zwischen der städtischen Casino-Gesellschaft und der Pennsylvania Mineralöl- & Kraftstoff-Vertrieb GmbH Mannheim. Anschließend errichtete das Unternehmen die geplante Tankanlage auf dem Grundbesitz des Casinos.
Die Architektur des Gebäudes ist charakteristisch für die Bauweise der ersten deutschen Großtankstellen. So verfügte die Anlage bereits bei ihrer Fertigstellung über eine eigene Zu- und Abfahrt, einen großen Kundenraum, zwei vorgelagerte Tankinseln und mehrere Zapfsäulen. Ein imposantes, auf sechs Schiefer-Bruchsteinpfeilern ruhendes Satteldach verkörperte anschaulich die Formensprache des sogenannten Heimatschutzstils der 1930er Jahre. Dieser distanzierte sich weitgehend von modernistisch wirkenden Entwürfen aus Beton, Stahl und Glas.
Bei der 1938 erfolgten Übernahme der Pennsylvania GmbH durch die Mineralölfirma Nitag Deutsche Treibstoffe AG wurden alle 433 bestehenden Pennsylvania-Stationen in das Nitag-Netz überführt. Somit verfügte Nitag einst über etwa 2000 Vertriebsstellen. Da sich Treibstoffe im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zur Mangelware entwickelten, musste die Wittlicher Nitag-Großtankstelle seinerzeit vorübergehend geschlossen werden.
In der frühen Nachkriegszeit erfolgte die Wiedereröffnung der vom Bombenkrieg weitgehend verschont gebliebenen Station. Neben der angeschlossenen KFZ-Werkstatt wurde um 1955 eine Autohandlung für Goggomobil-Neuwagen aufgebaut. Damals gehörte die Tankstelle zu einem Netz von 650 Nitag-Vertretungen.
Die Vereinigung der Mineralölunternehmen Gasolin und Nitag zur Deutschen Gasolin-Nitag AG führte 1956 zu einer erneuten Umbenennung der Tankanlage. Im April 1958 übernahm der Wittlicher Helmut Schmidt die Pacht der früheren Gasolin-Station. Ein Jahr später ließ der KFZ-Meister den Werkstattbetrieb baulich erweitern. Darüber hinaus schloss er einen Händlervertrag mit dem französischen Autohersteller Renault ab.
Durch die Fusion der Mineralölfirmen Aral und Gasolin wurde die Tankstelle im Januar 1972 in eine Aral-Station umgewandelt. Drei Jahre später übergab Helmut Schmidt den Betrieb an seinen Sohn Georg. Der ausgebildete Tankwart und KFZ-Meister arbeitete in der folgenden Zeit als Vertragshändler für die Automarken Renault und Seat.
Im Dezember 1987 erfolgte die Stilllegung der früheren Aral-Tankstelle. Die Seat-Autovertretung wurde indes von Georg Schmidt bis Ende 2001 weitergeführt. Seit 2002 setzt KFZ-Meister Joachim Kaspers die Tradition des langjährigen Betriebes fort.
Extra: DIE ANFÄNGE DER TANKSTELLEN

 Heute wird an der ehemaligen Benzin- und Diesel-Tankstelle Autogas (LPG) angeboten. TV-Foto: Markus Philipps
Heute wird an der ehemaligen Benzin- und Diesel-Tankstelle Autogas (LPG) angeboten. TV-Foto: Markus Philipps Foto: Markus Philipps (phi) ("TV-Upload Philipps"


Die erste markengebundene Großtankstelle Deutschlands wurde 1927 in Hamburg-Winterhude eröffnet. Damals wurde Benzin auch in Kolonialwarenläden, Drogerien und Gaststätten angeboten. Zu den ältesten Benzin-Zapfstellen der Stadt Wittlich zählten einst folgende Betriebe: Adler-Drogerie C. Fischer, Augusta-Drogerie Benz, KFZ-Werkstätten von: J. Niles, H. Lütticken, J. P. Hansen, H. J. Thiel, H. Juli und H. Kranz.