KULTURPOLITIK

Zum Artikel "Kunst kommt unter den Hammer" (TV vom 7. Juni) schreibt dieser Leser:

Die Hugo-Möhl-Sammlung ist eine private Kunst-Schenkung. Mit der Schenkung "nach gutem Treu und Glauben" ist die Stadt Wittlich eine rechtliche Verpflichtung eingegangen. Nach den Konventionen der deutschen und internationalen Museums- und Kunstverbände sind Kunstsammlungen zu pflegen sowie der Nachwelt zu erhalten. Ausdrücklich hat man sich gegen jede Form des Verscherbelns und Auseinanderreißens von Sammlungen ausgesprochen. Nach den totalitären Erfahrungen der nationalsozialistischen Kunstverkäufe will man Wiederholungen dieser Art in der Gegenwart unbedingt verhindert wissen. Welcher Geist reitet die Stadt, dass sie sich genau dieser nationalsozialistisch so schwer vorbelasteten Verkaufsmethoden bedient? Nach dem Bekanntwerden der Gurlitt-NS-Raubkunst-Affäre greift man auf vergleichbare Methoden zurück, um sich einer für Wittlich "wertlosen" Kunst-Sammlung möglichst schnell zu entledigen. Und dann soll diese Kunst-Versteigerung à la NS-Gurlitt auch noch in der Wittlicher Synagoge stattfinden! Bürgermeister Joachim Rodenkirch unterschlägt hier meiner Meinung nach die wahren Kosten für die umfangreichen Verwaltungs-, Gutachter- und höchst aufwendigen Inventarisierungsarbeiten. Einen offiziellen Verkaufszweck gibt es gar nicht. Dass die Stadt zu keiner Zeit ein echtes Interesse an der Möhl-Schenkung hatte, rechtfertigt auf keinen Fall dieses schamlose Vorgehen. Gut ließen sich die Möhl-Werke in einem neuen Wittlicher Heimatmuseum zusammen mit Hanns Scherl ausstellen. Dann könnte man bestens die Gemeinsamkeiten, aber auch die großen Unterschiede zwischen beiden herausarbeiten. Aber genau das will man in Wittlich nicht. Jedem Kunst-Schenker sei der aktuelle Vorgang eine Mahnung, was man mit seiner zukünftigen Schenkung in Wittlich machen wird! Norbert Küpper, Köln