Kurt Beck macht sich für die "Bio" stark

Kurt Beck macht sich für die "Bio" stark

BERNKASTEL-KUES. Seit vielen Jahren steht das Institut für Pflanzenschutz auf wackeligen Beinen. Nun droht es umzufallen. Dabei ist es für den Steillagenweinbau unverzichtbar.

Am 30. August 2002 war die (Forschungs-)Welt in Bernkastel-Kues in Ordnung. Renate Künast, damals Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, gab in Bernkastel-Kues eine Absichtserklärung für den Erhalt des Institutes für Pflanzenschutz im Weinbau. "Neben eigenen Forschungsarbeiten, auch mit der Ausrichtung auf Fragen des Steillagenweinbaus, soll das Institut als zentrale Aufgabe die Koordinierung der Forschungsaktivitäten im ökologischen Weinbau mit den einschlägigen Forschungseinrichtungen der Bundesländer vornehmen", hieß es unter anderem in der Erklärung, für die es viel Beifall gab. Gleichwohl tat sich bis zum Ende der rot-grünen-Koalition in Berlin nicht mehr viel, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Während des folgenden Wahlkampfes war die immer noch ungewisse Zukunft der in der Region als "Bio" bekannten Einrichtung wieder Thema. Gut ein Jahr später liegt ein Konzept für die Neustrukturierung der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, zu der auch das Institut für Pflanzenschutz gehört, vor. Was darin steht, lässt das zuständige Ministerium offen. Erst müsse darüber mit den Beteiligten und Betroffenen gesprochen werden, heißt es. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bleser, dem das Konzept vorliegt, hat die Katze aus dem Sack gelassen. Danach wird der Standort Bernkastel-Kues (18 Mitarbeiter) geschlossen (TV vom 25. Oktober). Daraufhin war Bleser unter anderem kritisiert worden, er sei mit der Meldung vorschnell an die Öffentlichkeit gegangen. "Wenn ich das verheimlicht hätte, wäre ich auch kritisiert worden", sagt er. Er sei lange genug im Geschäft um zu wissen, wann die Öffentlichkeit informiert werden müsse. Noch bestehe die Chance, Druck auszuüben. Speziell aus den Reihen von FDP und Grünen kommt Kritik an Bleser und der jetzigen Bundesregierung. Bleser habe Zusicherungen gemacht, die nicht eingehalten würden. Minister Horst Seehofer zeige mit dem Konzept "die Ignoranz gegenüber dem innovativen Weinbau", heißt es von Seiten der Grünen. Es verwundere, "dass ausgerechnet ein CSU-geführtes Ministerium eine für die Weinbauregion derart verheerende Entscheidung treffe", lässt die FDP verlautbaren. Mittlerweile sind auch Ministerpräsident Kurt Beck und Weinbauminister Hendrik Hering aktiv geworden. Beide setzen sich für die beiden rheinland-pfälzischen Forschungsstandorte Bernkastel-Kues und Siebeldingen (Pfalz) ein. "Der Pflanzenschutz in den Steillagen ist für den Weinbau von existenzieller Bedeutung und muss deshalb durch eine leistungsfähige Forschungseinheit sicher gestellt werden", heißt es unter anderem in einem Schreiben an Minister Seehofer. Hangert: Über Alternativen wurde nicht nachgedacht

Am kommenden Dienstag, 7. November, werden Bleser und Ulf Hangert, Vorsitzender des 2002 gegründeten Fördervereins für ökologischen Weinbau, Terrassen- und Steillagenanbau, Verbraucherkommunikation und Vermarktung Bernkastel-Kues, in Berlin noch einmal mit dem zuständigen Staatssekretär sprechen. "Es ist völlig absurd, Steillagenforschung von einem Institut für Obstanbau aus zu betrieben", sagt Hangert. Hintergrund: Die Aufgaben des Institutes sollen offenbar in das neue Institut für Pflanzenschutz im Obst- und Weinbau in Dossenheim (Baden-Württemberg) verlagert werden. Lediglich die Versuchsflächen sollen an der Mosel erhalten bleiben. CDU-Politiker Hangert ist enttäuscht über die Berliner Polit-Praxis. "Ich habe den Eindruck, dass alternative Lösungen überhaupt nicht überprüft worden sind." Er und Bleser treten weiterhin dafür ein, die Forschungsarbeit der "Bio" in das geplante Steillagenzentrum in Bernkastel-Kues zu verlagern. Das Land habe dazu bereits des öfteren seine Bereitschaft signalisiert. Vom Bund sei in dieser Hinsicht noch nichts gekommen. Die Macher des Konzeptes seien offenbar Leute, die die Probleme des Steillagenweinbaus nicht kennen. Hangert: "Berlin ist eben weit weg."

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