"Kyrill" bedroht den Wintersport

HUNSRÜCK. Die Auswirkungen von "Kyrill" beeinträchtigen möglicherweise den Wintersport. Erstmals in diesem Jahr sind winterliche Temperaturen und Schnee in Sicht. Doch der Orkan in der vergangenen Woche hat auch die Lifte am Erbeskopf erwischt. "Kyrill" hat übrigens landesweit im Hunsrück am schlimmsten getobt.

Der Schock kam erst auf den zweiten Blick. Als Klaus Hepp vom Zweckverband zum Erbeskopf fuhr, um zu klären, ob auch die Wintersport-Anlagen vom Sturm betroffen sind, fiel sein Blick auf den Lift 1. Und der schien vom Sturm nicht viel abbekommen zu haben. Lediglich in der Nähe der Bergstation lagen und liegen drei Bäume über dem Liftseil. Doch an Lift 4 kam es dann dicke. Die Talstation ist unter Bäumen begraben. "Totalschaden", das war der erste Gedanke Hepps. Doch das mag der Wintersport-Fachmann am Erbes-kopf mittlerweile nicht mehr glauben. Das Sicherheitsgeländer ist zwar auf jeden Fall kaputt. Inwieweit aber die Steuerhütte in Mitleidenschaft gezogen ist, werde man erst sagen können, wenn die umgestürzten Bäume entfernt sind. Doch dafür ist schweres Räumgerät notwendig. Angesichts der Tatsache, dass in den nächsten Tagen möglicherweise Schnee erwartet wird, ist man am Erbeskopf alles andere als begeistert. "Leider haben wir auf die Temperaturen ebenso wenig Einfluss wie auf den Sturm", versucht sich Hepp ins Unvermeidliche zu schicken. Noch ist übrigens nicht klar, ob der für diese Woche von den Metereologen angekündigte Schnee auch am Erbeskopf fällt. Falls ja, soll man am höchsten Berg von Rheinland-Pfalz auch Ski fahren können. Lift 1 wird heute, Dienstag, von den Bäume befreit. Für Lift 4 mit der lädierten Talstation sieht Hepp allerdings wenig Chancen. Doch auch ohne ihn werde die Piste in Betrieb genommen, vorausgesetzt, es steht genug Kunst- oder Naturschnee zur Verfügung. Vier Tage nach dem großen Sturm sieht Forstamtsleiter Hans Jürgen Wagner klarer, was die Schadensmenge angeht. Insgesamt seien 79 000 Festmeter Holz vom Windwurf betroffen. Landesweit waren es nach Angaben von Ministerin Margit Conrad 600 000 Festmeter. Zu 95 Prozent sind im Hunsrück Fichten vom Windwurf betroffen. Bei dem Nadelholz entspreche dies einem Jahreseinschlag. Fichtenholz gehört zwar nicht zu den wertvollsten Baumarten, das macht Wagner dennoch nicht froh: "Fichte ist ein Massenholz, von dem wir leben." Anders als bei Wiebke 1990, als die Schäden dreimal so hoch waren, sieht er den Reaktionen auf dem Markt gelassen entgegen. Landesweit sei bereits klar, "dass vorrangig unser Holz in die Sägewerke abfließt". Weitere Sperrung der B 50 notwendig

Gründe für fallende Preise sieht Wagner nicht, sondern "leichte Tendenzen zu steigen". Eine Erklärung für dieses Phänomen: Wegen der dramatischen Prognosen hätten Sägewerke begonnen, sich Mengen zu sichern." Der Schwerpunkt der landesweiten Schäden liege im Forstamt Dhronecken, und der Schwerpunkt im Forstamt liegt bei den Morbacher Revieren, erklärt Berthold Staudt, Leiter des Eigenbetriebs Forst in der Einheitsgemeinde Morbach. Knapp 20 000 Festmeter sind in den Morbacher Revieren ein Opfer des Windwurfs. Für eine Katastrophe hält Staudt die Waldschäden nicht. Bei Wiebke habe im gleichen Gebiet das Sechsfache gelegen. Offenbar bereiten die Windwurf-Mengen keine Probleme. Staudt: "Wir arbeiten in laufende Verträge hinein." Der Betriebsleiter rechnet mit einem teilweisen Einschlagstopp der Bundesregierung. Insbesondere im Hundheimer Revier wird auf Hochtouren mit schwerem Gerät gearbeitet. Die B 50 sei inzwischen von Bäumen frei. Um das Holz am Straßenrand bearbeiten zu können, hält Staudt eine weitere Sperrung der B 50 bis zum Wochenende für notwendig.