Land unterstützt Ausgrabungen im Vicus Belginum mit 26 000 Euro

Land unterstützt Ausgrabungen im Vicus Belginum mit 26 000 Euro

Bevor die Bauarbeiten am Kreisel der B 327/B 50neu bei Wederath beginnen, legen derzeit Archäologen einen Tempelbezirk frei. Der TV war vor Ort.

Wederath. Am Himmel über dem Vicus Belginum leitet ein Passagierflugzeug den Landeanflug auf den Hahn ein, auf der angrenzenden Hunsrückhöhenstraße zieht der Verkehr vorbei. Die Hunsrücklandschaft zwischen Wederath und Hinzerath ist zwar von Wald und Feldern geprägt. Aber es herrscht auch reges Treiben - es ist eine Landschaft, die der Verkehr zwischen der Mosel- und der Rhein-Region durchqueren muss.

Das war auch schon vor über 2000 Jahren so, als die Römer den Höhenzug nutzten, um Güter zu transportieren. Und mehr noch: Es gab bereits keltische Tempelanlagen, die auch von den Römern weiter verwendet worden sind. Deshalb wurde an diesem besonderen Punkt der Archäologiepark Vicus Belginum eröffnet. Ein Teil dieser Überreste wird aber bald vom Asphalt zugedeckt sein, denn im Rahmen des Ausbaus der B 50neu am Kreuzungspunkt mit der Hunsrückhöhenstraße, der B 327, wird dort ein Kreisel gebaut. Rosemarie Cordie, promovierte Archäologin und Leiterin des Vicus Belginum ist mit ihrem Team gewissermaßen im Wettlauf mit der Zeit. Denn bevor die Bagger kommen, muss noch ein Hektar großes Areal ausgegraben werden, um Überreste sicherzustellen und die gesamte Anlage zu kartieren. Dafür hat der Bund vor Kurzem nochmals 26 700 Euro bereitgestellt. Das Geld können die Archäologen gut gebrauchen, denn je mehr Leute eingestellt werden und mitgraben, umso schneller kann das gesamte Gebiet kartiert werden. "Wir graben einen Hektar in einem insgesamt 4,5 Hektar großen Feld auf. Denn ausgerechnet in dem Teil, über die die Straße später führen soll, gibt es sehr viele Überreste aus keltischer Zeit, darunter sogar Holz. Damit hatte keiner gerechnet", sagt Cordie.
Ein Gang durch die Ausgrabungen gleicht einer Zeitreise in die Geschichte. Mauerreste, die in der Tiefe freigelegt sind, lassen erahnen, dass sich an diesem Punkt mehrere Bauwerke befunden haben, die die Kelten und später auch die Römer nutzten. Zur Zeit der Germaneneinfälle, also im 4. Jahrhundert haben sie diese Tempel selbst wieder abgetragen. Insgesamt, so zeigen die Ausgrabungen, hat es in dem Areal ein Kulttheater, Wohnbebauung, einen Tempelbezirk und ein Gräberfeld gegeben. "Ein Tempelbetrieb lässt sich hier über einen Zeitraum von 700 Jahren nachweisen", sagt Cordie. Das beweisen auch Münz-Opfer, die sich bis ans Ende des 4. Jahrhunderts nachweisen lassen. "Solch eine dichte Befundlage gibt es sehr selten, es wurde sogar Erz vor Ort verarbeitet, wahrscheinlich seit 500 vor Christus", erläutert Cordie. Die durch die Ausgabungen gewonnenen Kenntnisse werden anschließend in Forschungsaufsätzen dokumentiert. Auch die Entwicklung von 3-D-Simulationen, die aufs Smartphone geladen werden, sei möglich, so Cordie. hpl

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