Landeszentralbank in Wittlich - Immobilie mit extra großem Tresor zu verkaufen

Kostenpflichtiger Inhalt: Rund zwei Millionen Euro : 5600 Quadratmeter - Immobilie mit extra großem Tresor in Wittlich zu verkaufen

Tresor, Luftschutzbunker, großer Parkplatz: Die ehemalige LZB in Wittlich steht wieder zum Verkauf: Ein Traumhaus für jeden, der auf einen Geldspeicher Wert legt.

Vergessene Orte, an denen sich die Natur die vom Menschen geschaffene Infrastruktur wieder zurückerobert, üben auf viele Menschen einen besonderen Reiz aus. Solch einen vergessenen Ort findet man auch mit dem mehr als 5600 Quadratmeter großen Grundstück der ehemaligen Landeszentralbank mitten in der Stadt Wittlich: Hier und da färbt bereits Grünspan die weißen Fassadensäulen zwischen den verspiegelten Fenstern.

Das früher stets gepflegte Grün vor dem  Eingangsbereich wuchert und die Natur ist dabei, sich die Landeszentralbank sowie weitere Gebäude auf dem von einer hohen Betonmauer umsäumten Areal langsam zurückzuerobern. Das nach hinten heraus langgezogene Grundstück  mit schmaler Fassadenfront in der Beethovenstraße hat allen Reiz eines vergessenen und verwunschenen Ortes.

Die leergeräumten Innenräume der ehemaligen Landeszentralbank, in der früher Geldscheine und Goldbarren lagerten, wie man munkelt,  wirken jedoch immer noch relativ gepflegt – bis auf den ein oder anderen Haufen Marderkot auf dem ansonsten noch recht ansehnlichen Teppichboden.

Das liege wohl daran, wie Makler Jens Wagenknecht von Marvin Jeske Immobilien erklärt, dass der bisherige Eigentümer hier einen Hausmeister beschäftige. Wagenknecht führt derzeit Kaufinteressenten  durch die ehemalige Landeszentralbank, denn das Gebäude steht derzeit zum Verkauf – wieder mal. Dabei galt sie eigentlich seit Januar 2017 bereits an den Mann gebracht und verkauft (der TV berichtete).

Doch der Eigentümer, welcher diese spezielle Immobilie mit dem großen Tresorraum 2017 von der Bundesbank erworben hatte, scheint sich  von seiner Privatbank in Wittlich nun wieder trennen zu wollen. Potenziellen Interessenten kann er allerdings nun ein wesentlich attraktiveres Angebot machen als 2017. Denn das Erbpachtverhältnis mit der Kirche, auf deren Grund die Gebäude standen, sei aufgelöst, erklärt Wagenknecht. Der Eigentümer habe das Grundstück erworben und könne es nun mit anbieten. Kaufpreis: Etwas mehr als zwei Millionen Euro zuzüglich elf Prozent Nebenkosten.

Wer also eine Immobilie sucht, um dort ein unermessliches Vermögen und Wertgegenstände zu lagern, der findet  mit der ehemaligen Landeszentralbank in Wittlich wahrscheinlich sein Traumhaus. Der Tresorraum kann durch mehrere Sicherheitsschleusen sogar mit Lastwagen angefahren werden.

Die Innenräume erwecken nostalgische Gefühle an die 1980er Jahre und könnten auch als Technikmuseum dienen.  Denn seit ihrem Bau 1985 hat sich in den Innenräumen und an der installierten Technik kaum etwas verändert. Allenortes blinken Kontrolllampen, keine LEDs, sondern Glühbirnen hinter farbigen Plastikkappen, die so groß sind wie Fünf-Mark-Stücke. Schalttafeln mit quadratischen Kontrollschaltern, in denen kleine Glühlämpchen glimmen, sind heute ebenso bereits museumsreif. Telefone aus dem letzten Jahrtausend, die dort in Massen übereinander gestapelt wurden, wirken  aus heutiger Sicht wie große, graue und klobige Kästen ohne jeglichen Anspruch auf Design. Alle elektronischen Systeme in der Bank liefen noch analog ab. Die Elektronik des letzten Jahrtausends brauchte ihren Platz. Im braunen Granulat vertrocknete Zimmerpflanzen im Erdgeschoss runden das Gesamtbild des seit 20 Jahren nunmehr vergessenen Ortes ab. Seit 2003 steht sie menschenleer und wird nicht mehr genutzt.

In der in Grün gestrichenen Tresorhalle, die sich dem Betrachter hinter einer meterdicken Stahltür eröffnet, blickt man – leider – in eine große Leere. An den schieren Reichtum, welcher einst in der LZB lagerte,  erinnern im Tresor heute nur noch angegammelte Euro-Paletten, auf denen sich wohl einst Goldbarren und Notenbündel stapelten. Vom Tresor nur durch eine Panzertür getrennt liegt die geräumige Lastwagengarage der LZB. Man erreicht sie durch mehrere Sicherheitsschleusen. Sie diente der An- und Ablieferung des Geldes und Goldes in für Normalbürger wohl unvorstellbaren Dimensionen.

Im Keller des Gebäudes finden sich weitere Lager und Technikräume sowie ein hauseigener Luftschutzkeller mit Luftfiltersystem sowie ein Dieselaggregat zur Stromerzeugung. „Hier könnte man es im Falle des Falles schon ein paar Tage aushalten“, erklärt Wagenknecht.

Im Gesamtpaket der Immobilie sind auch drei Reihenhäuser enthalten. Ein verwunschener und heutzutage zugewachsener Pfad entlang der LZB führt zu den Anwesen, die hinter einem ebenso verwucherten Parkplatz auf dem Bankgelände liegen: Dabei soll es sich um die ehemaligen Dienstwohnungen des Bankdirektors, seines Stellvertreters sowie eines Hausmeisters gehandelt haben. Eicheln knacken unter den Füßen, wenn man sich den Gebäuden nähert, die von Bäumen ringsum zugewachsen und verborgen sind. Ein mehrere Zentimeter hoher Humusboden, der sich in den letzten Jahren auf den gepflasterten Zuwegungen der Häuser angesammelt hat, lässt erahnen, dass hier seit der Schließung der Bank im Jahr 2003 kaum jemand mehr ein und aus gegangen ist. Die Innenräume der Direktorenwohnung überraschen mit Parkettböden und einer Galerie zum Wohnzimmer. Ein Highlight: Die verwunschenen Gärten hinter den Reihenhäusern. Seit 2003 ist dort wohl Mutter Naur der Gärtner. Ehemals gepflanzter Lavendel, Rosenstauden und andere Gewächse sprießen und kämpfen um Sonne und Licht wie Korallen in einem Riff. Wer den 1985 angelegten Gartenteich auf den ersten Blick erkennt, der hat wirklich einen geübten Blick.

Eine grüne Oase findet sich auch auf dem gewaltigen Flachdach der Bank, auf das eine schwindelerregend enge Wendeltreppe hinaufführt. Wenn das Dach nicht nur einen Innenhof unterbrochen würde, könnte man sich dort oben einen kleinen Fußballplatz anlegen. Derweil sprießen dort Kiefern, Büsche und andere Vegetation, die der Wind dort oben hoch über Wittlich gesät hat. Für das heute all so beliebte „urban gardening“ würde er jedenfalls alle Möglichkeiten bieten.

„Das Gebäude ist absolut solide“, sagt Wagenknecht. Er könne sich vielerlei Nutzungsmöglichkeiten vorstellen. Ein Dienstleistungs- oder Behördenzentrum, Steuerberater, Rechtsanwälte, Versicherungen, ein Ärztehaus oder auch Wohnungen: In der ehemaligen LZB sei vieles möglich, sagt Wagenknecht. Ein konkretes Kaufinteresse hätten bislang drei Parteien geäußert, sagt Wagenknecht: „Eine Bank, eine Gesellschaft aus Luxemburg sowie eine muslimische Glaubensgemeinschaft aus Nordrhein-Westfalen.“ Mit der Glaubensgemeinschaft seien die Verkaufsverhandlungen am weitesten gediehen, sagt Wagenknecht. „Die planen hier eine Art Begegnungsstätte.“ Im Gesamtpaket bekomme man mit der ehemaligen LZB viel Immobilie für wenig Geld, sagt er. „Wir liegen hier bei der Wohnfläche bei einem Quadratmeterpreis von 750 Euro.“ Der Neupreis in Wittlich bewege sich zwischen 2500 und 3000 Euro. Allerdings, so sagt Wagenknecht, erschwere die Individualität dieser Immobilie die Vermittlung ein wenig.

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