Landgericht Trier verurteilt Tankstellenräuber aus Wittlich zu sechs Jahren Haft
Wittlich/Trier · Ein 37-Jähriger hat im März die Tankstelle in der Wittlicher Friedrichstraße überfallen. Das Landgericht Trier verurteilte ihn zu sechs Jahren Haft. Dem Räuber wurde eine kaputte Spielzeugpistole zum Verhängnis.
Das Landgericht Trier hat am Donnerstag einen von drei Wittlicher Tankstellenüberfällen aufgeklärt. Die dritte Große Strafkammer verurteilte einen 37-Jährigen wegen schwerer räuberischer Erpressung zu sechs Jahren Haft. Der Mann hatte in der Nacht vom 17. auf den 18. März eine Tankstelle in der Wittlicher Friedrichstraße überfallen und 700 Euro erbeutet. Bei dem Überfall war der Räuber mit einer grünen Tüte über den Kopf vermummt, was ihm den Spitznamen "Tütenmann" einbrachte (der TV berichtete mehrfach).
Aufgeflogen war der Räuber durch Bilder aus den Überwachungskameras, die der TV kurz nach dem Überfall veröffentlicht hatte. Drei Apothekerinnen, bei denen Heroin- und Tablettenabhängige Räuber mehrmals in der Woche Methadon bezogen hatte, haben ihn unabhängig voneinander an seiner Handstellung erkannt. Beim Gehen hält er die Hand leicht nach vorne gekippt. "So wie bei einer Pfote", sagt eine der Apothekerinnen vor Gericht aus.
Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Polizisten schließlich auch die Tatwaffen. Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten eine defekte Spielzeugpistole. Diese hatte der Mann in seinem Kleiderschrank in einem Briefumschlag versteckt.
Die Waffe konnte laut Richter Hardt eindeutig dem Überfall zugeordnet werden. Die Pistole hatte eine rote Schutzkappe und außerdem war der Abzug abgebrochen. Das war auch auf den Überwachungsvideos zu erkennen. Dazu trug der Mann ein Messer bei sich. Dieses fanden die Polizisten auch in der Küchenschublade. "Das alleine reicht eigentlich schon für eine Verurteilung", sagt Hardt.
Zusätzlich habe der Tankstellenräuber in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt. Weil ihm die vom Arzt verordneten Dosen an Methadon und Schlaftabletten nicht ausreichten, kaufte er auf dem Schwarzmarkt weitere Drogen ein.
Strafschärfend bewerte das Gericht außerdem das lange Vorstrafenregister des Mannes. Richter Hardt benötigte fast 45 Minuten, um die 21 Eintragungen auszugsweise zu verlesen. Auffällig wurde der Mann vor allem durch Fahren unter Alkoholeinfluss sowie durch Schwarzfahren mit der Bahn. Nur zwei Wochen vor dem Tankstellenüberfall verurteilte ihn das Amtsgericht Wittlich wegen des Schwarzfahrens zu drei Monaten Haft auf Bewährung.
Neben der Haft ordnete das Gericht eine zweijährige Entziehungskur an. Schafft er den Entzug, könnte er nach bereits drei Jahren entlassen werden. Da er schon ein halbes Jahr in Untersuchungshaft sitzt, müsste er nur noch ein halbes Jahr in den Knast. Zwei Jahre würde er dann in der Klinik verbringen. Ob der Angeklagte die Therapie packt, scheint ungewiss. Als Richter Hardt die Anordnung verliest, schüttelte der 37-jährige Räuber vehement mit dem Kopf. Vielleicht kommt es auch gar nicht soweit. Sein Verteidiger Winfried Schabio kündigte an, in Berufung zu gehen. Er hatte Freispruch gefordert, weil sein Mandant nicht zweifelsfrei erkannt worden sei.