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Landscheider entscheiden über ihren Wald

Forstwirtschaft : Landscheider entscheiden über ihren Wald

Die Idee des Ortsgemeinderates, den eigenen Forst an ein privates Unternehmen zu verpachten, kommt bei vielen Einwohnern nicht gut an.

Die Ortsgemeinde Landscheid ist stolze Besitzerin von 360 Hektar Wald. Der eigene Forst ist für viele Dörfer ein Kapital, das es zu hegen und pflegen gilt, und das jedes Jahr Geld in die Gemeindekasse bringt. Deshalb stellen die Kommunen Jahr für Jahr einen Forstwirtschaftsplan auf. Dort steht drin, wie viele Festmeter Holz eingeschlagen werden sollen und welche Erlöse damit erzielt werden sollen.

„Und im Interesse der Bürger ist es die Aufgabe des Ortsgemeinderates, einen möglichst hohen Betrag bei der Bewirtschaftung des Waldes zu erzielen“, erklärt Ewald Heck, Bürgermeister der Ortsgemeinde Landscheid.

Dort hatte der Gemeinderat im Sommer als erste Kommune im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Erwägung gezogen, den Wald an ein privates Unternehmen zu verpachten (der TV berichtete). Doch allein schon die Idee sorgte im Dorf für Aufregung. Viele Bürger, darunter auch die ehmaligen Ortsvorsteher Egon Birresborn und Paul Steffen, kritisierten die Pläne: „Ein Unternehmen, das auf Gewinn aus ist, wird sich in der Zeit des Pachtverhältnisses die Rosinen herauspicken. Der Wald, der danach zurückbleibt, wird auf Jahre keinen Erlös mehr bringen“, meinte Birresborn. Die Gemeinde dürfe ihren Wald deshalb nicht aus der Hand geben, mahnte Birresborn. Sein Amtsvorgänger Steffen sagte: „Wenn der Pachtvertrag endet, sind das tote Landschaften. Private Unternehmen arbeiten profitorientiert und nicht nachhaltig.“ Nach Ablauf des Pachtvertrages folge dann der Verkauf des Waldes, meinte Steffen, weil der Forst auf Jahre keinen Ertrag mehr abwerfen würde.

Bei den Landesforsten, die seit Jahrzehnten das Holz aus dem Landscheider Wald mit vermarkten, sieht man das alternative privatwirtschaftliche Konzept ebenfalls kritisch. Revierförster Stefan Irmen, der den Landscheider Wald seit 30 Jahren betreut, spricht von „Risiken“, die von einer privaten Bewirtschaftung ausgingen. „In unserer Bewirtschaftung sind die Fixkosten mit drin. Im Angebot der privaten Anbieter fehlen zu großen Teilen zudem die Investitionen in die Forstwege. Unter Betrachtung aller Restrisiken bietet die private Bewirtschaftung von daher auch fiskalisch keine Vorteile.“

Aufgrund der geballten Kritik zahlreicher Bürger gab es im Ort Bürgerinformationsveranstaltungen, auf denen Ortsbürgermeister Ewald Heck die Einwohner über die Möglichkeiten zur Bewirtschaftung des Forstes informierte und auf denen auch kontrovers diskutiert wurde. Heck sagt, er sei über die Aufregung im Dorf verwundert gewesen, da der Ortsgemeinderat ja bloß ein Angebot eingeholt habe.

„Aber man wird schon komisch angeguckt, wenn man mal aus der kommunalen Familie ausscheren und einen eigenen Weg gehen möchte.“

Eine private Firma, sagt Heck, könne im Wald ja nun mal auch nicht machen, was sie wolle. Sie müsse ebenfalls einen Forstwirtschaftsplan vorlegen, der auch von den Landesforsten abgenickt werden müsse.

Am Donnerstagabend, 31. Januar, ist es nun so weit, dann will der Ortsgemeinderat über die Bewirtschaftung des Forstes abstimmen. Doch Ortsbürgermeister heck glaubt das Ergebnis schon zu kennen und tippt darauf, dass sich der Rat am Abend für den Fortwirtschaftsplan von Landesforsten entscheiden und damit dem Privatunternehmen eine Absage erteilen werde. Heck. „Das ist meine Meinung. Denn der Wirtschaftsplan der Landesforsten, der einen Ertrag von 27 300 Euro vorsieht, liegt nur 5000 Euro unter dem Angebot, welches das Forstunternehmen abgegeben hat.“

Wie Heck sagt, sei es für ihn schon in gewisser Weise etwas verwunderlich, dass man auf der Einnahmenseite auf Geld verzichte. Denn auf der Ausgabenseite, wenn es um die Ausschreibung von Leistungen gehe, sei die Ortsgemeinde gezwungen, stets dem günstigsten Bieter den Zuschlag zu erteilen.

Heck: „Man muss ja auch sehen: 5000 Euro machen auf fünf Jahre gesehen 25 000 Euro und damit kann man in einer Ortsgemeinde schon etwas auf die Beine stellen.“ Man darf gespannt sein, welche Entscheidung das Gremium in Landscheid heute trifft.