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Landscheider streiten über  Gewerbegebiet

Zwist im Gemeinderat : Landscheider streiten über  Gewerbegebiet

Der große oder der ganz große Entwurf? Im Ortsgemeinderat gibt es zur Erweiterung gegensätzliche Meinungen.

Ein hitziges Wortgefecht lieferten sich die Mitglieder des Ortsgemeinderates Landscheid auf der zurückliegenden öffentlichen Sitzung des Gremiums in der Eifellandhalle, denn zum Thema „Erweiterung des Gewerbegebiets“ gehen die Meinungen im Ort auseinander. Insbesondere über die Größe der Erweiterungsfläche wird man sich nicht einig.

Die Ortsgemeinde Landscheid an der A 60 und nahe der A 1 sowie des Hochmoselübergangs weckt als Gewerbestandort mehr und mehr Begehrlichkeiten. Bislang hat sich dort ein Dutzend Unternehmen angesiedelt. Zu der bestehenden Fläche von 5,7 Hektar, die mittlerweile verkauft und größtenteils bebaut ist, könnten bis zu 16 Hektar hinzukommen. Der Ortsgemeinderat fasste dazu im Frühjahr 2019 einen Grundsatzbeschluss (wir berichteten).

Doch auch über ein Jahr später ist man sich über den Umfang einer möglichen Erweiterung noch nicht einig geworden. Gerd Meyer, Ortsvorsteher des Ortsteils Burg,  plädierte auf der jüngsten Ratssitzung dafür, den Umfang der aktuellen Planung bereits im Vorentwurf zu reduzieren.

Mit der Erweiterung würde das Gewerbegebiet bis auf 180 Meter an die Ortslage Burg heranrücken. Kann es also sein, dass die Bewohner von Burg fürchten, dass ihnen das Gewerbegebiet zu nah auf die Pelle rückt? Davon war in Meyers Argumentation gegen eine Erweiterung in Richtung Burg aber nichts zu hören: „Hauptsächlich geht es darum, dass die Erschließung dieser Flächen viel zu aufwendig wäre“, versuchte Meyer den Rat zu überzeugen. „Über diese Flächen führt eine Stromleitung. Außerdem würde die Entwässerung schwierig und kostspielig.“

Darüber hinaus seien dort im Erdreich noch vergrabene Kulturdenkmäler zu erwarten, wie Luftbilder zeigen würden, und die Gemeinde sei dort auch noch nicht im Eigentum aller Flächen. Meyer ist überzeugt: Das Gewerbegebiet in Richtung Burg zu erweitern, werde aus diesen Gründen eh kaum Chancen auf Erfolg haben. „Wenn wir dieses Areal jetzt aus der Planung streichen, dann sparen wir uns unnötige Kosten, weil das Gebiet aus den genannten Gründen eh früher oder später aus der Planung gestrichen wird. Das sagt einem ja der gesunde Menschenverstand.“

Aber die Mehrheit im Rat sieht das anders.
Ein Ratsmitglied bemühte dafür folgende Metapher. „Warum sollten wir uns jetzt ein gesundes Bein abschneiden, um vielleicht nachher festzustellen: Es war ja gar nicht krank?“ Man solle doch erst mal die Expertise der Fachplaner abwarten, sagte das Ratsmitglied, bevor man Flächen aus der Planung streiche. Sonst würde man sich ja vorab schon selbst in den Möglichkeiten, das Gewerbegebiet zu erweitern, beschränken.

Zunächst mal mit dem großen Entwurf und allen Flächen ins Rennen zu gehen, wenn die Planungsleistungen ausgeschrieben werden, das empfahl dem Gremium auch Melanie Kiemes von der Verwaltung der Verbandsgemeinde, die der Sitzung beiwohnte. Der Untersuchungsraum solle möglichst groß gewählt werden, um sich alle Möglichkeiten offen zu halten. Sich in der Planung vorab selbst einzuengen, sagte Kiemes, das sei keine gute Idee.

Diesem Vorschlag folgte auch die Mehrheit der Ratsmitglieder bei der Abstimmung zum Planaufstellungsbeschluss. Neben acht Ja-Stimmen gab es fünf Nein-Stimmen.

 Auch Landscheids Ortsbürgermeister Michael Comes stimmte gegen den großen Entwurf. „Als ehemaliger Ortsvorsteher von Burg geht mir der Entwurf zu nah an Burg heran.“ Das sei wegen möglichen Lärmemmissionen problematisch, sagt Comes.

Mit diesem Abstimmungsergebnis geht die Gemeinde nun dennoch mit dem größeren Vorentwurf für einen Bebauungsplan ins Rennen. Für die Planungsleistungen zur Aufstellung eines Bebauungsplans werden nun Angebote eingeholt. Zudem sind weitere Gutachten zum Naturschutz sowie zum erwartbaren Lärm im Plangebiet notwendig. Auf der Sitzung beschloss der Rat zudem, die Fortschreibung des Flächennutzungsplans zu beantragen.

Mit diesen Beschlüssen ist der Ortsgemeinderat dem Ziel, das bestehende Gewerbegebiet zu erweitern, wieder ein kleines Stück näher gekommen, wenn auch bis zum Ziel noch ein verfahrenstechnisch weiter Weg vor dem Gremium liegt.

Dem Landscheider Forstunternehmer Walter Raskop, der sich selbst im Ortsgemeinderat engagiert, dauert der Weg allerdings bereits schon jetzt entschieden zu lang. Raskop musste wegen Befangenheit beim Thema „Erweiterung des Gewerbegebiets“ vom Tisch abrücken und durfte nicht mit abstimmen.

Der Unternehmer wartet nämlich selbst sehnsüchtig auf die Erweiterung des Gewerbegebiets. Er wolle dort bis zu fünf Millionen Euro in die Erweiterung seines Unternehmens investieren, um mehr Haushalte im Dorf mit Nahwärme aus Holzhackschnitzeln zu versorgen. „Für die Unternehmen ist die Länge dieses Verfahrens eine Zumutung“, sagt Raskop. Man solle die Planung dringend beschleunigen. „Wir reden nun bereits seit 2017 über die Erweiterung des Gewerbegebiets. Jetzt haben wir 2020 und immer noch keinen Bebauungsplan. Mir dauert die Planung viel zu lange“, sagt Raskop, der gerne lieber heute als morgen mit der Erweiterung seines Unternehmens in Landscheid beginnen würde.

Er wisse zwar nicht, mit welchen konkreten Maßnahmen man das Verfahren beschleunigen könne, sagt Raskop. Er wünsche sich aber, dass die Orts- sowie die Verbandsgemeinde Wittlich-Land bei der Planung schneller vorankämen.