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Landtagswahl 2021: Porträt Stefan Thoma, FDP-Direktkandidat aus Landscheid

Landtagswahl : Überzeugen statt verbieten

Seine Leidenschaft für Biologie und Evolution brachte ihn in den Lehrerberuf. Er bezeichnet sich selbst als Dorf- und Familienmenschen. Nun will Stefan Thoma (FDP) in den Landtag.

Stefan Thoma ist 32 Jahre alt und lebt in Landscheid-Niederkail. Er ist Oberstufenleiter an der Realschule plus und Fachoberschule Traben-Trarbach. Zuvor hatte er Biologie, Politikwissenschaft und Psychologie studiert: „Dabei ging es immer um die Frage, wie verhalten sich Menschen, wie kommunizieren Menschen und wie denken Menschen?“

Für Politik habe er sich schon immer interessiert, erzählt er am Telefon. „Der Kontakt zu Politikern war immer da.“ Sei es bei Parlamentsbesuchen oder wenn ein Politiker in der Schule zu Gast war oder auch der kurze Draht zu kommunalen Politikern.

Aber erst als er nach Landscheid-Niederkail umgezogen ist, hat sich das verstärkt. Er habe eine Lücke gespürt. „Da kam die Idee, mich politisch zu engagieren. Politik ist doch etwas Spannendes.“ Auf der politischen Bühne sei er nicht immer mit allem einverstanden gewesen. „Da hat sich bei mir das Gefühl aufgeladen: Mecker nicht, sondern mach es besser.“

Dass er in die FDP eingetreten ist, sei für ihn keine Frage gewesen: „Für mich war das klar: Wenn, dann bei der FDP.“ Was ihn zu den Liberalen getrieben habe sei der Gedanke der Eigenverantwortung, der bei bei den Liberalen besonders ausgeprägt sei. Stefan Thoma plädiert dafür, Menschen müssten selbstständig Entscheidungen treffen: „Liberalismus heißt, dass man selbst entscheidet, was man tun oder nicht tun will.“ Das bedeute aber nicht, betont er, verantwortungslos aufzutreten. „Man muss die Menschen von etwas überzeugen, damit sie es von sich aus tun, anstatt die Leute mit Verboten zu zwingen. Das denke ich häufig, wenn derzeit über verschärfte Corona-Maßnahmen nachgedacht wird.“

Wenn man ihn nach prägenden Ereignissen fragt, nennt er lieber prägende Charaktere, die ihn beeinflussen: „Da ist zum Beispiel Wolfgang Kubicki, der mag seine Ecken und Kanten haben, aber bei dem sieht man, dass er das, was er vertritt, ehrlich vertritt.“

Sein Spezialthema sei durch seinen Beruf geprägt: die Bildungspolitik. „Durch meinen Beruf als Lehrer habe ich damit viel zu tun. Ich denke, ein Grundproblem ist, dass wir in den Ministerien Menschen sitzen haben, die zwar juristische Expertise haben, aber nicht zwangsläufig mit pädagogischen Fragen vertraut sind.“ Man habe im Schulsystem eine „unglaublich erschlagende Verwaltung“, die mit Vorschriften und Rechtsverordnungen hantiere. „Mit Pädagogik hat das nichts zu tun. Wir haben Schulleiter, die die Schule nicht leiten dürfen, weil ihnen die Hände gebunden sind…Wir haben Kollegen, die gefangen sind in einem Korsett, was sie nicht machen dürfen.“

Wenn man ihn nach seinem Ziel fragt, sagt er: „Ich hoffe, dass ich mich als Zweiter etablieren kann. Natürlich will ich gewinnen, aber wenn man realistisch ist, hoffe ich mich als Zweiter etablieren zu können.“ Für seine Partei hofft er auf acht bis neun Prozent. „Über ein zweistelliges Ergebnis wäre ich natürlich glücklich, das halte ich aber für unrealistisch.“

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Logo Landtagswahl neu Foto: TV/Schmitz, Alexandra

Wenn er sich nicht mit Politik befasst, geht er gern angeln. „Ich genieße es, in der Natur zu sein, gemütlich am Fluss oder im Wald zu sitzen, wo man sich auch immer dem Fischgrund widmen kann.“ Es gehe ihm weniger ums Angeln, mehr um die Ruhe. Auch gehe er gern spazieren oder bastele an seinem Computer und lese Sachbücher.