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Landtagswahl Rheinland-Pfalz 20201 Porträt Karina Wächter CDU

Landtagswahl : Die ländlichen Strukturen überdenken

Karina Wächter möchte als CDU-Direktkandidatin für den Wahlkreis 23 (Bernkastel-Kues/Morbach/Kirchberg) in den Landtag gewählt werden.

Karina Wächter reagiert schon am nächsten Tag auf die Bitte um Rückruf. „Ich lasse mir nicht so viel Zeit, um Fragen zu beantworten,“ sagt die 30-jährige CDU-Kandidatin, die gerade mit dem Auto auf dem Weg von Mainz nach Bernkastel-Kues ist.

„Es kann sein, dass gleich der Kontakt abreißt, im Schnitt passiert mir das fünf bis zehn Mal auf dem Weg an die Mosel,“ sagt sie und ist damit auch gleich bei einem ihrer wichtigen Themen: Die flächendeckende Netzversorgung für Telefonie und Internet. Das sei wichtig, besonders auch um die jungen Menschen im ländlichen Raum zu halten. „Wer stehen bleibt, ist schon im Rückschritt und man muss die ländlichen Strukturen überdenken,“ sagt Wächter. Dass sie auf dem Weg von Mainz nach Bernkastel-Kues ist, kommt nicht von ungefähr: Der CDU-Landtagsabgeordnete Alex Licht hatte ihr bereits im September vergangenen Jahres seinen Sitz im Landtag übergeben, um sich in den Ruhestand zu verabschieden. Ob das für sie ein Vorteil sei? „Für den Wahlkampf unter Corona-Bedingungen eher weniger. Aber ich kann mich so schon in die Strukturen im Landtag einarbeiten und kann bereits kleine Impulse setzen.“

Wie sie zur Politik gekommen ist? „Eigentlich war das am Anfang nicht mein Ziel, als ich Steuerberaterin wurde. Aber ich habe in meinem Umfeld bei vielen jungen Menschen eine Politikverdrossenheit festgestellt. Eine Resignation, obwohl es gerade im ländlichen Raum viel zu tun gibt. Ich bin bereit anzupacken.“

Die Situation der heimischen Wirtschaft kenne sie gut, da sie nach dem Studium zum gehobenen Dienst von 2012 bis 2017 für das Finanzamt Trier tätig war. „Dabei habe ich als Betriebsprüferin überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen der Region geprüft, und deren Anliegen, deren Themen und Probleme aus erster Hand kennengelernt.“

Gerade unter den Corona-Bedingungen sieht Wächter große Herausforderungen für die nächsten Jahre. „Es wird auch eine Zeit nach Corona geben und da muss man auf Verluste beim Bildungsniveau achten. Das zieht sich vom Homeschooling für Grundschüler bis hin zu den Studenten, gilt aber auch für Ausbildungsberufe. Da fehlt es zum Beispiel, dass ein Azubi mal dem Kollegen über die Schulter blicken kann. Die Menschen leben jetzt sehr isoliert,“ sagt Wächter.
Um junge Menschen zu motivieren und im ländlichen Raum zu halten, sei unter anderem die Mobilität wichtig. „Da darf es kein Gefälle zwischen Stadt und Land geben,“ findet die CDU-Kandidatin.

Die Maßnahmen gegen den Klimawandel müsse man nicht nur in städtischen, sondern auch in ländlichen Kategorien denken. E-Autos seien in der Stadt möglich, aber auf dem Land bleibe die E-Mobilität schwierig. Diese Konzepte müsse man überdenken.

Im Wahlkampf würde sie gerne mehr Präsenz zeigen, aber das lasse die Pandemie nicht zu. „Normalerweise hätte ich jetzt viele Kappensitzungen besucht, um nahe bei den Leuten zu sein, aber das ist nicht möglich,“ sagt die Kandidatin. Ihr Ausgleich von Beruf und Politik? „Am liebsten verbringe ich Zeit mit meiner Familie und Freunden. Seit Kindertagen spiele ich Violine und bin Mannschaftsführerin der Damen-Verbandsligamannschaft des TC SW Ürzig. Ich spiele außerdem Volleyball, halte mich mit Joggen fit und rudere gerne. Wenn ich einmal nicht aktiv bin, fiebere ich beim Fußball mit.“ Welches Stück sie am liebsten mit der Violine spielt? „Air“ von Johann Sebastian Bach. Das sei ein zeitloses Stück und ein guter Ausgleich.