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Landwirte aus Arenrath wollen im Ort Energielieferanten werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Biogas : Landwirte wollen in Arenrath Energielieferanten werden

Die Betreiber der Biogasanlage in Arenrath möchten den Ort mit Fernwärme versorgen. Die Biogas-Produktion soll dafür um bis zu 50 Prozent gesteigert werden. Im Ort gibt es bereits Interessenten.

Man braucht keine eigene Heizungsanlage, keinen Öltank und letztlich auch keinen Schornsteinfeger mehr: Landwirt Markus Lieser aus Arenrath und seine beiden Mitstreiter Edgar und Stefan Marx sind von den Vorteilen ihres Projektes, mit dem sie den Eifelort Arenrath in der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land mit Fernwärme versorgen möchten, völlig überzeugt. Die Landwirte betreiben bereits seit 2006 eine Biogasanlage in der Ortsgemeinde.
Diese wird mit nachwachsenden Rohstoffen befüllt, welche die Landwirte auf ihren Äckern anbauen: Mais, Sonnenblumen, Getreide und auch andere Ackerfrüchte landen in der Anlage, die jährlich rund 2,2 Millionen Kubikmeter Biogas liefert. Sie wurde erst im vergangenen Jahr durch die Investition von 800 000 Euro erweitert.

Bislang beheizen die Landwirte mit dem eigenen Biogas hauptsächlich ihre Tomatengewächshäuser. Die rotleuchtenden Früchte wachsen in Arenrath auf 3500 Quadratmetern Fläche. Rund 50 Tonnen Tomaten und nebenbei auch Chilis ernte das Unternehmen in der Eifel jährlich, erklärt Lieser.

Doch nun haben die drei Pioniere, die  schon die Tomatenzucht in die Verbandsgemeinde Wittlich-Land brachten, noch ganz andere Pläne. „Wir könnten bis zu 100 Häuser im Ort mit Fernwärme versorgen“, sagt Lieser. Dazu sei die Anschaffung von drei Blockheizkraftwerken geplant. „Wir möchten rund eine Million Euro investieren.“ Die Blockheizkraftwerke wolle man am Ortsrand positionieren. Lieser: „Die bekommt man fertig montiert in Seecontainern. Man muss sie nur noch anschließen und in Betrieb nehmen.“ Doch wie kommen die Landwirte darauf, künftig im Ort auch Energieversorger sein zu wollen?

„Das passt in die Zeit“, sagt der Landwirt, denn die Fernwärme aus Biogas sei CO2-neutral und für die Kunden obendrein im Preis noch rund zehn Prozent günstiger als Heizöl. Mindestens eine Million Kilowattstunden thermische Energie wolle man in den Blockheizkraftwerken für die Dorfbewohner und auch andere mögliche Abnehmer im Ort wie die Feuerwehr erzeugen. Die Wärme solle über ein eigenes Fernwärmenetz bis an die Häuser geleitet werden. „Wir installieren an den Häusern Platten-Wärmetauscher.“ Das Wasser komme mit einer Temperatur von 85 Grad bei den Haushalten an und verlasse diese wieder mit einer Temperatur von 65 Grad, erklärt Lieser. „Im Haus brauchen sie dann nur noch eine Pumpe, um die Wärme zu verteilen.“

Alle weitere Technik wie Tanks und Brenner, wie man sie von Heizungsanlagen her kenne, sei dann obsolet.

„Wir machen das bei uns auf dem Hof bereits seit 2012 und versorgen bereits umliegende Häuser. Alle Wärme, die wir haben, wird derzeit als Fernwärme und in den Gewächshäusern verbraucht.“ Alle Kapazität sei damit aufgebraucht.

Der Ortsgemeinderat befasste sich jetzt mit den Plänen der Landwirte und ihren Ambitionen, Energielieferant zu werden. Der Ortsgemeinderat fasste einstimmig einen Grundsatzbeschluss und begrüßte damit das „Vorhaben zur Erweiterung der bestehenden Biogasanlage mit der Errichtung des Satelliten-Blockheizkraftwerkes“. Ferner beschloss der Gemeinderat, bei der Verbandsgemeindeverwaltung die Fortschreibung des Flächennutzungsplans zu beantragen.

Wie Ortsbürgermeister Ludwig Schmitz auf TV-Anfrage erklärte, komme nun der lange Weg des Genehmigungsverfahrens. Bis in die Ortschaft Arenraths Fernwärme strömt, könnten noch zwei bis drei Jahre Zeit ins Land gehen. „So ist das halt in Deutschland.“ Viele Behörden seien zu beteiligen.

Bei der Ratssitzung habe es unter anderem auch noch Diskussionen wegen der späteren Sichtbarkeit der Blockheizkraftwerke am Ortsrand geben. Denn auf den Heizkraftwerken in Seecontainern sollen jeweils zehn Meter hohe Schornsteine montiert werden. Deshalb sei eine mehrreihige Bepflanzung für den Sichtschutz geplant.

Schmitz: „Das ist ein kleiner Makel. Aber grundsätzlich ist es ja eine gute Sache, die wir nicht wegen Kleinigkeiten scheitern lassen sollten.“ Und wie Gerhard Jung, erster Beigeordneter der Gemeinde, sagt, seien bereits mehr als 50 Haushalte an der Versorgung mit Fernwärme interessiert.

Das betreffe hauptsächlich Gebäude im Ortskern, die derzeit noch mit älteren Ölheizungen beheizt würden. Im Ort gibt es insgesamt 153 Haushalte und rund 120 Häuser. Für die Bewohner des Neubaugebiets, von denen viele ihre Häuser mit Erdwärme beheizen würden, sei das Fernwärmeprojekt hingegen weniger interessant.

Kritisch diskutiert wurde das Projekt im Rat zudem auch noch aus Gesichtspunkten des Umweltschutzes. „CO2-neutral ist die Fernwärme auch nicht, wenn man die Traktorfahrten zur Einbringung der Silage und zur Ausbringung der Gärreste betrachtet“, sagt Jung. „Man muss halt abwägen. Es gibt nicht nur Vorteile.“
Wie Schmitz erklärt, solle die Anlage für die Erzeugung von Fernwärme 50 Prozent mehr Biogas produzieren. Damit wird sich auch der Verkehr von und zur Biogasanlage, die mehr als zwei Kilometer von der Bebauung entfernt und deren Zufahrt außerorts liegt, erhöhen.

Der Ortsgemeinderat hat die Planung trotz dieser Bedenken nun einstimmig auf den Weg gebracht. In Kürze werden sich damit zudem die Ausschüsse und der Verbandsgemeinderat der VG Wittlich-Land befassen.