Landwirte klagen über Flächenknappheit - Pachtpreise

Landwirtschaft : Landwirte klagen über Flächenknappheit und steigende Pachtpreise

Wenn Bau- Gewerbe- und Industriegebiete wachsen, verlieren Landwirte ihre Flächen. Auch durch ökologische Ausgleichsmaßnahmen schrumpft die landwirtschaftliche Nutzfläche im Landkreis Bernkastel-Wittlich. 

Niedrige Milch, Fleisch- und Getreidepreise, Düngeverordnungen, Wildschweine und, und, und: Die Liste an Themen, die den Landwirten und Winzern das Leben schwer machen, ist lang. Ein weniger populäres jedoch dramatisches Problem der Bauern ist dabei der Flächenverbrauch durch die Kommunen und die Wirtschaft. Wenn Städte und Dörfer wachsen, weil Neubaugebiete ausgewiesen oder Industriegebiete erweitert werden, ist das für die Landwirte selten ein Grund zur Freude.

„Diese Expansionen finden meist auf unseren Flächen statt und der Flächenverbrauch der Kommunen und der Wirtschaft zählt mittlerweile zu unseren größten Problemen“, sagt Manfred Zelder, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau im Kreisverband Bernkastel-Wittlich. Der Landwirtschaftsmeister schätzt, dass den Bauern und Winzern im Landkreis Bernkastel Wittlich aufgrund dieser Entwicklung „inzwischen jeder dritte Hektar fehlt“. 37­000 Hektar landwirtschaftlich nutzbare Fläche stehen den Bauern und Winzern im Landkreis noch für den Anbau und als Weide zur Verfügung. Das Thema Flächenknappheit sorgte auch auf der Dreikönigstagung der Bauern und Winzer für Zündstoff.

Zelder nennt ein Beispiel für den Flächenverbrauch im Wittlicher Tal: Allein durch den Bau der B50-Neu seien den Landwirten auf diesem beengten Raum 120 Hektar verlorengegangen – zuzüglich der damit zusammenhängenden 120 Hektar Ausgleichsfläche für ökologische Maßnahmen. Mit solchen gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen sollen negative Folgen von Eingriffen in Natur und Landschaft minimiert werden, doch auch dabei erklärt Zelder, gingen der Landwirtschaft viele Flächen verloren, weil beispielsweise wertvolle Ackerflächen zu Weideflächen und Streuobstwiesen umgewandelt würden. „Ackerbau ist da nicht mehr möglich.“ Doch der Flächenhunger der Kommunen und die Schaffung „ökologischer“ Ausgleichsflächen bereitet den Landwirten viele weitere Schwierigkeiten:

Pachtpreis Zum einen steige durch die Flächenknappheit der Pachtpreis, erklärt Zelder. Da Landwirte jedoch nicht gerne übers Geld sprechen, hat das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum die Zahlen beigesteuert: Demnach stieg der durchschnittliche Pachtpreis für einen Hektar Land von 2013 zu 2016 um neun Prozent – von 209 auf 227 Euro.

Bei Neuverpachtungen mussten die Bauern im Land im Durchschnitt sogar 314 Euro je Hektar zahlen.

Produktivität Desto weniger Fläche, den Landwirten zur Erwirtschaftung ihres Ertrages bereitstünden, sagt Zelder, desto intensiver müssten sie die verbliebenen Flächen bewirtschaften. „Diese intensivierung ist ein Teufelskreis. Um mehr Ernten von den verbleibenden Ackerflächen zu bekommen, steigen der Aufwand für Bodenverarbeitung, der Dieselverbrauch, die Arbeitszeit, der Düngeeinsatz und damit die Kosten.“ Daher sei die Flächenknappheit ein weitere Faktor, der die Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft bedrohe.

Lösungen Die Bauern könnten die Entwicklung der Kommunen und der Wirtschaft nicht beeinflussen, sagt Zelder. „Aber wir sind gelernte Landwirte und ohne Land wären wir nur noch Wirte. Das haben wir aber nicht gelernt.“

Deshalb rät Bauernchef Zelder der Politik zum Umdenken. Er fordert, dass bei der Ausweisung von Bau- und Industriegebieten ebenso wie beim Straßenbau keine landwirtschaftlichen Flächen mehr als ökologische Ausgleichsgebiete herangezogen werden dürfen.

Zelder: „Meine Idee wäre, dass zum beispiel in Neubaugebieten auf jedem Neubau eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach installiert werden muss, was als Ausgleich für die Natur abgegolten werden sollte.“

Landrat Auf kommunalpolitischer Ebene rennt Zelder mit seinen Forderungen offene Türen ein. „Der Gesetzgeber muss das regeln“, sagt Landrat Gregor Eibes, der zu mehr Qualität statt Quantität rät. „Statt ökologischer Ausgleichsflächen, welche die landwirtschaftliche Fläche einschränken, müssten Zahlungen geleistet werden können, die ich an gezielter Stelle in qualitative Naturschutzprojekte stecken kann.

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