Landwirte wollen besser kommunizieren

Landwirte wollen besser kommunizieren

Die Vermarktung von regionalen landwirtschaftlichen Produkten nimmt Fahrt auf - trotzdem bleibt sie kein einfaches Geschäft. Auf seiner Jahrestagung in Thalfang benennt der Bauern- und Winzerverband den Grund für das Problem: die mangelhafte Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Verbraucher.

Thalfang. Erika und Susi bewachen den Eingang der Thalfanger Festhalle. Die beiden zwei Wochen alten Schwarzbunt-Holstein-Friesian-Kälber stehen für etwas: Sie sind Symbole für die artgerechte Haltung von Nutzvieh in Mitgliedsbetrieben des Bauern- und Winzerverbands Bernkastel-Wittlich.
"Ein dickes Ausrufezeichen steht hinter dem Motto Landwirtschaft hat Zukunft", sagt Landrat Gregor Eibes in seinem Grußwort zu den 100 Teilnehmern. Eine gute Wertschöpfung sei wichtig, nicht nur für die Vermarktung regionaler Produkte, sondern auch bei modernen Produkten, wie der Biomasse für die Energieversorgung. Eibes versprach, auch weiterhin eine gute Entwicklung im Kreis mitzutragen.
Schüler der Thalfanger Erbes kopf-Realschule präsentieren das Berufsbild von Bauern und Winzern in einem Vortrag mit Fotos, der viel Applaus erntete. "Landwirt ist ein anspruchsvoller Beruf geworden, der nicht nur aus Gummistiefel und Mistgabel besteht", warb der Kreisvorsitzende des Verbands, Manfred Zelder, um Nachwuchs.
Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, Marc Hüllenkremer, moderierte anschließend die Podiumsdiskussion zum Thema Zukunftsentwicklung der regionalen Landwirtschaft. Sabine Becker, Leiterin der Erbeskopf-Realschule plus, prangerte Monokulturen an, auf denen Pflanzen zur Energiegewinnung angebaut werden. Zudem verspielten Skandale das Vertrauen.
Missverständnisse verhindern


Missverständnisse zwischen Produzenten und Konsumenten verhindern und Aufklärungsarbeit leisten - das hält auch Bauer Christoph Manz für notwendig: "Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen", sagte er. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Hochwald Food GmbH, Hans-Jürgen Sehn, sieht in der Öffnung für den Weltmarkt eine Chance für die Milchwirtschaft: "Nirgends auf der Welt ist Milch so billig wie in Deutschland", erklärte er den Versammelten.
Lutz Güldenberg von der Jugendhilfeeinrichtung Jugendhof Gräfendhron ist sicher: "Die Verbraucher wissen sehr wohl, was sie kaufen." Hohe Qualität sei aber nicht für jeden bezahlbar. Gerhard Saar, Geschäftsführer der Schweine-Vermarktungsgesellschaft und Eifel-Rindfleisch-Absatz-Gemeinschaft, macht klar: "Regionale Vermarktung ist mühsam, lohnt sich aber."
Für den Kreisvorsitzenden Zelder ist ein Punkt besonders wichtig: "Der Verbraucher hatte noch nie eine solche Lebensmittelsicherheit wie heute". Und noch nie sei der Tier-, Natur- und Umweltschutz so streng überwacht worden. Von Massentierhaltung könne in ganz Rheinland-Pfalz keine Rede sein. Große Bestände können jedoch meist besser betreut werden als kleine.
Der Thalfanger Ortsbürgermeister Burkhard Graul prangerte die hohen Pachtpreise an: "Das ist eine Gefahr für die kleinen Betriebe." Schließlich erhielten Landwirte doch auch die Kulturlandschaft. Und wie gut die Produkte schmecken, könne jederzeit im Regionalladen Thalfang probiert werden. doth
Extra

Im Kreis Bernkastel-Wittlich hat der Bauern- und Winzerverband rund 2400 Mitgliedsbetriebe. 60 Prozent davon sind Winzer. Damit ist dieser Kreisverband der zweitstärkste im Landesverband Rheinland-Nassau. Jeder sechste Arbeitsplatz im Kreis ist von der Landwirtschaft und dem Weinbau abhängig - auch wegen dem Tourismus. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.bwv-net.de doth