Landwirtschaftspreis: Berlinger Hof aus Wittlich unter CeresAward-Finalisten

Existenzgründerin : Melkstand mit Kinderschaukel – Hof aus Wittlich unter Finalisten für höchsten Landwirtschaftspreis

Der CeresAward ist die höchste landwirtschaftliche Auszeichnung im deutschsprachigen Raum. Die Wittlicherin Magdalena Zelder befindet sich unter den besten drei Kandidaten in der Kategorie Junglandwirte. Ein Besuch mit der Jury auf dem Berlingerhof.

Magdalena Zelder steht vor dem Hühnergehege und streicht behutsam über ihren Bauch, in dem gerade ihr drittes Kind heranwächst. Einen Bauernhof mit rund 105 Hektar Land zu bewirtschaften ist bereits ohne Kinder eine Herausforderung, doch die 31-Jährige meistert diese Aufgabe gemeinsam mit ihrem Mann Christoph und ihren beiden Kindern jeden Tag. Das erkennt man unter anderem an der Kleinkindschaukel im Melkstand.

Im Jahr 2013 haben sie den Hof in Wittlich-Bombogen mitsamt der Technik, der Milchviehherde und der Nachzuchttiere gekauft. Seitdem haben sie die Zahl ihrer Milchkühe von 48 auf 90 Tiere beinahe verdoppelt, die Nachzuchtherde besteht heute aus weiteren 90 Kühen. Die Milchleistung des Stalls hat sich im Durchschnitt von 5500 Litern auf 9500 Liter pro rund einem Jahr gesteigert.

Nun ist die Landwirtin für den CeresAward nominiert. Dabei geht es um den Titel „Landwirt des Jahres“ und den Sieg in verschiedenen Kategorien. Die Wittlicherin tritt in der Kategorie Junglandwirtin an. Vorgestellt wird sie in der Infobroschüre zum Wettbewerb als „Die Existenzgründerin“.

Als die Jury Bombogen besucht, ist es knapp 40 Grad heiß. Magdalena Zelder und ihr Mann Christoph führen die Experten trotzdem über den Hof. Angereist sind Dagmar Deutsch von der Medienmarke agrarheute, Mara Walz vom Bund der Deutschen Landjugend und Jens Steinhardt von der Firma Mitas, die Landwirtschaftsreifen herstellt. Bei dem Rundgang geht es durch Kuh- und Kälbchenställe, vorbei an den mobilen Hühnerställen, dann einen kleinen Abstecher in den Hofladen und zum Schluss an die Grünschnittstelle. 720 Hühner halten die Zelders auf dem Hof in drei Mobilställen. Zwei davon haben sie selbst gebaut.

Im Hofladen werden Fleisch, Eier, Milch und Eiernudeln angeboten – alles vom Berlingerhof. Auch Betriebe aus der Nachbarschaft bieten dort ihre Produkte an. Die Eier liefern die Zelders außerdem auch an Kitas und Hotels in der Umgebung. Einen Milchautomaten gibt es auf dem Hof auch. Magdalena Zelder erklärt: „Wir haben hier ab und zu auch Aktionen, zum Beispiel wenn wir ein Tier schlachten – dann können sich die Kunden über die Aktionswand hier im Laden etwas davon reservieren lassen. Rund 75 Prozent davon läuft aber mittlerweile über Social Media.“

Und auch wenn die Digitalisierung einige Vorteile bringt, so haben sich die Zelders zum Beispiel von ihrem Melkroboter bereits wieder verabschiedet. Magdalena Zelder: „Der Roboter nimmt eben keine Rücksicht darauf, ob du gerade im Kino sitzt, schläfst, oder heiratest – er kann sich immer plötzlich melden, und dann muss man nachsehen, was das Problem ist. Und außerdem ist es uns lieber, wenn wir unsere Kühe zum Melken einfach zwei Mal am Tag sehen.“

Wie genau die Jury die Entscheidung zwischen den drei Finalisten der Junglandwirte trifft, verrät sie nicht. Aber die Mitglieder erzählen von einigen Kriterien. „Manche Junglandwirte entwickeln zum Beispiel einen neuen Betriebszweig auf ihrem Hof. Hier ist es eben ein kompletter Betrieb“, sagt Dagmar Deutsch. „Ein weiteres Kriterium ist die Ausbildung der jeweiligen Bewerber.“ Mara Walz ergänzt: „Wir achten unter anderem darauf, wie viel Zukunftspotenzial das Konzept hat, das die Jungbauern verfolgen. Und zum Beispiel auch auf die Work-Life-Balance.“

Magdalena Zelders Konkurrenten in der Kategorie Jungbauern heißen Hendrik Wolper und Axel Roth. Der 25-jährige Hendrik Wolper beschäftigt sich im elterlichen Betrieb in Einbeck-Salzderhelden (Niedersachsen) hauptsächlich mit Hühnern und deren Mobilställen. Axel Roth aus Coburg ist 23 Jahre alt und feilt im Familienbetrieb an dem seit kurzem dort eingeführten automatischen Melksystem.

Magdalena Zelder versorgt gemeinsam mit ihrem Mann Christoph die Kälber auf ihrem Bauernhof mit Wasser. Foto: Marlene Bucher. Foto: Marlene Bucher

Nach der Jury-Tour von Bauernhof zu Bauernhof, die mit dem Hof der Zelders endet, bleiben nun noch einige Wochen, bis die Jury sich entscheiden muss, welcher der drei Finalisten in der Kategorie Junglandwirte den besten Eindruck hinterlassen hat. Nun heißt es für Magdalena Zelder gespannt sein und abwarten.

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