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Lange Suche nach dem großen Unbekannten

Lange Suche nach dem großen Unbekannten

HEIDENBURG. Seit vielen Jahren bemüht sich die Heidenburgerin Dagmar Koch, ihren leiblichen Vater zu finden. Er war amerikanischer Soldat, in Bitburg stationiert und wurde noch vor ihrer Geburt in die Staaten versetzt. Jetzt hofft sie auf Unterstützung von TV-Lesern.

Dagmar Koch hat fast ihr ganzes Leben lang nach ihrem Vater gesucht. Er war amerikanischer GI, hieß Jimmy oder James, war zumindest in jungen Jahren eine smarte Erscheinung und in Bitburg stationiert, wahrscheinlich bei der 71. Tacticle Missile Squadron. Er lebte Anfang der 60er-Jahre zeitweilig mit ihrer Mutter Gertrud Berg, kurz Gerti oder Trudel genannt, in der Hauptstraße 316 in Speicher. Kurz vor der Geburt der kleinen Dagmar wurde er in die Staaten versetzt. Nach einem Jahr brach der Kontakt abrupt ab. Was die 44-jährige Frau, die mit ihrer Familie vor sechs Jahren nach Heidenburg zog, heute über "Jimmy" weiß, ist wenig. Dennoch ist es das Ergebnis einer langjährigen und hartnäckigen Suche. Ihre Mutter hüllte sich viele Jahre lang in Schweigen. Offenbar hatte sie mit der "Schande", ein uneheliches Kind von einem GI zu haben, vieles verdrängt oder zumindest vergessen wollen. Darunter etwas ganz Entscheidendes: nämlich den Nachnamen des Mannes, der sie aus unbekannten Gründen sitzen ließ. Die kleine Dagmar wuchs bei den Großeltern in Trier auf. Mit sechs Jahren erfuhr sie, dass die Menschen, die sie bisher für ihre Eltern hielt, ihre Großeltern sind. Kontakt zur Mutter gab es damals nicht. Aber: "Die Großeltern hatten mich lieb, und nur das war wichtig." In der Schule tauchten die ersten Probleme auf, als dem Namen des Vaters gefragt wurde. Die Mutter, die sie mit acht Jahren erstmals traf, schwieg. Schließlich verriet die Großmutter, dass der große Unbekannte Amerikaner sei und ganz weit weg lebte. Mutter dreier Kinder hofft auf ein "Wunder"

Erst im Teenageralter startete sie einen neuen Anlauf und erfuhr von ihren Tanten zumindest den Vornamen des Erzeugers. Die Mutter habe ihn in einem Tanzlokal bei Trier kennen gelernt. Die "Wilhelmshöhe" sei damals die Anlaufstelle für GIs gewesen, die sich mit deutschen Mädchen treffen wollten. Ihre damals 19-jährige Mutter hatte öfter dieses Lokal in Trier besucht und den 20- bis 25-Jährigen Soldaten kennengelernt. Erst viel später offenbarte die Mutter, die im Saarland eine neue Familie gegründet hatte, der hartnäckigen Tochter: "Wir waren verliebt, er war in Bitburg stationiert und aus Oklahoma." Den Nachnamen wisse sie nicht mehr. Dagmar Koch kann bis heute nicht glauben, dass eine Frau den Namen des Mannes vergisst, mit dem sie ein Kind hat. Trotz aller Rückschläge blieb sie am Ball, korrespondierte mit einer Freundin der Mutter aus Jugendtagen, aber auch mit Behörden und Zeitungen. Per Inserat im "Daily Oklahoman" gelang es ihr sogar, einen Freund ihres Vater zu kontaktieren, der gemeinsam mit ihrem Vater in Bitburg gewesen sein soll. Doch auch die Spur führte ins Leere. Ganz umsonst war ihre Mühe aber nicht. Sie weiß heute, dass es nach der Versetzung ihres Vaters noch einen regen Briefwechsel zwischen Oklahoma und Germany gab. Auch diverse Pakete mit Geschenken und Fotos seien über den großen Teich gekommen. Daraus schließt sie, dass "Jimmy" einiges an seiner Geliebten und der kleinen Tochter lag. Doch bedauerlicherweise sind auch diese Zeugnisse der Vergangenheit verschwunden. Nach etwa einem Jahr sei der Kontakt völlig unvermittelt abgebrochen. Als Dagmar Koch in den 80er-Jahren dann selbst eine Familie gründete, geriet ihre Suche eine Zeit lang in Vergessenheit. Dann starb vor sechs Jahren die Mutter und nahm das Geheimnis um die Identität ihres Geliebten, wie die Tochter glaubt, mit ins Grab. Zuvor erhielt Dagmar Koch allerdings noch einige Fotos und weiß inzwischen wenigstens, wie er in jungen Jahren aussah. Noch immer gibt die Mutter dreier Kinder die Hoffnung nicht auf, dass "ein kleines Wunder geschieht". Behilflich ist ihr dabei inzwischen eine Organisation im Internet, die andere Menschen dabei unterstützt, ihre Väter zu finden, alles amerikanische Soldaten ( www.gitrac.org). Zusätzlich wendet sie sich auch an die TV-Leser: "Wer mir bei der Suche nach meinem Vater helfen kann, den bitte ich, sich bei mir zu melden." Vor allem ist sie interessiert an alten Freunden oder auch möglichen Ex-Freundinnen des Unbekannten, die ihr vor allem beim Nachnamen weiterhelfen können. Wer Kontakt mit ihr aufnehmen will, kann dies entweder per Telefon (06509/910630) oder per E-Mail info@gi.net oder auf der Homepage www.gi-search.net tun. Selbstverständlich kann man sich auch an den TV wenden, Telefon 06531/963032. Wir leiten die Anfrage gern weiter.