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Langjähriger Leiter verlässt Haus der Jugend in Wittlich

Langjähriger Leiter verlässt Haus der Jugend in Wittlich

Mitte des Jahres hat das Wittlicher Haus der Jugend, HdJ, keine Leitung mehr: Hans Floter, 61 Jahre, seit 26 Jahren im HdJ für die Arbeiterwohlfahrt, Awo, tätig, hat überraschend gekündigt. Seine Gründe will er nicht öffentlich machen. Wie die Einrichtung weiter geführt wird, bleibt vorerst unklar.

 Seit 26 Jahren dem Haus der Jugend verbunden ist Hans Floter (Dritter von links). Der Leiter der Einrichtung hat überraschend gekündigt.
Seit 26 Jahren dem Haus der Jugend verbunden ist Hans Floter (Dritter von links). Der Leiter der Einrichtung hat überraschend gekündigt. Foto: Klaus Kimmling

Seit mehr als 30 Jahren gibt es in Wittlich ein Haus der Jugend. Dafür wurde ehemals von den Befürwortern einer solchen Einrichtung lange gekämpft. Unter anderem hatten junge Musiker Proberäume gewünscht, andere eine Möglichkeit zum zwanglosen Treffen erhofft. Die erste Adresse war im damaligen Haus Schütte in der Kurfürstenstraße, heute als Billard-Cafe bekannt. Dann kam 2003 der Umzug in die ehemalige Sparkasse am heutigen Kurfürstenplatz. Von Beginn ist dort jeder willkommen zu Veranstaltungen, Kursen, Spielen, Musik hören, sich treffen.

Und von Beginn an finanzierte in erster Linie die Stadt Wittlich die offene Einrichtung, die in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt, AWO, gestellt wurde. Hinzu kommen weitere Zuschüsse etwa vom Kreis und Land plus eigene Einnahmen.

Seit 26 Jahren gehört Hans Floter zum Haus. Der Leiter hat jetzt überraschend gekündigt. Ende Juni ist er zunächst einmal arbeitslos. Seine Kollegin Sigrid Beek hat ebenfalls gekündigt und schon in die Behindertenhilfe gewechselt. Was sagt der Träger zu den plötzlichen Entscheidungen der beiden Mitarbeiter? Wolfgang Künzer, Bezirksverband AWO Rheinland: "Beide sind sehr engagierte und verdienstvolle Mitarbeiter. Sie waren und sind das Gesicht und das Herz des Hauses der Jugend in Wittlich. Wir bedauern ihre Entscheidungen sehr, haben aber volles Verständnis dafür." Für die Stadtverwaltung Wittlich sagt Pressesprecher Jan Mußweiler. " Die Kündigungen der beiden Mitarbeiter haben sowohl die AWO-Geschäftsführung als auch uns überrascht." Man bedauere "diese Entscheidungen sehr, akzeptiere diese aber natürlich."

Wie es jetzt weiter geht, ist unklar.
Jan Mußweiler: "Grundsätzlich könnte die Stadt Wittlich das HdJ auch ohne freien Träger betreiben. Zunächst müssen aber die weiteren Gespräche mit unserem Kooperationspartner, der AWO, abgewartet werden. Es ist festzustellen, dass die bisherige Zusammenarbeit mit der AWO ausgesprochen positiv und zielführend gewesen ist. Letztendlich werden aber auch hierüber die städtischen Gremien entscheiden."

Noch besteht der Kooperationsvertrag mit der Awo, der die Personalhoheit obliegt. Aber: "In dem Gespräch mit der Awo-Geschäftsführung wurde jedoch vereinbart, dass gemeinsam eine kurzfristige Lösung gesucht werden soll. Neben Herrn Floter wird zunächst auch Jugendkoordinator Johannes Schmidt mehr Zeit im HdJ verbringen."
Man versuche, eine "kurzfristige, vorübergehende personelle Unterstützung" hinzubekommen und: "Die weitere personelle Entwicklung ist wiederum von den Ergebnissen der anstehenden Gespräche und Entscheidungen abhängig."

Zunächst werde sich der Sozialausschuss am 23. Februar mit dem Thema beschäftigen, entscheiden müsse letztlich der Stadtrat.
Der hatte unlängst beschlossen, die Jugendarbeit in der Stadt generell auf den Prüfstand zu stellen (der TV berichtete). Ein Ergebnis war die neue Schaffung der Stelle eines Jugendkoordinators, die auch die Arbeit im HdJ beeinflusst. Dort ist unter anderem eine halbe Stelle weggefallen. Teils haben sich auch Entscheidungswege und Zuständigkeiten verändert. Ob das zu Frust bei den altgedienten Awo-Mitarbeitern geführt hat? Dazu gibt es keinen Kommentar in der Öffentlichkeit.

Für den Awo Bezirksverband sagt Wolfgang Künzer auf die Frage, was sich im Zuge der Neuorientierung der Jugendarbeit in Wittlich aus AWO-Sicht verändert habe: "Die Initiative zur Weiterentwicklung der Jugendarbeit ist noch nicht weit genug fortgeschritten um von uns kommentiert werden zu können. Auch richtet sie sich nicht primär auf das Haus der Jugend, dessen Leiter nach wie vor Herr Floter ist. Die Aufgabe des Jugendkoordinators ist nach unserer Kenntnis die Weiterentwicklung der Jugendarbeit in der gesamten Stadt, in den Stadtteilen, den weiteren Jugendtreffs und in den Bürgerhäusern sowie der Aufbau eines umfassenden Netzwerks der Jugendarbeit. Die Intention liegt in der Verbesserung des Angebotsspektrums für die Jugend, ein solches Anliegen der Stadt Wittlich ist sicherlich unterstützenswert."

Zur Frage, unter welchen Bedingungen die Awo weiter als Träger in Zukunft zur Verfügung stehe, heißt es: "Wir können und wollen aktuell keine Szenarien entwickeln, angesichts derer wir uns von der Trägerschaft des Hauses der Jugend würden verabschieden wollen, einen Anlass dazu können wir heute nicht erkennen. Es muss natürlich gewährleistet sein, dass unsere Kosten refinanziert werden und die bewährte pädagogische Arbeit fortgeführt werden kann."

Kommentar: Ein Paukenschlag

Auf einen Schlag verabschiedet sich ein zweiköpfiges Team einer stadtbekannten Einrichtung. Das kann man schon das Ende eine Ära nennen. Das fällt zusammen mit einer Umorientierung in der städtischen Jugendarbeit: Dazu wurde unter anderem die neue Stelle eines Koordinators geschaffen, wofür eine halbe Stelle im HdJ weggefallen ist. Dieser dritte Mitarbeiter im Team ist damals nicht im Guten gegangen. Damals wurde auch offenkundig, dass sich viele Jugendliche von den politisch gewollten Änderungen "überfahren" gefühlt haben. Sie haben protestiert, beklagt, nicht eingebunden und von oben herab behandelt worden zu sein. Sie konnten nicht verstehen, was eigentlich bislang nicht gut gelaufen sein soll. Damals wurde auch klar, dass es offensichtlich ein Kommunikationsproblem gibt. Immerhin haben einige Menschen, die sich dem seit 30 Jahren bestehenden Haus der Jugend verbunden fühlen, nicht hinreichend informiert gefühlt. Manche waren enttäuscht und fühlten sich übergangen. Das muss in Zukunft anders werden. Eigentlich sind die vorzeitigen Kündigungen ein Paukenschlag. Doch der scheidende HdJ-Leiter schweigt öffentlich über seine Gründe, warum er geht. Die bewusste Zurückhaltung zeigt, dass er kein weiteres Aufsehen und einen sauberen Abgang hinlegen will, der einen Neuanfang nicht belasten soll. Trotzdem hätte man ihm nach seiner langjährigen guten und sicher nicht einfachen Jugendarbeit mit einer teils schwierigen Klientel ein anderes berufliches Ende gewünscht. s.suennen@volksfreund.de