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Lasagne hinter Gittern

Wittlich. In der Justizvollzugsanstalt Wittlich gibt es spezielle Ernährungskurse für Häftlinge mit Drogenproblematik. Sie sollen den Gefangenen den Weg in ein normales Leben erleichtern und werden in der Drogenabstinenzabteilung angeboten. Hans-Peter Linz

Wittlich. Es duftet nach Tomatensauce und überbackenem Käse. Ein Mann, bekleidet mit rotem Overall und grüner Kochschürze, öffnet einen Backofen in einer modern eingerichteten Küche. Dampf und Hitze strömen aus dem Ofen. "Das sieht gut aus!", sagt er und hebt die Auflaufform auf die Arbeitsplatte, um die Portionen zu verteilen. Die Salatschälchen stehen schon auf dem gedeckten Esstisch.
Eine Ernährungsberaterin erzählt währenddessen von den Unterschieden zwischen Raps-, Sonnen- und Olivenöl. Mehrere junge Männer hören interessiert zu und verteilen anschließend die Teller.
Eine grüne Tischdecke spendet der nüchtern, aber funktional eingerichteten Küche ein wenig Farbe. Schwere Eisengitter sind an den Fenstern angebracht.
Dies ist kein normaler Raum, sondern eine der Gruppenküchen der Justizvollzugsanstalt Wittlich. Die Teilnehmer des Kochkurses sind junge Männer, die selbst Drogen genommen haben und wegen unterschiedlicher Straftaten im Gefängnis sind. Für einen Platz in dieser speziellen Drogenabstinenzabteilung (DAA) müssen sich Gefangene bewerben, erklärt Robert Haase. Er ist Leiter der Anstalt, die über 500 Haftplätze verfügt und eine der größten Justizvollzugsanstalten des Landes ist.
Ziel ist es, Gefangenen zu ermöglichen, in Zukunft und auch in der Freiheit drogenfrei leben zu können. Diese Abteilung ist in Rheinland-Pfalz einmalig. Haase: "Diese Leute haben häufig Raubbau mit ihrer Gesundheit betrieben. Ziel der DAA ist es, dass die Gefangenen sich in erster Linie mit ihrer kriminellen Vergangenheit auseinandersetzen. Ergänzend macht die Abteilung ein spezielles Sport- und Gesundheitsangebot."
Dazu zähle auch die freiwillige Kochgruppe, die stark von den Gefangenen angenommen werde: "Viele Gefangene mit Drogenproblematik haben ganz normale Alltagsroutinen verlernt. Gemeinsames Kochen hilft, in ein geregeltes Leben zurückzufinden", sagt Haase.
Innerhalb der Mauern der JVA gibt es ein spezielles Lebensmittelgeschäft, in dem sich Gefangene versorgen können. In den vergangenen Monaten haben die Gefangenen sogar ein Kochbuch zusammengestellt. Darin sind Gerichte beschrieben, die mit den in der JVA erhältlichen Lebensmitteln zubereitet werden können.
Die selbst gebackene Lasagne kommt jedenfalls bei den Gefangenen gut an: "Der Kochkurs war klasse, mir macht das Kochen Spaß", erzählt ein Gefangener. Er habe vor der Zeit, als er kriminell wurde, auch gern gekocht und will das auch wieder in Freiheit tun können.Extra

Erfolgsquote: Es sei sehr schwierig, Aussagen über die Erfolgsquote zu machen, erläutert Anstaltsleiter Robert Haase. Innerhalb der Haftzeit seien jedoch häufig Verhaltensänderungen zu beobachten, besonders in Hinblick auf die Auseinandersetzungsbereitschaft der Gefangenen. Die DAA schaffe durchaus ein Problembewusstsein, was zum Beispiel dazu führe, dass Gefangene sich entschließen, nach der Haft in eine freiwillige Drogentherapie zu gehen. hpl