Latente Talente im Weißkittel

290 Zuschauer in der "Lorettahalle", dem wohl bestbesetzten Wartezimmer der Doppelstadt, ließen sich vom Kabarett der "Weibsbilder" begeistern. Kurzweilig verabreichten Anke Brausch und Claudia Thiel bei der diesjährigen Auftaktveranstaltung von "Kabarett am Mittwoch" rezeptfreies Lachen als beste Medizin.

Traben-Trarbach. (red) "Die Frauen wollen den Spiegel vorgehalten bekommen, und die Männer wollen sich amüsieren", schildert Peter Storck aus Traben-Trarbach. "Ich hoffe, dass es frech dahergeht, so wie die Frauen halt sind", freut sich Gudrun Wambach aus Enkirch. "Ein ganz freches Programm halt."Souverän brachte das Kabarettduo aus der Eifel mit viel Sprachwitz nette Alltäglichkeiten in selbstironischer Weise an den Mann und die Frau, ohne die Witze auf Kosten anderer zu reißen. So schilderten sie potenzielle Krankheitsbilder als eingespieltes Gesundheitsteam in lateinischer Sprache. "Man kann sich ruhig schon mal an die tote Sprache gewöhnen", sagten sie und hatten die Lacher auf ihrer Seite."Nur weil ich so fantastisch aussehe heißt das nicht, dass ich nichts im Kopf habe", empfiehlt sich Anke Brausch im figurbetonten Mini-Arbeitsgewand und hochhackigen Schuhen.Charmant hauchten die beiden mit lebenswert liebensnswerter Dialektik diversen Figuren Leben ein. Die adrett in lila-gemusterter Kittelschürze gewandete Reinigungskraft Christel Müller (Claudia Thiel) aus Kalenborn-Scheuern häkelt im Wartezimmer himmelblaue Handytaschen für die Dritte Welt. Sie leidet an Alzheimer-Bulimie, isst mit Heißhunger und vergisst danach das Erbrechen. Dabei hat sie leichte Gewichtsprobleme, aber laut ihrer Oma werden Eifeler Männer im Gegensatz zu Frauen nicht dick sondern "staats". Sie unterzieht sich Routineuntersuchungen und lässt ihren Urin auf eigentümliche Art auf Zucker testen.Auch Tineke sucht als niedliches Mädchen im Grundschulalter ärztlichen Rat. Sie leidet an Dyskalkulie, Legasthenie, Dysgrammatismus und Logorrhoe (Sprechdurchfall), zudem ist sie hyperattraktiv, aber "keine Angst, das ist nicht ansteckend".Mit stark alpinen Kurven outet sich der gelebte Blondinenwitz Mandy als Lehrerin für Verkehrserziehung, dabei bittet sie die Männer um chorische Unterstützung.Optisch, verbal und musikalisch begeisterten die "Weibsbilder" die Zuschauer. Das Ganze paarten sie mit einer ausgefeilten Choreografie und sagten, während sie im Wartezimmer die "Rentner-Bravo", die "Apotheken Umschau" lasen, "das prangere ich an"."Die haben sich während des Abends gesteigert", sagt Jürgen Schüller aus Birkenfeld, und "sie sind authentisch. Man spürt die Gegend, wo sie herstammen".

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