Laut und schnell

HIMMEROD. (gkl) Zu einem Konzert, bei dem die vielfältige Farbigkeit der Orgel im Vordergrund stehen sollte, hatte die Abtei Himmerod eingeladen. Geboten wurde eine Veranstaltung, in der Virtuosität und Lautstärke im Vordergrund standen.

"Faszination Orgel" - so lautete die Überschrift zum zweiten der Orgelkonzerte in der Abteikirche Himmerod. In einer Einführung erläuterte Wolfgang Valerius, vom Abt mit der Organisation der Konzerte betraut, das Ziel dieses Programms: Vielseitigkeit und Farbigkeit der Orgel im Allgemeinen und natürlich des Himmeroder Instrumentes im Besonderen aufzuzeigen. Offensichtlich aber hatte Valerius sein Ansinnen dem Solisten nicht deutlich genug mitgeteilt. Gast war der Organist des Altenberger Domes, Andreas Meisner. Sein Programm war mit Werken von Johann Gottfried Walther (Concerto h-moll), Alexandre Guilmant (Sonate Nr. 4 in d-moll), Sergej Rachmaninows cis-moll Prélude in der Orgelfassung von Louis Vierne oder vier der 12 Stücke für Orgel von Theodore Dubois durchaus dazu angetan, den Versprechungen gerecht zu werden. Was man erlebte, war ein Einheitsbrei, der über weite Strecken offensichtlich nur ein Ziel kannte: das Fortissimo der Orgel. Man könnte ja vielleicht für Meisner Verständnis aufbringen, wenn er ein jugendlicher Heißsporn wäre. Dies aber kann der 1959 geborene Musiker für sich nicht mehr in Anspruch nehmen. Mit Ausnahme des Concerto grosso von Walther, gab es in Himmerod kein Werk, bei dem die horizontalen Trompeten eine Pause einlegen durften. Dazu wurden alle Werke in einer Art Schweinsgalopp über die Tasten gejagt, der weder auf die Orgel noch auf den Raum, geschweige denn auf die Zuhörer Rücksicht nahm. Technisch fabelhaft, soweit man das in der oft beschriebenen Kathedralakustik der großen Abteikirche überhaupt noch beurteilen konnte. Musikalisch konnte kaum etwas begeistern. Wo war das geheimnisvoll-magische im "Marche de rois Mages" von Dubois, wo der swingende Jazz im "Concert piece" von Flor Peeters? Franz Liszts Vision "Der heilige Franziskus auf den Wogen schreitend" geriet zum Dauerlauf. Im Programmblatt ist die Rede davon, dass in Himmerod "keine schwerverdauliche Spezialistenkost geboten wird, sondern niveauvoll-ansprechende Musik, die auch Nichteingeweihten einen Zugang zur Königin der Instrumente ermöglichen kann." Dies geht aber nicht in einem Dauersprint, in dem weder die Orgel, noch die Musik, noch der Zuhörer Zeit zum Atmen hat. Schade drum.

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