Lautloser "Tanz" mit Rattanstöcken

Lautloser "Tanz" mit Rattanstöcken

BERNKASTEL-KUES/MORBACH/ENKIRCH. Zwei bis drei mal wöchentlich wird beim Verein Deutsche Balintawak Group mit Rattanstöcken trainiert. Auch eine Weltmeisterin ist dabei.

Es klingt rhythmisch beim Training der philippinischen Kampfkünste in Bernkastel-Kues. 16 "Arnisadoren" kreuzen paarweise ihre Rattanstöcke. Die Akteure sind Mitglieder des Vereins Necopa/Balintawak Group e.V. Morbach. Dessen Vorsitzender Oliver Reitz hat in Bernkastel-Kues eine Abteilung des Morbacher Vereins gegründet. Die Mitglieder trainieren dreimal wöchentlich mit offensichtlicher Begeisterung. Wolfgang Berres kommt aus Platten. Er sagt: "Der philippinische Kampfsport ist eine gute Art, fit zu bleiben." Sein Bruder Martin ergänzt: "Außerdem lernt man Selbstverteidigung und Körperkontrolle." Die Bewegung mit dem Doppelstock steht am Anfang jeder Trainingseinheit.Kampfkünste in Asien erforscht

Vorsitzender Oliver Reitz ist auch Cheftrainer. Er hat die Kampfkünste zusammen mit Assistenztrainer Martin Ehlen auf den Philippinen erforscht. "Die Mitglieder lernen erst den Umgang mit der Waffe, also dem Rattanstock. Ziel ist eine Hinführung zur waffenlosen Selbstverteidigung." Daher nehmen auch Frauen am Training mit dem Rattanstock teil. Eine davon ist die 28-jährige Kerstin Steffens aus Morbach. Sie hat Sensationelles geschafft: Vom Schnupperkurs zur Weltmeisterin im Vollkontakt-Doppelstock-Kampf. "Ich habe mit Grundkursen angefangen, eigentlich zur Selbstverteidigung. Weil es mir gut gefallen hat, von der Atmosphäre und den Leuten her, bin ich dabei geblieben." Den Weltmeistertitel hat Kerstin Steffens im Juni 2004 in Cebu/Philippinen errungen. "Es ist wie eine große Familie in unserem Verein", ergänzt sie und erhält bestätigendes Nicken von den Umherstehenden. Darunter sind mehrere Polizisten, die sich für den Beruf fit halten. Mittlerweile ist das rhythmische Schlagen mit den Rattanstöcken verstummt. Mit dem Stock wird geräuschlos "getanzt", der Trainer gibt Anweisungen. Kommando eins "usa" bedeutet ruhig und zurückhaltend. Kommando zwei "duha" verstärkt den Rhythmus. Der "Tanz" wird immer dynamischer. Bei Kommando zwölf "napulog'g duha" erreicht er seinen immer noch lautlosen Höhepunkt. Ziel auch hier: waffenlose Selbstverteidigung und Körpercontrolling lernen. Die Rattanstöcke werden zur Seite gelegt, es wird noch ruhiger bei der jetzt tatsächlich waffenlosen Kampfkunst. Eineinhalb Stunden dauert das Training. Die "Arnisadoren" sind mächtig am Schwitzen. Sprudelflaschen werden umhergereicht. Dann geht es weiter. Oliver Reitz: "Bei den philippinischen Kampfkünsten ist es umgedreht wie bei anderen asiatischen Kampfsportarten. Wir lernen an der Waffe hin zur Selbstverteidigung ohne Waffe." Außerdem fördere das Training die Reflexe. In diesem Jahr spornt der 7. Mai die Mitglieder besonders an. Denn statt wie üblich in Berlin finden dann die Deutschen Meisterschaften im Vollkontakt Stockkampf in Morbach statt.