Leben ganz im Sinne Kolpings

WITTLICH. "Verwurzelt in Gott und mitten im Leben": Diesen Leitspruch Adolph Kolpings hat sich Franz-Josef Mertes zu eigen gemacht. In vielen Gremien mahnt er die Grundsätze der christlichen Soziallehre an.

Ziegen für ein Dorf in Bolivien, Bildung und finanzielle Absicherung für Randgruppen, Arbeit für junge Menschen, Therapien für Kranke: Die Themen, mit denen sich Franz-Josef Mertes beschäftigt, sind vielfältig. Im Rahmen seiner Arbeit als Diözesan-Vorsitzender des Kolpingwerks gehört die eigene stetige Fortbildung unabdingbar dazu. Fleißig muss er schon sein, dieser ehemalige Landwirt und Winzer aus der Wallstraße, der heute auch den stellvertretenden Landesvorsitz des Kolpingwerks inne hat. Statt vor dem Fernseher trifft man ihn am Abend an seinem Schreibtisch. Ohne Ghostwriter muss er sich die Vorträge über so schwierige Themen wie das therapeutische Klonen selbst schreiben. "Ich brauche nur sechs Stunden Schlaf", sagt der Träger des Bundesverdienstkreuzes und ist ob der vielen Arbeit ganz froh darüber. Als 14-Jähriger trat der 1938 geborene Franz-Josef wie schon der Vater in die Wittlicher Kolpingsfamilie ein. "Das christliche Fundament war zu Hause gelegt worden." Die Unternehmungen gefielen ihm: Zeltlager, Wanderungen, Kolping-interne Feste, Ordner bei der Fronleichnamsprozession. Mit 18 wurde Mertes offiziell aufgenommen. Neben dem privaten und beruflichen Werdegang - 1962 Heirat, dann drei Kinder, 1969 tauschte er die eigene Landwirtschaft gegen eine Arbeitsstelle im Gefängnis - wurde er bereits in jungen Jahren in den Vorstand der örtlichen Kolpingsfamilie gewählt. Gemäß Kolpings Grundsätzen lieh er seine Stimme immer den Schwächeren. Das zog sich selbst im Arbeitsleben durch: Ihm verdanken die Hühner im Gefängnis ihre Freiheit. Lange vor Renate Künast stimmte Mertes gegen eine Hühnerhaltung in Batterieformat. Auch die Gefangenen, die mit ihm auf dem Hof arbeiteten, registrierten seine Qualitäten. Als fleißig sei er eingestuft worden, und noch wichtiger: als streng, aber gerecht.Ziegen für Bolivien

Er war im Prüfungsausschuss der Landwirtschaftskammer für die Abnahme von Gehilfen und Meisterprüfungen, Mitglied in Schulelternbeiräten, im Beirat der Katholischen Erwachsenenbildung, er sitzt im Katholikenrat. Den hohen Stellenwert von Sozialwahlen brauchte ihm keiner zu erklären. Über Kolping geriet Mertes auf der Seite der Versicherten in den paritätisch besetzten Verwaltungsrat der AOK. Seit 1999 ist er dort im Verwaltungsrat auf Landesebene tätig. Seit 1993 hatte er den alternierenden Vorsitz des Regionalbeirates inne. 1999 wurde Mertes zum alternierenden Vorsitzenden des Widerspruchsausschusses gewählt, wo Widersprüche gegen Verwaltungsentscheidungen zum Programm gehören. Aktuell ist er wieder auf Landesebene dabei. Die erste Sitzung des Verwaltungsrates findet Anfang September in Eisenberg statt. Dank der in 57 Ländern aktiven Kolpinger sah Mertes auch ferne Länder. Zur Tagung flog er nach Mexiko, Litauen möchte geförderte Bildung zur Stärkung seiner Demokratie, das Partnerland Bolivien braucht Ziegen und Werkstätten. Als größte Herausforderungen im eigenen Land sieht Mertes die Beschäftigungspolitik, die Förderung der Jugend ("Die 20-Jährigen müssen in Arbeit, nicht die 70-Jährigen!") und die ganz normale Familie. "Ohne Familie ist kein Staat zu machen", hatte schon Adolph Kolping erkannt.