Leben in der "Villa Kunterbunt"

MALBORN/THIERGARTEN. Seit den 90er-Jahren schon wünschen sich die Thiergartener ein Bürgerhaus. Dieser Traum hat sich jetzt in Bims, Glas, Holz und viel Farbe materialisiert. Am Freitagnachmittag wurde der 650 000 Euro teure Treffpunkt eingeweiht.

Farbe wird im funkelnagelneuen Gebäude groß geschrieben. Mit blauem Holz ist von außen das Herzstück verkleidet, der Festsaal. Die rote Fassade umschließt die Nebenräume. Gelb strahlt das Dach von innen. Wie eine Art Sonnensegel schweben die Heizungs-Einheiten hoch über den Köpfen der Gäste. Kein Wunder, dass das neue Schmuckstück neben dem Feuerwehr-Gerätehaus schon den Spitznamen "Villa Kunterbunt" trägt. Das ist nicht negativ gemeint: "Mal was anderes, was Modernes zu haben", darauf ist beispielsweise die Thiergartenerin Corinna Horn stolz. Auch Vater Manfred gefällt der moderne Bau "richtig gut". Doch vielen ist wie Roland Knop vor allem wichtig, dass er endlich fertig ist: "Wir haben lange drauf gewartet." Dass das Gebäude vonnöten sei, zeige schon die Tatsache, dass es zur Kommunionszeit auf Jahre hinaus ausgebucht sei. Hannelore Latz vom Frauenchor, die im vergangenen Jahr einen runden Geburtstag feierte, bedauert gegenüber dem TV, dass das Bürgerhaus nicht schon eher fertig gewesen sei. Sie hatte in die Grillhütte ausweichen müssen. Das ist ab sofort anders: Von der "Kindstaufe bis zur Beerdigung" gebe es im Ort nun den geeigneten Raum, lobt auch Festredner Josef Peter Mertes von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier (ADD) bei der Einweihungsfeier, der auf die ungewöhnliche hohe Landesförderung von 50 Prozent aufmerksam macht. Dem ADD-Präsidenten wurde sein Besuch übrigens mit einem originellen Geschenk versüßt: einem "Bürgerhaus-Kuchen" aus den Händen von Ortsbürgermeisterin Gabriele Neurohr. Ohne die Mittel aus Mainz, aber vor allem ohne hohe Eigenbeteiligung der Thiergartener hätte der Kreis die Kreditaufnahme nicht bewilligt. Daran erinnert Landrätin Beate Läsch-Weber. Für das ersehnte Vorhaben zahlte die waldreichste Gemeinde in der Verbandsgemeinde sogar in Naturalien: in Holz aus dem eigenen Forst. Der eineinhalbjährigen Bauzeit sei ein "langer, steiniger Weg" vorangegangen, blickt die Landtagsabgeordnete Bettina Brück zurück, während VG-Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo von einer "guten Streitkultur" spricht und damit an die lange innerörtliche Diskussion um den Standort erinnert. Alles in allem hat sich die Geduld laut Ortsvorsteher Stefan Müller gelohnt: "Wir haben jetzt viel mehr als nur ein Dach über dem Kopf." Bürgermeisterin Neurohr fordert die rund 200 Anwesenden auf: "Lassen Sie uns viele schöne Stunden hier verleben." Das lassen sich die Thiergartener nicht zweimal sagen. Nach der Einsegnung durch die Pfarrer Winfrid Krause und Dieter Koster, musikalischen Kostproben des Frauenchors, des Männergesangvereins und eines Gitarrentrios sowie den diversen Festreden nehmen sie "ihr Haus" in Besitz. Auch heute und morgen wird weitergefeiert.

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