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Leben wie in einer großen Familie

Leben wie in einer großen Familie

Sie können in einem heimeligen Umfeld so selbstbestimmt leben wie möglich: Zwölf behinderte Menschen haben in der Wittlicher Friedrichstraße das neue Heim für Betreutes Wohnen des DRK-Sozialwerkes bezogen. Wir haben uns vor Ort umgeschaut.

Wittlich. Jürgen ist von Geburt an spastisch gelähmt. Er sitzt im Rollstuhl und ist für viele Tätigkeiten, die für andere selbstverständlich sind, auf fremde Hilfe angewiesen. Zum Beispiel beim morgendlichen Duschen und Rasieren.
Ein Betreuer steht ihm dann zur Seite. Jürgen hat vor wenigen Tagen in dem neuen Gebäude "Wohnen am Zentrum (WaZ)" des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich eine Wohnung bezogen. Bislang war er zu Hause bei seinen Eltern. Sie sind inzwischen über 80 Jahre alt. Jürgen sagt: "Ich bin jetzt drei Tage hier und fühle mich schon sehr wohl. Wenn ich ein paar Stunden nach Hause zu den Eltern will, ist das auch kein Problem."
Barrierefreies Gebäude


In dem neuen barrierefreien Haus mit Aufzug leben auf zwei Etagen zwölf Menschen - auf einer Etage jeweils sechs in einer Gruppe. Ständig ist in jeder Gruppe mindestens ein Betreuer anwesend - auch nachts. Die Einzelzimmer sind 18 bis 22 Quadratmeter groß. Zwei Menschen teilen sich ein Bad. Es gibt einen großen Gemeinschaftsraum und eine Küche, wo die Betreuer gemeinsam mit den Bewohnern, die dazu in der Lage sind, kochen.
Ergänzt wird das Wohnhaus durch ein Dienstzimmer für die Betreuungskräfte, ein Pflegebad sowie ein Nachtbereitschaftszimmer für das Personal.
Helmut ist 54 Jahre alt. Seit 33 Jahren lebt er in Heimen, zuletzt in einer Außenwohngruppe des DRK-Sozialwerkes in Bernkastel-Kues. Auch er kann nicht selbstständig leben und sich völlig alleine versorgen. 1988 hat er Veronika geheiratet, eine Frau, die ebenfalls auf fremde Hilfe angewiesen ist. Veronika sagt: "Den Helmut habe ich mir in der Werkstatt geschnappt." Beide arbeiten im Cusanus-Hofgut des DRK-Sozialwerks auf dem Kueser Plateau. Sie haben sich im Wittlicher Wohnheim gemütlich eingerichtet. Ihre beiden Zimmer sind mit einer Tür verbunden, ein Zimmer ist jetzt ihr Wohnzimmer, das andere das Schlafzimmer.
Das Wohnheim II in der Wittlicher Friedrichstraße ist auf dem neuesten Stand: breite Flure, helle und großzügige Räume, alles behindertengerecht eingerichtet. Etwa 250 Quadratmeter groß ist eine Sechs-Personen-Wohneinheit.
2,75 Millionen Euro hat der Neubau gekostet. Errichtet wurde er von der Escher Baufirma Matthias Ruppert, die das Haus an das DRK-Sozialwerk vermietet.
Mit dem Neubau wurden zwei Außenwohngruppen in Longkamp und Kues aufgelöst. Das DRK-Sozialwerk hatte dort zwei Wohnhäuser gemietet, die inzwischen nicht mehr den aktuellen Qualitätsstandards entsprechen.
Die meisten Menschen mit Behinderung haben den Wunsch, ihren Alltag möglichst eigenständig zu gestalten. Dazu zählt auch, wo und mit wem sie leben möchten. Während sich früher Behinderteneinrichtungen abgeschieden oder "versteckt" vom örtlichen Geschehen befanden, geht man heute mitten in die Städte und Orte. "Die Menschen sind sozusagen mittendrin statt nur dabei", erklärt Martin Zimmer, beim DRK-Sozialwerk zuständig für den Bereich Wohnen-Fördern-Begleiten (siehe Extra).
Die beiden Wohnheime in der Friedrichstraße liegen weniger als einen Kilometer vom Wittlicher Stadtzentrum entfernt. In der Nähe finden sich im engeren Wohnumfeld Gastronomiebetriebe, Einzelhändler sowie Lebensmitteldiscounter ebenso wie Ärzte, Apotheken, Kindergärten und Schulen.
Die rechtliche Grundlage der Förderung - ein Platz in dem neuen Haus in der Wittlicher Friedrichstraße kostet 4000 Euro im Monat - ist die Eingliederungshilfe im Rahmen des Sozialgesetzbuches. Sie soll behinderten Menschen helfen, die Folgen der Behinderung zu mildern und sich in die Gesellschaft einzugliedern.Extra

Das DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich ist eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH). Es ist in die Unternehmensbereiche I (Arbeit und Beschäftigung) und II (Wohnen - Fördern - Begleiten) untergliedert. Zum Bereich I gehören unter anderem die Werkstätten für behinderte Menschen. Der Unternehmensbereich II bietet unterschiedliche Betreuungsleistungen für Menschen mit Behinderungen in den Bereichen Wohnen, Fördern und Begleiten als stationäre und ambulante Unterstützung an. Stationäre Einrichtungen (Wohnheime) mit insgesamt 160 Plätzen gibt es auf dem Kueser Plateau (Drosselweg und Cusanushof), in Wittlich (Friedrichstraße) und in Graach (Josephshof). sim