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Leben wie zu Urgroßmutters Zeiten

Leben wie zu Urgroßmutters Zeiten

Über zweihundert Jahre alt ist das alte Schmiedehaus in Meerfeld. Aus dem ehemaligen Wohnhaus ist in Privatinitiative eine Art Heimatmuseum geworden.

Meerfeld. (fsc) Wer die Türschwelle des alten Schmiedehauses überschreitet, macht gleichzeitig einen Schritt in eine faszinierende Vergangenheit. Der enge, kurze Flur endet an einer Küche, wie es sie vor hundert Jahren gab. Geschirr und Porzellan aus den Vorkriegsjahren stehen auf Regalen oder hängen an der weiß gestrichenen Wand. Ein Kessel baumelt über einer offenen Feuerstelle. Darüber befindet sich ein rußgeschwärzter Kamin. Die Küche hat einen Spülstein, aber einen Wasserhahn sucht man vergeblich. Der fehlt ebenso wie eine Toilette oder ein Bad, da das Haus über keinen Wasseranschluss verfügt.

"So hat man früher gelebt", erklärt Raimund Roden. Er hat das kleine Heimatmuseum geschaffen. Das Haus wurde bis in die 1930er Jahre von seinen Vorfahren bewohnt und wurde dann lange Jahre als Lagerraum für landwirtschaftliche Geräte benutzt. Vor zwanzig Jahren richtete sich Roden eine Werkstatt in der ehemaligen Stube ein. Hier fanden dann Amboss und Schmiedewerkzeug aus der benachbarten ehemaligen Schmiedewerkstatt Platz, als dieses Gebäude umfunktioniert wurde. Das war der Startschuss für seine Sammlung historischer Werkzeuge, die mittlerweile mehrere hundert Stücke zählt. Akkurat hat Roden sie an der Wand der ehemaligen guten Stube aufgehängt.

Auch die übrigen Räume hat der Meerfelder mit viel Liebe zum Detail hergerichtet. In einer Kammer im Obergeschoss steht ein funktionstüchtiger Webstuhl und Geräte zur Flachsverarbeitung. Daneben befindet sich eine Schlafstube aus dem Jahr 1850. Das Bett erscheint für heutige Verhältnisse zu klein. Das trifft auch auf Tür- und Raumhöhe zu.

"Viele bekommen hier auch einen Eindruck über die räumlichen Dimensionen", gibt Raimund Roden die Eindrücke der Besucher wieder. Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeiten kann er Führungen nur auf Anfrage am Wochenende anbieten.

Die Besucher erfahren bei der Gelegenheit auch etwas zur Geschichte des Hauses, die Roden über ein dendrochronologisches Gutachten und das Studium des Meerfelder Urkatasters von 1829 erforscht hat. Und am Amboss mit der Nagelschmiede erklärt er anschaulich, was es bedeutet, "Nägel mit Köpfen" zu machen.