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Lebensraum, Brauchtum und Tourismus - Dorfmoderation in den Orten Morscheid-Riedenburg/Hoxel/Wolzburg

Lebensraum, Brauchtum und Tourismus - Dorfmoderation in den Orten Morscheid-Riedenburg/Hoxel/Wolzburg

Startschuss im Balkan: Bis Frühsommer 2016 wollen die Bürger die Leitlinien für ihre Dorfentwicklung selbst festlegen. Bei der Dorfmoderation sind mehr als 60 Bürger erschienen und haben ihre Ideen gesammelt.

Morscheid-Riedenburg/Hoxel/Wolzburg. Trotz Fußballspiel und parallel stattfindendem Elternabend: Mehr als 60 Bürger der Orte Morscheid-Riedenburg, Hoxel und Wolzburg in der Einheitsgemeinde Morbach, kurz Balkan genannt, sind in die Turnhalle gekommen, um sich bei der Dorfmoderation zu beteiligen.
Dazu hat das Planungsbüro BKS aus Trier ein Konzept erarbeitet, das Anke Esseln präsentiert. Bürgermeister Andreas Hackethal eröffnet die Veranstaltung: "Es geht darum, dass wir uns selbst einen Spiegel vorhalten und danach fragen, wie das Vereinsleben läuft, wie die Menschen auf dem Balkan leben."
Bei dem Projekt, das 15 000 Euro kostet und zu 80 Prozent vom Land gefördert wird, sollen die Bürger unter Anleitung des Planungsbüros selbst Themen erarbeiten, die in den nächsten Jahren bearbeitet werden. Ortsvorsteher Achim Zender weist darauf hin, dass auch der Bevölkerungsrückgang es nötig mache, zum Beispiel die zukünftigen Busverbindungen auf den Prüfstand zu stellen. Zender betont, dass es eine gute Infrastruktur gebe: "Wir haben Vereine, die Kita und eine Grundschule. Besonders ohne Vereinsleben ist das Dorfleben gar nicht vorstellbar." Esseln verweist darauf, dass die Dorfmoderation auch das Vereinsleben und die Gemeinschaft unter den Einwohnern stärken werde.
Wie das nun konkret abläuft, erläutert die Planerin mit einer Bildschirmpräsentation. Die Dorfmoderation wird sich in den nächsten Monaten in drei Stufen entwickeln.
In einem ersten Schritt sollen Stärken und Schwächen ermittelt werden, um Schwerpunkte zu setzen. Anschließend werden Arbeitsgruppen gebildet, die die Themen vertiefen.
Dann folgt die eigentliche Moderation, in der die Zielvorstellungen der Einwohner abgestimmt werden. Im letzten Schritt wird dann das Ergebnis präsentiert - im Frühsommer 2016 soll es voraussichtlich soweit sein.
Ein Handlungsleitfaden soll dann für die nächsten 15 bis 20 Jahre der Dorfentwicklung einen Rahmen geben. Darin könnten zum Beispiel Busverbindungen oder potenzielle Neubaugebiete enthalten sein. Ziel der Dorfentwicklung sei es, so Esseln, den Charakter des Dorfes zu entwicklen, die Dorfgemeinschaft zu erhalten, das Dorf nicht nur als Übernachtungsort, sondern als Lebensraum zu erhalten, das Brauchtum zu pflegen und auch den Tourismus zu fördern.
Als praktische Beispiele für die Dorfmoderation führt sie die Einrichtung eines Dorfladens und eines wöchentlichen Mittagstischs in Klausen, oder die Gestaltung eines Orchideenpfads an.
Und so ging es nach einer knappen Stunde Referat dann auch mit der praktischen Arbeit los. An den Wänden der Turnhalle hängen große Plakate mit Stichwörtern und viel Platz. Dicke Filzstifte werden verteilt. Die Anwohner warten dann nicht lange und beginnen, sich zu besprechen und ihre Ideen und Kritikpunkte auf den Plakaten einzutragen.
Lisa Zender hat gerade den Filzstift weitergegeben. Sie sagt: "Ich stamme aus Morscheid und wohne aber in Morbach. Ich würde gerne nach Morscheid zurückkommen, aber wir finden momentan kein geeignetes Baugrundstück. Deshalb mache ich bei der Dorfmoderation mit."
Auch Michael Brück aus Hoxel hat schon mehrere Punkte auf die Listen eingetragen: "Die Verkehrsanbindung muss besser gemacht werden. Hier fährt nur einmal am Tag ein Bus hin. Ältere Leute ohne Führerschein haben damit ein Problem." Das ist auch ein Anliegen von Sandra Nagel aus Riedenburg: "Die Verkehrsanbindung muss besser werden. Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen. Außerdem müsste der Spielplatz attraktiver werden."
Zumindest ein erstes Ziel hat die Dorfmoderation mit ihrer Auftaktveranstaltung schon erreicht: Die Menschen kommen zusammen und tauschen sich aus.Meinung

Die Chance nutzen
"Bringt ja eh' nix. Ist sowieso kein Geld da, verschwendete Zeit!" Das sind die Argumente, die man manchmal zu hören bekommt, wenn es um Bürgerbeteiligung geht. Und es gibt gewiss den einen oder anderen, der bei einem solchen Projekt einmal enttäuscht wurde. Aber das ist viel zu kurz gegriffen. Klar ist, dass der Ergebnisbericht einer Dorfmoderation lediglich einen Handlungsrahmen darstellt. Er zeigt Ideen und mögliche Projekte auf, mit denen sich anschließend der Gemeinderat und sonstige zuständige Gremien befassen müssen. Klar ist auch, dass die Dorfmoderation auch kein Wunschkonzert sein kann, denn die finanziellen oder auch rechtlichen Möglichkeiten sind immer begrenzt. Dennoch ist die Dorfmoderation sinnvoll und die Chance sollte genutzt werden. Denn sie kann einen Rahmen abstecken, der den Orten den Weg für ihre Entwicklung weist. Sie kann Ziele definieren, die nicht von oben aufgestülpt werden, sondern die die Bürger selbst an der Basis erarbeiten. Allein dieser Prozess wirkt sich doch schon positiv auf die Dorfgemeinschaft aus. Das müssen die kommunalpolitischen Gremien ernst nehmen. hp.linz@volksfreund.deExtra

Was ist denn nun Dorfmoderation? Oft gibt es Wünsche oder Ideen von Menschen, die in einem Dorf leben. Kinder wollen zum Beispiel einen neuen Spielplatz. Oder manche haben Spaß daran, Obstbäume anzupflanzen, wissen aber nicht, wo sie das können. In der Dorfmoderation kommen die Bürger alle zusammen und tragen ihre Wünsche und Ideen vor. Dann sammelt jemand, der nicht im Dorf lebt und deshalb auch für niemanden Partei ergreifen kann, all diese Ideen. Er ordnet sie und vergleicht alles, so dass man einen Plan machen kann, was machbar ist, was nicht - und wann es gemacht wird. Das wird dann wieder mit den Bürgern besprochen. hplExtra

Lebensraum, Brauchtum und Tourismus - Dorfmoderation in den Orten Morscheid-Riedenburg/Hoxel/Wolzburg
Foto: (m_huns )
Lebensraum, Brauchtum und Tourismus - Dorfmoderation in den Orten Morscheid-Riedenburg/Hoxel/Wolzburg
Foto: (m_huns )

Das nächste Treffen ist am 25. November, 19 Uhr. Dann sollen zwei Arbeitsgruppen eingeteilt werden mit den Schwerpunkten Senioren und Verkehr/Mobilität. Wer an der Auftaktveranstaltung nicht teilnehmen konnte, kann sich bei den Ortsvorstehern erkundigen oder Vorschläge und Anmerkungen per E-Mail an das Planungsbüro schicken: info@bks-trier.de