Legenden berichten von einem teuflischen Wacken im Heckenland

Landmarke : Ein Teufelsstein mit keltischer Geschichte

TV-Serie Landmarken: Zwischen Bruch und Arenrath im Kreis Bernkastel-Wittlich liegt ein mehrere Tonnen schwerer Felsblock, den der Teufel dort abgeworfen haben soll. Wissenschaftler haben jedoch eine andere Theorie.

Der Teufel scheint ein fleißiges Kerlchen gewesen zu sein. Denn einige kluge Baumeister großer Kirchen haben ihn scheinbar für ihre Dienste eingespannt. In Trier beispielsweise, so die Legende, mussten vier große, schwere Säulen für den Bau des Doms herbeigeschafft werden. Der Architekt überlegte sich eine List und erzählte dem Teufel, er baue das größte Gasthaus der Welt. Er fragte den Teufel, ob er ihm dabei nicht helfen wolle. Das bejahte der Satan, aber als er mit der letzten Säule ankam, bemerkte der Teufel, dass der Bischof die Kirche einweihte. Aus Wut warf er sie auf den Dom, verfehlte ihn jedoch knapp, so dass die Säule bis heute vor dem Eingang liegt. So weit die Legende vom Trierer Domstein, der viel bedichtet und besungen wurde.

Zwischen den beiden Orten Arenrath und Bruch im Bernkastel-Wittlicher Heckenland, auf Mellich, liegt ein rund zwei Meter langer, ein Meter breiter und zwischen 70 und 90 Zentimeter hoher Stein. Vom Parkplatz, gegenüber des ehemaligen Forsthauses aus, erreichen Fußgänger ihn, wenn sie die angrenzende Wiese überqueren und wieder Richtung Wald gehen.

Wanderer und Pilgergruppen gehen hier entlang: entweder  Richtung Bruch, auf dem Karl-Kaufmann-Weg oder zum Wallfahrtsort Klausen. Und da kommt der Teufel wieder ins Spiel. Er sollte, so auch hier die Legende, beim Bau eines Freudenhauses im Wallfahrtsort helfen. Das fand er gut, denn er glaubte, dort viele Sünder zu finden. Als er dann Glockengeläut hörte, merkte er, dass er beim Bau einer Kirche geholfen hat. Er ließ den Stein, den er gerade trug, fallen, und ging wütend zurück in die Hölle.

Walter Schmitz, Ortsbürgermeister von Bruch bestätigt, dass es möglich ist, vom Standort des Steins bis in den Wallfahrtsort sehen zu können, wenn kein Baum die Sicht versperrt. In der Kulturdatenbank sind verschiedene Theorien zu dem findlingsähnlichen Stein vermerkt. Dabei wird unter anderem vermutet, dass es sich um einen Meteorit oder einen Findling aus der Eiszeit handeln könnte. Dazu meint Dr. Martin Koziol, Leiter des Manderscheider Maarmuseums und Geologe: „Ein Meteorit oder ein Findling aus der Eiszeit ist es nicht. Einen vulkanischen Ursprung kann ich ausschließen, Basalt ist dunkelgrau und Granit kommt in der Eifel nicht vor.“ Weiter sagt der Experte: „Ich tendiere dazu, dass es ein devonischer, quarzitischer Sandstein hier aus der Region ist, denn es sind  sedimentähnliche Schichten zu sehen.“

Da es der Teufel nicht war, der den Stein fallen gelassen hat, bleibt die Frage, wie er an seinen Platz kam. Möglich ist, dass es Kelten waren, die den länglichen Einzelstein, die in der Fachsprache auch Menhir genannt werden, aufgestellt haben. Sie waren in der Eifel sesshaft und dienten beispielsweise als Grenz- oder Ruhesteine sowie als Markierung von Straßen. Die meisten westeuropäischen Menhire stammen aus der Zeit der Großstein- oder Hünengräbern, etwa 3000 vor Christus, als die Völker sesshaft wurden.

Walter Schmitz, Ortsbürgermeister von Bruch, sagt: „Der Stein ist für uns hier so selbstverständlich, dass es uns schon fast gar nicht mehr auffällt, dass er etwas Besonderes ist. Im Gemeinderat werden wir darüber sprechen, ob wir die Legende des Teufelssteins auf einer Hinweistafel festhalten sollen, damit die Geschichte nicht verloren geht.“

In Trier sind Arbeiter übrigens 1614, bei Arbeiten am Fundament des Doms, auf zwei große Bruchstücke einer großen Granitsäule gestoßen. Sie wurden ausgegraben und vor das Portal gelegt. Ursprünglich war diese Säule eine von vieren, die den ersten Dombau im Inneren trugen. Als der Dom das erste Mal zerstört wurde, zerbrachen die Säulen und blieben im Boden liegen.

Wer sich den Brucher Teufelsstein einmal ansehen will, kann sich Zeit lassen, denn so schnell wird er nicht zerfallen. Martin Koziol meint lachend: „Da zerfallen eher wir als der Teufelsstein.“

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