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Leichte Enttäuschung trotz Rekordbesuch

Leichte Enttäuschung trotz Rekordbesuch

Der Idar-Obersteiner Theatersommer in dieser Saison hatte so viele Besucher wie noch nie, trotzdem können die Organisatoren eine leichte Enttäuschung wegen mangelnden Zuspruchs nicht verhehlen.

Idar-Oberstein. Denn es sind vor allem zwei Veranstaltungen, die die Bilanz aus den Feuer gerissen haben: Zum Anu-Theater mit ihrem bunten "MoraLand"-Jahrmarkt kamen an vier Tagen fast 1500 Besucher auf das Freigelände an der Messehalle, die Eigenproduktion "Der Besuch der alten Dame" zog zu zwei Vorstellungen mehr als 600 Zuschauer ins Stadttheater. Einen "normalen" Besuch konnten das N. N. Theater mit "Der Brandner Kasper", das Chawwerusch-Theater mit "Eine Nacht im August" sowie die abschließende Tanzveranstaltung "Tango" verzeichnen. Bei allen anderen Angeboten blieb die Resonanz - teilweise sogar deutlich - hinter den Erwartungen zurück.
Stammgäste weggeblieben


So kamen zu "Hamlet", "Jenseits von Gut und Böse", zur Kinderoper "Die kleine Entführung" oder auch zur Weltmusik mit dem Ensemble FisFüz jeweils weniger als 100 Besucher. Und selbst beim renommierten Theater an der Ruhr, das mit "Woyzeck" im Stadttheater gastierte, waren es nicht mehr.
"Gerade beim Woyzeck hat mich das sehr gewundert", erklärt Kulturreferentin Annette Strohm im Gespräch mit unserer Zeitung. "Es ist ein renommiertes Ensemble, das bei uns schon mehrfach vor wesentlich mehr Zuschauern gespielt hat, und es ist in diesem Jahr mit dem 200. Geburtstag von Georg Büchner ein wichtiger Jahrestag." Einen Grund für die teilweise enttäuschende Zuschauerresonanz sieht Annette Strohm darin, dass in diesem Jahr mit dem Schloss einer der Hauptspielorte und die "Wiege" des Festivals nicht zur Verfügung stand. "Viele Menschen lieben die besondere Atmosphäre dort und kommen offenbar auch deswegen."
Das könne auch eine Erklärung dafür sein, so die Kulturreferentin, warum in diesem Jahr so auffallend viele Stammgäste weggeblieben seien. Für diese Annahme spreche auch, dass die Aufführungen, die in diesem Jahr auf dem ehemaligen Güterbahnhof, ebenfalls ein Ort mit ungewöhnlichem Ambiente, angesetzt waren (das N.N.
Verlegung ins Stadttheater



Theater musste wetterbedingt ins Stadttheater verlegt werden), von dem Zuschauerschwund nicht betroffen. Man werde das auf jeden Fall genau analysieren und darauf reagieren, versprach sie. Künstlerisch sei sie mit dem Theatersommer sehr zufrieden, betont Strohm. "Wir hatten wohl noch nie eine so breite Vielfalt an unterschiedlichen ästhetischen Ausdrucksformen und Theatersprachen", freut sich die Kulturfrau.
Einige Produktionen hätten ihr vorher Bauchschmerzen bereitet. "Bei MoraLand wussten wir überhaupt nicht, ob das funktioniert", gesteht sie. "Wir wussten nicht, ob die Leute diese Form von Theater annehmen, ob das an diesem Platz funktioniert und der Wind uns nicht alles wegbläst."
Umso erfreulicher sei es gewesen, dass die Produktion so gut angekommen, sogar die bislang bestbesuchte aller bisherigen Festivals gewesen sei. Ebenfalls als großen Erfolg wertet sie, dass es mit der Eigenproduktion einmal mehr gelungen sei, selbst künstlerische Akzente mit den Stücken zu setzen.