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Leistung, die sich sehen lassen kann

Leistung, die sich sehen lassen kann

ÜRZIG. Ein stolzer Tag für die Weinbaugemeinde Ürzig. Das 1782 erbaute und im Eigentum der Kirchengemeinde Ürzig stehende "Frühmesserhaus" wurde nach grundlegender Renovierung seiner Bestimmung übergeben und gesegnet.

Bei der Segnung des "Frühmesserhauses" dankte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Josef Loosen, im Namen der Pfarrgemeinde all den vielen freiwilligen Helfern, ohne die eine derartige Restaurierung dieses historischen Gebäudes nicht machbar gewesen wäre. Als die Kirchengemeinde Ürzig dieses Projekt im Jahre 2001 auf den Weg brachte, war das Gebäude in einem desolaten Zustand. Um das "Frühmesserhaus" zu erhalten, war eine umfangreiche Sanierung erforderlich. Bei den ersten Planungen lagen die Kosten noch bei 1,2 Millionen Mark. Dieser Betrag musste jedoch aus finanziellen Gründen heruntergefahren werden. Nach Fertigstellung des Hauses werden sich die Kosten auf 463 000 Euro belaufen. Nach Aussage von Josef Loosen haben sich zirka 40 Helfer aus der Gemeinde an der Sanierung beteiligt. "Sie leisteten rund 2500 Helferstunden", erläuterte er. Pfarrer Manfred Müllers, der die Einsegnung vornahm, bedankte sich bei dem Architekten Thomas van Stipelen, bei allen Baufirmen , Handwerkern und Helfern, die sich an der Restaurierung beteiligt hatten. Pfarrer Müllers dankte auch für den finanziellen Beitrag der Ortsgemeinde. Erste Überlegungen zur Sanierung des Frühmesser-Hauses gab es bereits bei der vorausgegangenen Renovierung der Kirche, sie wurden jedoch, so Pfarrer Müllers, wegen des damals vorzusehenden Volumens "ad acta" gelegt. Architekt Thomas van Stipelen, dem die Planung und Bauleitung oblag, bezeichnete die Maßnahme als ausgesprochen langen Weg. Sein erster Kontakt mit dem "Frühmesser-Haus" war an einem kalten Winterabend. "Die alte Nachtspeicherheizung mühte sich redlich, etwas Wärme in die kalten Räume zu bringen", sagte er. Der Architekt erinnert sich daran, dass die rauchende Zigarre von Pfarrer Müllers das Einzige war, was wärmte. Der große Anteil der Eigenleistungen führte naturgemäß zu einer längeren Bauzeit. Hinzu kam, dass einige "Überraschungen" zusätzliche Maßnahmen und weitere Planungen erforderlich machten, führte der Architekt aus. Im Jahre 2002 wurde mit der Sicherung der Bausubstanz begonnen, die 2003 mit der Erneuerung des Außenputzes, Außentreppe und Außenanstrich fortgesetzt wurde. In den Jahren 2004 und 2005 standen der Innenausbau und die Erneuerung der Bodenbeläge an. In Eigenleistung wurden Kamine und Mauerwerk abgebrochen und entsorgt, der Kellerboden wurde für Tankfundamente ausgegraben. Die Reinigung und Neuverlegung der Deckenbalken über dem Saal, die Anfertigung der kompletten Deckenverschalung und die Verlegung des Bodens im Dachgeschoss geschah ebenfalls in Eigenleistung. Dem Architekten gelang es, eine Synthese zwischen der historischen Fassade und einem modernen Innenausbau zu schaffen. Auch die Verbindung zur angrenzenden Kirche ist gelungen. Hier können zwei der unteren Räume als Messdiener-Sakristei und als Pfarrbüro genutzt werden. Der Saal mit Küche im Obergeschoß wird von der Pfarrgemeinde zu Feiern vermietet und auch zu sonstigen festlichen Anlässen genutzt. Für die Ortsgemeinde Ürzig bedankte sich Ortsbürgermeister Arno Simon. Er wünschte, dass die Bürger das Haus zur Pflege der Gemeinsamkeit und für Feste gut nutzen.