Lernen, was der Winzer alles kann

16 Kinder wollen sich ein Jahr lang in Trittenheim als Rebstockpate bewähren. Den ersten von fünf geplanten Einsätzen im "Trattemer Kinderwingert" haben auch Eltern und Großeltern mit Interesse verfolgt.

Trittenheim. Der Arbeitseifer der Sechs- bis Zwölfjährigen ist unverkennbar. Am liebsten würden sie schnurstracks in ihren "Trattemer Kinderwingert" stürmen. Doch zuvor mussten die 16 Teilnehmer des Trittenheimer Projektes (der TV berichtete) Namensschildchen schreiben. Mit diesen haben sie eine selbst ausgesuchte Rebe gekennzeichnet. Nebenbei beantworteten die Rebstockpaten Fragen rund um den Weinbau. Sie mussten die Stöcke in "ihrem" Weinberg zählen und deren Abstand ausmessen. Bei insgesamt fünf Treffen werden sie mit Arbeiten wie dem Schneiden oder Aufbinden der Reben vertraut gemacht. Als Belohnung winkt das Verkosten des selbst gepressten Traubensaftes.

Weinanbau erlebbar machen



Neben Teilnehmern aus dem Ort machen auch Kinder aus Lieser, Neumagen-Dhron, Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach mit. "Das ist eine hervorragende Idee", lobt Thomas Bollig, der Sohn Finn beim Festbinden des Schildchens hilft. Anders als Finn sei er noch in einem Winzerbetrieb aufgewachsen. Daher sei es wichtig, "den Kindern, die hier in einer Monokultur aufwachsen, zu vermitteln, was im Weinberg passiert". Die Trittenheimerin Martina Kaupp sieht das genauso. So könnten die Kinder selbst erleben, "dass Trauben nicht in Flaschen wachsen". Aber auch das Gruppenerlebnis mit Gleichaltrigen sei toll für die Kinder. "Da lernt man, was die Winzer machen", begründet Helena (12) ihr Interesse. Während Emilio (7) schon gespannt ist aufs Traubenlesen, hat Marla (8) etwas anderes vor Augen: "Dann weiß ich, wie es geht. Und kann dem Opa helfen." Vor allem aber mache die Arbeit im Weinberg Spaß, sagt Margarethe (12) mit strahlendem Gesicht: "Das ist schöner, als den ganzen Tag in der Schule zu sitzen."

Initiiert haben das in Rheinhessen schon vor Jahren ins Leben gerufene Projekt die Trittenheimerin Marlene Bollig und Winzer Stefan Hermen. Mit der Ausbildung von Rebstockpaten wollen sie Weinbau und Weinlese begreifbar machen, sagen die beiden Organisatoren.

Die Kinder übernehmen eine Vegetationsperiode lang die Verantwortung für "ihre" Rebe und erleben so die Entwicklung und das Reifen der Trauben mit. "Es macht Spaß, Kindern zu zeigen, was Weinbau bedeutet", begründet Hermen seine Bereitschaft, dafür einen Weinberg zur Verfügung zu stellen. Die Kultur- und Weinbotschafterin war von der Resonanz positiv überrascht. Außerdem seien die Kinder "mit Eifer dabei".