Lesen als Schlüssel zu großen Taten

Lesen als Schlüssel zu großen Taten

"Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten": Unter diesem Motto stand ein Elternabend zum Thema Leseförderung im Wittlicher Cusanus-Gymnasium.

Wittlich. Es gab eine Zeit, da kam menschliches Leben noch ohne Schrift aus. Kommunikation fand nur direkt von Angesicht zu Angesicht statt. Was der Quantensprung durch die Erfindung der Schrift bedeutete, das ließ Ines Heiser am Elternabend Revue passieren: Ideen und Informationen konnten aufbewahrt, gesammelt, zeitlich versetzt weitergegeben werden. Lesen ist seitdem als Informationsquelle unersetzlich. Sogar im Internetzeitalter wird vor allem eins getan: gelesen und geschrieben. Von einer Lesekrise könne also aktuell nicht gesprochen werden, so Ines Heiser.
Sie stellte Formen des Lesens vor: das zweckrationale Lesen, zu dem besipielsweise das schulische Pflichtlesen gehöre, aber auch das Erfassen von Informationen, etwa in Gebrauchsanleitungen.
Zum autonomen, selbst gewählten Lesen gehöre das sogenannte Konzeptlesen. So nennt man das intensive Lesen bestimmter Texte, etwa bei Grundschulkindern die Phase des "Nur-Dinosaurier-Geschichten-Lesens".
Dann gibt es noch das partizipatorische Lesen, bei dem das Gelesene mit Gleichaltrigen geteilt wird. So lässt sich etwa die Begeisterung für die Harry Potter Romane erklären.
Erkenntnisgeleitetes oder auch ästhetisches und intimes Lesen gehören zum selbstzweckhaften Lesen. Es wird bestimmt durch die Neugier, etwas Neues zu Themen, die interessierten, zu erfahren, sich zudem einfach an Sprache zu erfreuen, im Dialog mit Bücher allein zu sein.
Welche Art man bevorzugt, hinge stark von Selbsteinschätzungen wie "Ich bin ein guter" oder auch "ein schlechter Leser" ab. Letztere negative Haltung sei nur schwer korrigierbar. Generell gelte, dass Leseförderung schon im Elternhaus beginnen müsse. Sie beeinflusse nachweislich und nachhaltig die Leseentwicklung: Laut einer Studie der Stiftung Lesen von 2011 liege der Anteil der 14- bis 16-Jährigen, die von sich behaupten, sie läsen gerne, sehr hoch, falls sie aus Elternhäusern stammten, in denen vorgelesen wurde. In der gleichen Altersgruppe mit Kindern aus Familien, in denen kaum oder nicht vorgelesen worden sei, sei Bücherlesen nicht positiv besetzt.
Zur Leseförderung von Jungen verwies Ines Heiser darauf, dass es wichtig sei, Lesen auch als "männliche Tätigkeit" für Jungs erfahrbar zu machen, im Idealfall im direkten Umfeld von Vater, Onkel, Bruder, Lehrer, Trainer. Auch bevorzugten Jungs männliche Helden mit Identifikationspotenzial.
Jungen bevorzugten:
Spannung, Action, Abenteuer, Kampf, Bewährung, Reise- und Heldengeschichten und Themen mit Bezug zu unwahrscheinlichen, exotischen Welten ( Heldengeschichten, Science Fiction )
Mädchen bevorzugten:
Beziehungs-, Tier-, Liebesgeschichten, Geschichten zu Schicksalen, psychologische Geschichten und Themen mit Bezug zum eigenen Leben und der eigenen Gegenwart. red
Extra

- eine eigene Lesekultur leben - für Kinder sichtbar, eigene Lesezeiten einrichten - Bücher besitzen - von Leseerlebnissen (etwa aus der eigenen Kindheit) erzählen - gemeinsam die Welt der Literatur in Buchhandlungen, Bibliotheken, Bücherflohmärkten, Museen erleben - Buch und Außenwelt zusammenbringen: Gelesenes/Erzähltes nachspielen, ausprobieren; literarische Orte aufsuchen - Leserituale entwickeln, die, wenn vereinbart, auch eingehalten werden sollten: Etwa gemeinsame feste Lesezeiten vereinbaren, regelmäßige Besuche der Stadtbücherei einplanen, jedes Jahr ein Geburtstags- oder Ferienbuch verschenken. Entscheidend ist auch, auf die Leseinteressen des Kindes einzugehen.Extra

1. Das Recht, nicht zu lesen. 2. Das Recht, Seiten zu überspringen. 3. Das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen. 4. Das Recht, noch einmal zu lesen. 5. Das Recht, irgendwas zu lesen. 6. Das Recht, in Romanen zu leben. 7. Das Recht, überall zu lesen. 8. Das Recht, herumzuschmökern. 9. Das Recht, laut zu lesen. 10. Das Recht, zu schweigen. Quelle: Daniel Pennac