Leseratten in Gutenthal haben eigene Bücherzelle

Leseratten in Gutenthal haben eigene Bücherzelle

Woher bekomme ich schnell neuen Lesestoff? Gutenthaler können jetzt zu ihrer leerstehenden Telefonzelle in der Ortsmitte gehen und sich ein Buch aussuchen, wenn sie gleichzeitig ein anderes hineinstellen.

Gutenthal. Der Morbacher Ortsteil Gutenthal hat seine eigene Bücherzelle: In der ehemaligen Telefonzelle bei der Kirche können Gutenthaler und andere Leseratten sich künftig ein Buch auswählen und mit nach Hause nehmen.
Einzige Bedingung: Sie müssen ein eigenes Buch aus ihrem Fundus wieder hineinstellen. Die Idee zur Büchertauschzelle hatte Evi Arend aus Gutenthal. Ihr Bruder wohnt in Frankfurt, da sei das gang und gäbe", sagt sie. "Was in der Großstadt funktioniert, müsste doch auch hier klappen", dachte sie und erkundigte sich, wem die Telefonzelle denn gehöre. "Dem Ortsteil" erfuhr sie von Ortsvorsteher Lorenz Gemmel.
Der Fernsprecher in der Zelle war schon seit Jahren abgebaut, im Inneren wuchsen sogar schon die ersten Pflanzen aus dem Boden. Da kam die Idee zur Umgestaltung gerade recht.
Arend kaufte für einen geringen Betrag ein Metallregal, stellte dieses in die Telefonzelle und füllte es mit Büchern aus dem eigenen Bestand.
Die Büchertauschzelle mit Romanen, Krimis, Sach- und Kinderbüchern kommt an: "In den ersten drei Wochen sind ungefähr ein Drittel der Bücher schon getauscht worden", berichtet Arend.
"Dass es so einschlägt, hätte keiner gedacht." Insbesondere ältere Leute, die nicht mehr so mobil sind, freuten sich über das Angebot aus dem gelben Kasten.
Arend geht ab und zu selbst zur Telefonzelle, um den Lesestoff wieder zu sortieren und aufzuräumen, denn das kleine Regal quillt schon über.
Doch möglicherweise findet sich in Kürze mehr Platz für Literatur der Schriftsteller Donna Leon, Petra Hammesfahr, Ken Follet und Co: Arend sagt, die Thekenkicker aus Gutenthal hätten bereits angeboten, das Regal zu vergrößern, damit mehr Bücher hineinpassen. cst

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