Leserbrief : Es müssen ein Umdenken und ein Systemwechsel her!

Landwirtschaft

Zu den Artikeln „Bauern fordern: Lebensmittel müssen noch teurer werden“ und „Weizen, Gerste, Roggen: Warum Bauern mehr Getreideanbau fordern(beide im TV vom 15. Juni):

Lebensmittel müssen teuer werden. Das fordert, wie schon so oft, der Bauernverband. Die Bauern wollen gleichzeitig mehr Freiheit bei der Wahl ihrer Art und Weise, wie Landwirtschaft zu betreiben sei. Jeder Unternehmer kann sein Produkt so teuer an den Markt bringen, wie er es kalkuliert. Das gilt für den Schlosserbetrieb, wie für den Dachdecker oder VW und Opel etc. – außer für die Landwirtschaft.

Entscheidend ist nicht der Wert der Ware, sondern die Meinung vom Wert der Ware. Das ist eine alte Ökonomen-Wahrheit, die auch dann bleibt, wenn Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, etwas anderes fordert.

Einen Tipp kann ich ihm vielleicht geben. Im Jahr 2021 wurden 50.000 Rinder, 450.000 Puten, 640.000 Schweine und 8,9 Millionen Hühner geschlachtet, verarbeitet und auf den Markt gebracht, um anschließend in der Mülltonne zu landen (Quelle: Fleischatlas 2021).

Diese Tiere sind nicht nur völlig umsonst getötet und verarbeitet worden, diese Tiere wurden geboren, gefüttert und haben Platz benötigt. Zudem haben sie Unmengen an Futtermittel verbraucht und unnötige Mengen Mist und Gülle produziert. Nicht dabei sind die Tiere, die qualvoll via Schiffstransport nach dem Nahen Osten oder nach Indien transportiert werden. Nur allein in Deutschland! Auch nicht mitgezählt sind die vegetarischen Lebensmittel.

Zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr in Deutschland für die Mülltonne produziert! Auch nicht dabei ist das Obst und Gemüse mit Flecken und Fehlern, die kein Verbraucher im Supermarkt kaufen würde. Man muss sich das vorstellen.

Jetzt möchte der Bauernverband, namentlich Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, noch zusätzlich Brachflächen nutzen, um 1,4 Millionen Tonnen Weizen zusätzlich zu produzieren. Mein Tipp an Herrn Horper: Spargel und Erdbeeren waren in diesem Jahr nicht gut zu verkaufen. Jetzt höre ich den Aufschrei der Herren Horper und Ruckwied, das sei nicht zu vergleichen oder schnell umzustellen.

Aber solange die Kunden die Fleischtheke im Supermarkt brechend voll sehen wollen, um Auswahl zu haben, oder beim Bäcker jeden Abend zehn Minuten vor Ladenschluss sämtliche Brötchen, Brote und Kuchen in großer Auswahl frisch gebacken vorfinden wollen, solange werden Supermärkte und Bäckerei-Ketten diesem Wunsch nachkommen wollen.

Und da ist der Landwirt nun mal das schwächste Glied in der Kette. Da nützt es allerdings auch nichts, wenn der Staat in Form von Subventionen dieses kranke System jedes Jahr mit Milliarden von Euro unterstützt. Es müssen ein Umdenken und ein Systemwechsel her.