Letzte Chance für Hunsrückbahn?

Gibt es doch noch eine Chance für die Reaktivierung der Hunsrückquerbahn? Die Deutsche Bahn und der Deutsche Bahnkunden-Verband wollen prüfen, welche stillgelegten Strecken wieder betrieben werden könnten. Betroffene Kommunen können entsprechende Strecken vorschlagen. Der Kreis Bernkastel-Wittlich wird die Hunsrückquerbahn vorschlagen.

Bernkastel-Wittlich. Die Reaktivierung stillgelegter Eisenbahnstrecken - das ist der Wunsch vieler Landräte und Bürgermeister. Einst fuhren Personen- und Güterzüge von der Nahe über den Hunsrück bis Hermeskeil.
Die sogenannte Hunsrückquerbahn, die Verbindung zwischen Büchenbeuren (Rhein-Hunsrück-Kreis) über Morbach, Thalfang und Hermeskeil bis Türkismühle (Kreis St. Wendel im Saarland) wurde in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren streckenweise nach und nach zunächst für den Personenverkehr, später für den Güterverkehr eingestellt.
Jetzt haben die Deutsche Bahn und der Deutsche Bahnkunden-Verband vereinbart, stillgelegte, aber noch vorhandene Bahnstrecken hinsichtlich einer Reaktivierung zu prüfen.
Die Potenzialanalyse soll höchstens zwei Jahre dauern. Zeichnet sich aus Sicht der Bahn und der betroffenen Kommunen ein Interesse zum Betrieb der Strecke ab, wird die Bahn Verhandlungen mit potenziellen Interessenten aufnehmen. Landkreise, Städte und Gemeinden können Bahnstrecken bis zum 30. Juni dieses Jahres vorschlagen. Der Kreis Bernkastel-Wittlich wird die Strecke Büchen beuren-Türkismühle, genannt Hunsrückquerbahn, vorschlagen.
Das hat der Kreisausschuss jetzt einstimmig beschlossen. Auf den Kreis kommen keinerlei Kosten zu. Landrat Gregor Eibes: "Wir haben diese Bahnstrecke immer unterstützt. Eine solche Potenzialanalyse kann uns unserem Ziel nur näherbringen."
Allerdings gibt es innerhalb der betroffenen Kommunen Uneinigkeit darüber, wie mit der stillgelegten Strecke umzugehen ist. Für Überraschung sorgte Ende vergangenen Jahres das Ansinnen des Rhein-Hunsrück-Kreises, die Eisenbahntrasse von Büchenbeuren über Morbach (rund 50 Kilometer) nach Hermeskeil in einen Radweg umzuwandeln.
Das stieß bei den meisten anderen Kreisen auf wenig Gegenliebe.
Landrat Gregor Eibes schrieb seinem Kollegen Marlon Bröhr, Rhein-Hunsrück-Kreis: "Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass alle Bemühungen darauf gerichtet sein müssen, eine vorhandene Schieneninfrastruktur zu erhalten und wieder einer Nutzung zuzuführen. Deshalb sollten zunächst die Chancen ausgelotet werden, die sich für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald beziehungsweise für die Eisenbahn-Infrastruktur ergeben."
Eibes kann sich eine rein touristische Nutzung, aber auch einen Nutzen durch die Einbeziehung in den öffentlichen Personen-Nahverkehr vorstellen.

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