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Letzter Haarschnitt nach 71 Jahren

Handwerk : Letzter Haarschnitt nach 71 Jahren

Der Traben-Trarbacher Friseur Richard Wiedemeyer (85) schließt zum Jahresende seinen Friseursalon.

Nur noch kurze Zeit, dann legt Friseurmeister Richard Wiedemeyer aus Traben-Trarbach seine Schere und den Haartrockner aus der Hand. Nach 71 Berufsjahren schließt der 85-Jährige seinen Friseurladen in der Aachstraße, um sich in den Ruhestand zu verabschieden. „Es fällt mir schwer, aufzuhören, aber irgendwann muss es ja mal sein“, sagt Wiedemeyer, der deutlich jünger wirkt. „Die Leute sagen, der Laden hat mich fit gehalten“, sagt der Friseur. ist an diesem Samstag sein letzter Kunde. „Ich bin seit 1998 zu Wiedemeyer gegangen und immer gern hierhergekommen“, sagt Ragip Kajtazag, während dieser ihm den Nacken ausrasiert.

Der Friseur habe stets gute Laune ausgestrahlt und die Haare gut geschnitten.

1948 hat Wiedemeyer bei seinem Vater, der ebenfalls Richard hieß, mit der Friseurlehre begonnen und 1960 die Meisterprüfung abgelegt. 1961 hat er den Friseurbetrieb übernommen und 1966 modernisiert. Die Einrichtung des Friseursalons ist abgesehen von einigen Details seit damals unverändert. „Hier hatte ich früher zwei Vitrinen, in denen ich Pflegeprodukte angeboten habe“, sagt er und zeigt auf die Ecke neben der Eingangstür. Die Plätze im Damensalon, wo heute noch die Trockenhauben über den Spiegeln hängen, seien ursprünglich mit Vorhängen abgetrennt gewesen. In den stärksten Zeiten hat Wiedemeyer sechs Mitarbeiter beschäftigt. Zuletzt waren es noch zwei Kräfte auf 450-Euro-Basis, die ihn unterstützt haben.

Gegründet hat den Frisiersalon sein Großvater Carl Wiedemeyer im Jahr 1895. Das Ladenlokal, das sich bis in die 1930er Jahre in dem Eckhaus Marktplatz/Bahnstraße befand, bis sein Vater ihn nur wenige Meter weiter in die Aachstraße verlegt hatte, war damals ein Novum. „Mein Großvater war der erste, der in Traben ein Friseurgeschäft hatte“, weiß Wiedemeyer von Erzählungen. Denn Friseure waren einst fahrende Handwerker und sind von Haus zu Haus gegangen. „Damals war das so“, sagt er.

Sogar die Kröver seien damals nach Traben in den Friseursalon gekommen. Nur: „Wenn die sich unterhalten haben, hat man nichts verstanden, hat mein Großvater immer erzählt. So unterschiedlich waren damals die Dialekte“, sagt Wiedemeyer.

Wie geht es weiter? Das Haus, in dem sich der Friseursalon befindet, will der Vater von drei Söhnen und einer Tochter und Großvater von fünf Enkelkindern verkaufen. Künftig will Wiedemeyer verstärkt seinen Hobbys nachgehen. Gemeinsam mit seiner Frau den großen Garten pflegen, Fahrrad fahren, Boule spielen.

Doch erst stehen die offiziellen Abmeldungen auf dem Programm. „Dann gewinne ich etwas Abstand.“ Bis Silvester will er seinen Kunden noch die Haare schneiden. Wiedemeyer: „Wenn einer kommt, kann ich ihn ja nicht stehen lassen.“