"Leute müssen bauen und arbeiten können"

WINTRICH. In der Weinbaugemeinde spielt sich nicht nur zur Passionsspielzeit etwas ab. Dank Kindertagesstätte und Grundschule ist das Dorf sehr lebendig und - dank der Umgehungsstraße - auch lebenswert.

"Ich mach' am liebsten Springen!" Für den sechsjährigen David sind die Leichtathletikabteilung des Sportvereins und der Sportplatz im Dorf genau das Richtige. Weit- und Hochsprung sind dort ebenso möglich wie Kugelstoßen. Darüber hinaus kann er sich mit seiner Schwester Johanna, vier Jahre, auf einem der beiden Spielplätze - im Dorf und beim Kindergarten - austoben. Oder sie spielen mit dem zweijährigen Simon im Garten. "Wir haben den ganzen Hof und eine riesengroße Rasenfläche", erzählt ihre Mutter Dagmar. Seit Wintrich eine Umgehungsstraße hat, ist es im Ort ruhiger geworden. Allein schon wegen des Schwerlastverkehrs, der nun drum herum fährt. Was für ein Dorf mit Kindergarten und Grundschule sehr angenehm ist. Erstgenannter ist eine Tagesstätte, die eine Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen über den Tag anbietet. In der Grundschule sind die Kinder bis 14 Uhr versorgt. "Das ist optimal", lobt Hans-Otto Gorges diese freiwilligen Leistungen. "Das haben auch ganz viele angenommen", weiß der Familienvater und schätzt die Beteiligung an der "Halben Ganztagsschule" auf Dreiviertel. Ein weiterer Vorteil der Schule im Ort: "Die Lehrer können sich viel mehr kümmern und haben noch einen persönlichen Kontakt zu den Eltern." Vorbereitend bietet der Kindergarten ein spezielles Angebot für die Vorschulkinder. Pendeln müssen die Kinder erst ab dem fünften Schuljahr: Für Hauptschule und Gymnasium nach Bernkastel-Kues, zur Realschule nach Neumagen-Dhron. Nach der Schule schweißen den Nachwuchs die Angebote der Vereine zusammen. Allen voran die Passionsspiele, die zwar nur alle fünf Jahre aufgeführt werden - bei denen sich aber das ganz Dorf engagiert. Großeltern, Eltern - ja selbst Kleinkinder spielen mit. "Die Passionsspielgemeinschaft muss sehen, dass sie in zehn Jahren auch noch Leute hat", erklärt Mutter Dagmar zu diesem Thema. Tourismus spielt beachtliche Rolle

Daneben gibt es die laut Gorges "rührige" Jugendarbeit von Sport- und Musikverein sowie der Freiwilligen Feuerwehr und nicht zu vergessen die "Wintricher Hergottsspatzen". "Wir haben noch eine sehr gute Vereinsstruktur", freut sich der Vollerwerbswinzer, der mit seiner Frau das Weingut Gorges-Reinhard betreibt. Die Jugendlichen haben einen Jugendraum: "Der Bürgermeister hat sich der Sache angenommen und seitdem klappt das auch", so Gorges. Die Erwachsenen haben dafür ihre "Vindriacum"-Halle. Als Fremdenverkehrsgemeinde verfügt der Ort über ein solides Dienstleistungsangebot mit Geschäften, Raiffeisenwarenlager, Gastronomie, Masseur und Kosmetikerin. Nur zum Arzt oder zur Apotheke müssen die Wintricher mit dem Auto. Ganz wichtig für eine Gemeinde ist nach Gorges Ansicht: "Die Leute müssen bauen können und Arbeitsplätze haben." Die Grundstückpreise sind laut Ortsbürgermeister Dirk Kessler erschwinglich. Zwar gibt es derzeit keine gemeindeeigenen Bauplätze, doch eine Erweiterung des Neubaugebietes Kurfürstenstraße sei angedacht. Positiv sei, dass den Bürgern neben einem runden Dutzend Vereine Sport- und Tennisplatz zur Verfügung stehen. Nicht unerheblich für die Entwicklung des 1000-Einwohner-Ortes sind die 50 000 Übernachtungen im Jahr und die vielen kleineren Gewerbebetriebe. "Größter Arbeitgeber dürfte die Beauty-Farm sein", so Kessler. Für interessierte Unternehmer stehen noch etwa 2000 Quadratmeter Gewerbefläche zum Verkauf.