Lexikon übersetzt Hunsrücker Platt ins Hochdeutsche

Sprache : Honsregger Platt auf Hochdeutsch

Ein Wörterbuch für den Hunsrücker Dialekt: Bernd Bersch hat auf mehr als 200 Seiten sowohl Vokabeln als auch die Grammatik zusammengetragen.

„Ich schwätze kän Honsregger Platt, ich schwätze nur Hudetisch“: Das heißt auf Deutsch: Ich spreche kein Hunsrücker Platt, ich spreche nur Hochdeutsch. Wer aber Hunsrücker – oder Honsregger Platt – lernen will, für den gibt es ein spezielles Lexikon, das Bernd Bersch zusammengestellt hat.

Eigentlich ist Bersch Ingenieur, aber in seiner Freizeit widmet er sich der Sprachwissenschaft. Bersch stammt aus Sabershausen, im örtlichen Dialekt Sawersch genannt. Das ist ein Ortsteil der Ortsgemeinde Dommershausen im Rhein-Hunsrück-Kreis. Mit dem Hunsrücker Platt wuchs er auf, und schon früh wuchs in ihm der Wunsch, diese Mundart zu erhalten. „Ich habe schon Anfang der 1990er Jahre angefangen, seltene Wörter zu sammeln, die meine Eltern noch verwendet haben. Vor allem Begriffe aus der Landwirtschaft waren mir wichtig,“ sagt Bersch.  Als er viele Wörter gesammelt hatte, habe er dann überlegt, welche Regeln es dafür gibt. „Schließlich habe ich 2011 angefangen, ein Buch zu schreiben. Ich habe lange an dem Material gearbeitet“, erinnert sich Bersch.

Und schließlich war das Wörterbuch „Hunsrück heißt Honsreck“, das nun in der zweiten und überarbeiteten Auflage vorliegt, fertig.  Bereits 2012 stieß die erste Auflage dieses Buches auf große Resonanz, wie der Kontrast-Verlag bestätigt.  Es habe  zahlreiche Rückmeldungen von Menschen aus der Region gegeben.

Und so  beschlossen der Autor und der Verlag eine neue Fassung herauszugeben. Besonders stolz sind beide auf das Grußwort der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer – unterstreicht es doch die Bedeutung eines solchen Nachschlagewerks und vor allem des Hunsücker Platt.

Für die überarbeitete Auflage wurden viele Anregungen von Lesern aufgenommen, wodurch das Buch  in der zweiten Auflage umfangreicher geworden ist: Es wurden mehr als dreihundert „Vokabeln“ ergänzt, außerdem wird noch etwas stärker auf regionale Unterschiede eingegangen und durch eine alphabetische Sortierung der Ausdrücke im Wortteil „Hochdeutsch – Honsregger Platt“ wird die Auffindbarkeit von Wörtern und ihren „Übersetzungen“ erleichtert.

Ingenieur, Autor, Hobby-Sprachwissenschaftler: Bernd Bersch. Foto: TV/Kontrast Verlag

Eine Liste mit Spitznamen für die Bewohner einiger Dörfer ist ebenso neu wie eine kurze Abhandlung über die Auswanderungswellen aus dem Hunsrück und dem damit verbundenen Export des Honsregger Platt. Die Unterschiede in Wortwahl und Ausdrucksweise des Dialekts im Vergleich zum Hochdeutschen werden schließlich mithilfe eines Kochrezeptes für die Hunsrücker Spezialität „Debbekooche“ und einer Kurzgeschichte „Dat Märche vom Schniekugelerfenner“ oder auf Hochdeutsch „Das Märchen vom Schneekugelerfinder“ veranschaulicht.

Der Autor wurde 1969  geboren, studierte nach dem Abitur Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen und ist seit vielen Jahren in der Automobilindustrie tätig.

Dass sich viele Menschen   für Dialekte und insbesondere das Honsregger Platt interessieren und sich in ihrer Freizeit dafür einsetzen, sei ihm erst nach der Veröffentlichung der Erstausgabe des Wörterbuchs so richtig bewusst geworden, erinnert sich Bersch. Deshalb war es ihm wichtig, all diese Informationen in Schriftform zu sammeln und zu erhalten.

Denn es gibt in zahlreichen Orten Mundartdichter, Kurzgeschichtenschreiber, Sprachwissenschaftler, Heimatforscher, Redakteure, Frauen ebenso wie Männer, Menschen in Mundarttheatergruppen, Heimatvereinen und Mundartinitiativen und Leute, die Internetseiten zum Hunsrücker Platt betreiben oder Mundartvorträge halten.

Eine von ihnen ist auch Isabel Pitz, die in Santa Catarina in Brasilien lebt und deren Vorfahren vor knapp 200 Jahren als Einwanderer vom Hunsrück nach Brasilien gekommen sind. Dort gibt es mehrere Gemeinden, in denen heute noch das Hunsrücker Platt des 19. Jahrhunderts gesprochen wird. Isabel Pitz  betreibt eine eigene Internet-Seite über Deutsch-Brasilianer, um das zu dokumentieren (der TV berichtete am 1. Dezember 2017).

Die Hunsrücker Mundart hat natürlich viele unterschiedliche Ausprägungen. Bersch: „Das Kerngebiet des Hunsrücker Platt reicht vom nördlichen Trier bis in den Vorderhunsrück, den Westerwald und ins Saarland.“ Was die Besonderheiten sind: „Es gibt zum Beispiel keinen Genitiv, statt ,dessen Buch‘ sagt man ,dem sein Buch‘“, sagt Bersch.

Der Dialekt gerate aber leider in Vergessenheit, so Bersch. Er begrüßt auch die Arbeit von Isabel Pitz in Brasilien: „Manche Begriffe aus dem Hunsrücker Platt leben in Brasilien noch eher weiter als im Hunsrück selbst.“

Die Idee, Dialekt an der Schule zu unterrichten, sieht Bersch kritisch: „Aus meiner Sicht würde es Sinn machen, Kindern in der Schule den Wert der Mundart zu vermitteln und dass diese Teil ihrer regionalen Identität ist. Sie würden somit ermuntert, Dialekt im Alltag als natürliche Sprache zu verwenden, ohne ins Hochdeutsche zu verfallen. Dafür würden wohl schon ein paar Unterrichtsstunden in jedem Schuljahr genügen. Das könnte auch den Grundstein dafür legen, dass diese Kinder wiederum den Dialekt an die nächste Generation weitergeben. Dialekt im Unterricht zu erlernen halte ich dagegen für ein hoffnungsloses Unterfangen.“

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