Liberal von der Pike auf

Er war lange Jahre Vorsitzender der FDP und hat deren Profil geprägt: Dirk Richter aus Mülheim geht nun mit 70 Jahren in den Ruhestand. Seine Parteifreunde spendierten ihm eine Abschiedsfeier in Wittlich. Zu den Gästen zählten der ehemalige Wirtschaftsminister und FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle, Landrat Gregor Eibes und die ehemalige Landrätin Beate Läsch-Weber.

Wittlich/Mülheim. Er ist ein ruhiger, sachlicher Mensch, der mehr Wert auf Argumente als auf Gefühle legt. Aber wenn es um Grundwerte geht, dann kann Dirk Richter auch einmal laut und leidenschaftlich werden. "Ich bin liberal und wertkonservativ - und daran hat sich nie etwas geändert", sagt Richter im TV-Gespräch.
Mit seiner konsequenten Haltung hat der Winzer 38 Jahre lang die FDP im Landkreis Bernkastel-Wittlich geführt und geprägt. Nun geht er mit 70 Jahren in den Ruhestand, was seinen Parteifreunden eine große Feier wert war. Zu Gast waren unter anderem sein langjähriger Weggefährte Rainer Brüderle, ehemaliger Wirtschaftsminister und FDP-Vorsitzender, Landrat Gregor Eibes und die ehemalige Landrätin Beate Läsch-Weber.
"Gute Menschen sind nicht einfach, das kann ich bestätigen," sagt Eibes schmunzelnd und lobt das hohe Engagement Richters ebenso wie Rainer Brüderle. Beate Läsch-Weber bekannte: "Ich bin ein Fan von Ihnen!" Richter bedankte sich und entgegnete: "Ich bin fast beschämt über all die Elogen, die hier über mich ergehen. Es ist mir immer ein Anliegen, etwas an die res publica zurückzugeben."
Dirk Richter wurde 1946 in Mülheim geboren. Das politische Interesse war ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. "Ich war schon immer ein homo politicus. Mein Urgroßvater war Beigeordneter und im preußischen Provinziallandtag, die ganze Familie war immer auch politisch tätig", sagt Richter.
Die Geschichte der Familie reicht bis ins Jahr 1680 zurück. "Damals hat man Weinexport betrieben, Wein wurde mit Schiffen in die Niederlande geliefert, dafür gab es dann die ersten Kolonialwaren im Austausch", erzählt er.
Der Handel und der Austausch mit anderen Völkern mögen dann auch die liberal-freiheitliche Familientradition gefördert haben. "Ich habe schon 1960 angefangen, mit dem Fahrrad Zettel für die FDP zu verteilen", erinnert sich Richter, der später nach Bochum ging, um zu studieren.
Eine Nacht im Gefängnis



Dort erlebte er die Apo-Zeit hautnah. "Ich war mittenmang dabei in der Studentenbewegung der 1968er Jahre." Dabei war er sogar eine Nacht lang im Gefängnis, als er mit seinen Mitstreitern gegen die Ermordung des Studentenführers Benno Ohnesorg demonstriet hatte. Seit 1968 war er im Kreisverband der FDP aktiv, erst als Pressesprecher, dann im Vorstand.
Schließlich übernahm er 1978 den Vorsitz der Partei. "Mir ist es wichtig, dass sich jeder frei entfalten kann, aber man muss auch irgendwo Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Man kann nicht mit einer ,Ohne-mich-Haltung' durch die Welt gehen." Dabei legt Richter großen Wert darauf, dass er immer ehrenamtlich tätig war. Und außerdem ist es ihm wichtig, dass der Politik-Nachwuchs der FDP Erfahrungen im Berufsleben hat. "Wenn einer von der Uni kommt und direkt ins Amt will, ohne Berufserfahrung, dann mache ich eine Blutgrätsche", sagt Richter. Die Karriere "Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal" zähle bei ihm nicht, denn die Menschen, die in der Politik Verantwortung übernehmen, sollen im, nicht neben dem Leben stehen.
Privat interessiert sich Richter für Geschichte und Archäologie. "Wir haben viele Reisen nach Griechenland und Italien übernommen." So ganz aus der Politik zurückziehen will sich Richter nicht. Und auch im Weinausschuss der IHK will er noch weiter machen. Für seinen Betrieb hat er indes einen Nachfolger: seinen Sohn.