Licht am Horizont für die Treverer-Schule

Seit Jahrzehnten kämpft die Treverer-Schule in Heiligkreuz um ein Gebäude, das dem Bedarf ihren teilweise schwerst behinderten Schüler gerecht wird. Nun scheint eine Lösung gefunden zu sein - auch wenn noch längst nicht alles in trockenen Tüchern ist.

Trier. Politiker sind mit all zu konkreten Versprechen meist vorsichtig. Um so erstaunlicher war eine Aussage von Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen anlässlich der Feier zum 40. Geburtstag der Treverer-Schule im Frühjahr 2009. Die Schule werde einen neuen Bau erhalten, sagte Jensen zu, "und zwar noch in meiner Amtszeit".

Das sind, Stand November 2010, noch viereinhalb Jahre. Wenig Zeit für ein kompliziertes Bauprojekt. Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang vermutet mit dem Umstand, dass nun auf einmal mächtig Bewegung in das Vorhaben kommt.

Schule soll ebenerdig errichtet werden



Kürzlich bat, streng vertraulich, Schuldezernentin Angelika Birk Schulleitung und Elternvertreter zu einem Besichtigungstermin in der Nähe des Ehranger Krankenhauses. Dort könnte auf einer großzügigen Freifläche zwischen Stadtrand und B 53 die neue Treverer-Schule entstehen.

Der Flächenbedarf ist groß, soll doch das ganze Gebäude ebenerdig angelegt sein - anders als am jetzigen Standort, wo motorisch stark gehandicapte Kinder vermittels lahmender Aufzüge zeitraubend von Etage zu Etage geschleust werden müssen. Platz wäre genug in Ehrang, die Verkehrsverbindung mit Bahn, Straße, Bus und Fahrradweg recht ordentlich - zwei wesentliche Standort-Kriterien von Lehrern und Eltern. Mit der gewünschten Nähe zu anderen Schulen und dem städtischen "Alltagsleben" sieht es allerdings - zumindest auf den ersten Blick - nicht ganz so gut aus. "Als das Stichwort Ehrang fiel, haben wir erst mal die Stirn gerunzelt", räumt Schulleiter Franz-Josef Schwaller ein. Aber die Ortsbesichtigung ergab ein positives Bild. Die ersten Häuser des Stadtteils sind nicht weit weg, in zehn Minuten Fußweg sind kleine Geschäfte zu erreichen - wichtig für die Alltagsarbeit mit den Schülern, die lernen sollen, sich im Leben zurechtzufinden.

"Hier haben wir Raum, uns zu entwickeln", sagt Schwaller, und auch der Anreiseweg für die Schüler aus der ganzen Region wird einfacher, "weil die nicht mehr durch das Trierer Verkehrsgeknubbel müssen". Gewichtige Pluspunkte, wenn auch nicht die Traum-Lösung. Die Treverer hatten ein Auge auf das Gelände der Geschwister-Scholl-Schule geworfen, bevor es handstreichartig zum neuen "Realschule plus"-Standort erkoren wurde. "Aber wir sind Realisten", sagt der Schulleiter und bezeichnet die sich abzeichnende Lösung als "tragfähigen Kompromiss".

Horst Mischo von der Eltern-Initiative "Treverer-Schule 2012" lobt die "erfreulich offene und konstruktive Art" der Stadtspitze im Umgang mit dem Thema. Allerdings fordert die Initiative angesichts der unhaltbaren Zustände am alten Standort schnelles Handeln: "Bis zum Ende des Jahres" soll die Stadt eine Standort-Entscheidung herbeiführen. Das derzeitige Gebäude sei "unsicher, gesundheitsgefährdend und missachtet selbst die notwendigsten Bedürfnisse der Schüler".

Dem widerspricht niemand. Dass trotzdem seit Jahren wenig passiert ist und an der Schule immer neu geflickschustert wurde, hängt auch mit der komplizierten Finanz-Konstruktion eines Neubaus zusammen: Anders als bei "normalen" Schulen zahlen die Landkreise die Kosten anteilig mit, und auch das Land hält besondere Fördertöpfe bereit. Das chronisch klamme Trier braucht also gar nicht so viel Geld aufzubringen, muss aber die Planung auf die Beine stellen. Nachdem es dabei jahrelang nicht voran ging, war sogar zwischenzeitlich ein Umzug nach Trier-Saarburg im Gespräch.

Mit der neuen Schuldezernentin scheint nun Zug in die Sache zu kommen. Angelika Birk bestätigt die Pläne, bleibt aber in der Öffentlichkeit zurückhaltend, "weil ich noch keine Gelegenheit hatte, mit den Eigentümern der Baufläche zu reden". Die Stadt müsse den Standort mit anderen abstimmen, und es gebe "jede Menge Formalien zu beachten". Dass das, wie von den Eltern gewünscht, bis zum 31. Dezember über die Bühne geht, hält sie für zweifelhaft. "Wir haben noch keinen Zeitplan", sagt die Dezernentin. Aber wenn es nach ihr geht, soll die Entscheidung pro Ehrang "zügig im neuen Jahr" erfolgen. ExtraDie Treverer-Schule kümmert sich um Kinder mit "Förderbedarf im Schwerpunkt motorische Entwicklung". Viele der 99 Schüler sind sowohl körperlich als auch geistig behindert oder in unterschiedlichem Grad entwicklungsverzögert. Ziel ist die individuelle ganzheitliche Entwicklung, die bei entsprechend geeigneten Schülern in einen qualifizierten Schulabschluss und der Berufsreife münden kann. Nur ein Viertel der Schüler kommt aus der Stadt Trier, gut die Hälfte aus Trier-Saarburg, jeder fünfte aus Bernkastel-Wittlich. Manche Schüler, zum Beispiel aus der Vulkaneifel haben einen täglichen Fahrtweg von bis zu 120 Kilometern. (DiL)

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