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Licht an! Aber wie?: Wittlich plant neue Beleuchtung zum Projekt Stadt am Fluss

Licht an! Aber wie?: Wittlich plant neue Beleuchtung zum Projekt Stadt am Fluss

Passen "auf alt gemachte" Laternen besser zur Lieserbrücke? Sind schlichte Stelenleuchten schicker? Was kostet es, für "Stadt am Fluss" die öffentliche Beleuchtung auszutauschen und was hat das mit Wlan und E-Autos zu tun? Darum ging es unter anderem im Bau- und Verkehrsausschuss.

Wittlich. "Licht und mehr" hieß ein Geschäft direkt neben dem Alten Rathaus. Der Standort ist aufgegeben, hat sich nicht gelohnt. Mit "Licht und mehr" hat sich in anderer Form der Bau- und Verkehrsausschuss beschäftigt. Aber die Berater in diesem Fall sind keine lokalen Fachhändler, sondern sprechen für einen Energiekonzern, wollen aber Lampen und mehr verkaufen.
Bei der Vorstellung vor den Mitgliedern des Ausschusses ist auf einer Leinwand deshalb auch r meist ein Innogy-Logo (siehe Extra) zu sehen. Davon gibt es mehrere. Dieses sieht aus wie ein I, das zu einer Art Glühlampe stilisiert ist.

Der Berater für diesen Energie-Fall kommt von Westnetz, ein Tochterunternehmen von Innogy, Tochterunternehmen von RWE. Hier betreibt man sozusagen auch einen Lampenladen im großen Stil und sorgt gleich für die Energie und hat für Wittlich Ideen mitgebracht. Denn nicht nur der Abenteuerspielplatz plus die Stufenanlage zur Lieser sollen dank des Projekts "Stadt am Fluss" rund um die Altstadtbrücke entstehen. Auch das Lampensammelsurium soll entrümpelt und erneuert werden. Unter anderem sind schlanke, 5,5 Meter hohe Stelenleuchten Favoriten des Westnetz-Vertreters Rainer Heib. Sie stehen bereits zwischen Einkaufszentrum und Parkplatz Oberstadt.Modern oder historisierend?


Doch an der Lieser will nicht jeder diese moderne, schlichte Lösung. Michael Scheid, FWG, eröffnet die Debatte und erinnert an das "historisierende schmiedeeiserne Geländer" der Altstadtbrücke. Er wünsche eher Lampen, die ähnlich "auf alt gemacht", wie man gemeinhin sagt, seien. Jan Salfer, CDU, hält dagegen: "Eyecatcher soll eigentlich das neue Lieserufer sein, eventuell sollte man da Strahler draufsetzen. Und ich bin schon für moderne Leuchten in diesem künftig puristisch gehaltenen Bereich." Stephan Lequen, Grüne, setzt nach: "Ich tendiere zu historisierenden Leuchten. Wir sind nun mal im Altstadtbereich." Edwin Mehrfeld, SPD, will mehr Vorschläge: "Mir als Ausschussmitglied fehlen einfach die Alternativen." Er wünsche sich statt einer vorgestellten Leuchtenlösung vor einer Entscheidung Auswahlmöglichkeit.

Das sehen andere Lokalpolitiker genauso. Außerdem will der Ausschuss eine Übersicht über die Kosten. In diesem Sinne wurde der Beschluss fürs Beleuchtungskonzept vertagt.
Am Rande wurde dabei deutlich, dass es um weitere Pläne geht. So seien die Stelen besonders dafür geeignet, eine Wlan-Verbindung vom Marktplatz bis zum neuen Spielplatz am Rommelsbach zu schaffen, da man die Technik dafür gut in den Lampenmasten verstecken könne. Und das Tochterunternehmen des Energieriesen denkt noch weiter: Es würde sich gerne zwei von vier verbleibenden Parkplätzen an der Seite des Platzes an der Lieser als Stromtankstelle reservieren und die Technik beim Leuchtenaufbau schon positionieren. Das klingt aus Unternehmersicht so: "Wir würden einfach mal die Infrastruktur dahin legen." Warum das mitten in der Stadt sein soll und nicht auf dem großen Parkplatz Zentrum, wurde nicht gesagt beziehungsweise welchen Vorteil die Stadt selbst davon haben würde.Extra

1430 Leuchten gibt es allein in Wittlichs fünf Stadtteilen. Bestimmte Leuchtmittel, etwa die, die mit Natriumdampf-Technik betrieben werden und gelbes Licht machen, werden nun wegen einer Ökodesignrichtlinie der EU schrittweise vom Markt genommen. Innogy SE will deshalb 800 Leuchten auf LED umrüsten. Sie geben warm-weißes Licht ab. Das kostet zunächst Geld, spart aber Strom und soll zu einer niedrigeren Wartungspauschale führen. Die Umstellung soll die Stadt 261 000 Euro für die Stadtteile kosten. Die Kosten sollen sich in sechs Jahren amortisiert haben. Auf die LED sollen die Hersteller acht Jahre Garantie geben. sosExtra

Seit Jahrzehnten haben Städte und Gemeinden der Region Verträge mit der RWE zur Straßenbeleuchtung. Es werden feste Beträge (Pauschalen) gezahlt, damit sich die RWE um das öffentliche Licht von der Wartung bis zum Birnenaustausch kümmert. Und es gab sogenannte Erneuerungskonten. Darauf lagen beispielsweise 760 000 Euro, die die Stadt wegen eines Vertrages aus dem Jahr 1995 im Voraus gezahlt hatte, falls mal eine Lampe defekt sei. Ein gutes Geschäft für den Energieriesen. Mittlerweile hat man einen Vertrag mit Innogy. Das klingt nicht nach RWE, ist aber ein Tochterunternehmen. Dort hat die RWE ihre besseren Geschäfte ausgelagert, bei der Mutter RWE sind etwa die Großkraftwerke verblieben, die im Zuge des Wachsens der erneuerbaren Energien und der Kosten etwa für Aromenmüllentsorgung in der Krise stecken. Mit Innogy als eine Art Ökostromunternehmen ist RWE, selbst verschuldet, an die Börse gegangen. Westnetz ist eine Tochtergesellschaft von Innogy SE. sos