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Licht ohne Steckdose - Morbach testet neue Straßenbeleuchtung

Licht ohne Steckdose - Morbach testet neue Straßenbeleuchtung

Ein neues, regeneratives System für Straßenbeleuchtung wird derzeit in der Morbacher Energielandschaft getestet. Dazu hat die Wittlicher Firma Klein eine Lampe entwickelt, die ihren Strom zu 100 Prozent aus Solarzellen bezieht.

Morbach. Eine Straßenbeleuchtung, die keine Kabel braucht und die völlig unabhängig vom Stromnetz funktioniert? Das klingt noch nach Zukunftsmusik, könnte aber bald schon Realität werden. In der Morbacher Energielandschaft werden derzeit zwei neue Straßenlampen getestet, die völlig autonom arbeiten und ihre Energie aus Solarzellen beziehen. Entwickelt hat sie eine Firma aus der Region, Klein Elektronik in Wittlich-Wengerohr.Lampe berechnet Strombedarf


"Wir haben mit modernen LED-Strahlern, die wenig Wärme und viel Licht abgeben, eine Energieausbeute von 97 Prozent. Der Akku der Lampe speichert Energie für drei bis vier Nächte", sagt Geschäftsführer Christoph Klein. Ursprünglich seien die Lampen für den Mittelmeerraum und Afrika entwickelt worden. Denn in vielen afrikanischen Ländern fehlt ein Stromnetz, sodass unabhängige, selbstversorgende Lösungen gefragt sind.
Und so entwickelte die Firma in Wittlich das Modell LSSx5M. "Die Lampe besteht aus einem Gehäuse, in dem alle Elemente integriert sind, sie ist deshalb sehr einfach zu installieren und auch robust", sagt Stefan Pesch von Klein Elektronik. Ein Schaltmodul in der Lampe sorgt dafür, dass der Akku immer ausreichend geladen ist. "Wenn zum Beispiel ein Tag eher bewölkt ist, dann rechnet die Lampe das in ihren Energiehaushalt mit ein und strahlt am Abend nicht ganz so intensiv", sagt Pesch. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Natriumdampf-Hochdruckleuchte, die etwa 300 Euro kostet, sei die LSSx5M zwar mit 1599 Euro teurer. Aber dafür entfallen die Kabelkanäle und die Stromkosten. Das mache bei einer Laufzeit von 20 Jahren mit zehn Stunden Beleuchtung am Tag eine Ersparnis von 550 Euro pro Leuchte aus - und sei wesentlich umweltfreundlicher: 2500 Kilogramm CO2-Emissionen würden so eingespart. Bei einer Natriumdampf-Leuchte fallen in dem Zeitraum 1278 Euro Stromkosten (auf der Basis von 0,25 Euro pro Kilowattstunde) an, die bei der LED-Lampe mit Solarstrom entfallen.
Diese Leistungsdaten sind für Andreas Hackethal, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Morbach, Grund genug, den Testlauf auf der Energielandschaft zu unterstützen: "Wir werden prüfen, inwieweit man dieses Konzept zur Anwendung bringen kann. Als Ergänzung der Straßenbeleuchtung ist das interessant, zum Beispiel für Fußwege oder für Versorgungseinrichtungen, die außerhalb liegen." Ob damit eine Grundversorgung, etwa in Neubaugebieten hergestellt werden kann, lasse sich noch nicht absehen, soll aber diskutiert werden.Demnächst in Mali


Da die Lampen keine Stromleitungen brauchen, könnte man auch Erschließungskosten bei Neubaugebieten einsparen. Nun sollen die Lampen für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr getestet werden.
Ein weiteres Exemplar wird im Januar 2017 die Reise nach Mali antreten. Peter Brucker, Vorsitzender des Longkamper Vereins "Mali Hilfe", in dem sich auch viele Morbacher Bürger engagieren, wird eine dieser Lampen bei seinem nächsten Besuch mitnehmen. "In Mali brauchen die Menschen Licht. Da ist eine Lampe, die Sonnenenergie verwendet, natürlich ideal."Meinung

Eine Lampe mit viel Potenzial
Seit Jahren ist die Einsparung von CO2 eines der großen Ziele der Gesellschaft. Mit Subventionen, Regulierungsmaßnahmen, Feinstaubplaketten und vielen weiteren Mitteln versucht die Politik, diesem Ziel näher zu kommen. Aber häufig basieren die Lösungsansätze auf der bereits bestehenden Struktur der Energieverteilung und deren Speicherung. An der einen Stelle wird erneuerbare Energie erzeugt, etwa in Windparks, an einer anderen weit entfernten Stelle wird sie verbraucht. Dazu sind umfangreiche und teure Leitungsnetze notwendig, die immer weiter ausgebaut werden müssen, um diesem Strom-Verkehr gerecht zu werden. Die Lampe LSSx5M zeigt, dass Strom auch da produziert werden kann, wo er gebraucht wird. Dazu sind dann keine weit verzweigten Leitungsnetze mehr notwendig, was der Gesellschaft hohe Kosten ersparen könnte. Dezentrale Energieerzeugung könnte langfristig ein Weg mit viel Potenzial sein. hp.linz@volksfreund.de