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Lichtinstallation soll Hochmoselbrücke verschönern

Lichtinstallation soll Hochmoselbrücke verschönern

Zu der im Bau befindlichen Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig gibt es viele Debatten. Kritiker befürchten, dass sie das Landschaftsbild des Moseltals zerstört. Der Morbacher Künstler R.O. Schabbach geht mit einer Idee in die Offensive. Mit Licht will er die Brücke dauerhaft in Szene setzen, und damit jährlich bis zu eine Million Touristen zusätzlich an die Mosel locken.

Zeltingen-Rachtig Der Morbacher Künstler R.O. Schabbach hat eine Idee. Er möchte die gigantische Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig - wenn sie 2016 fertig gebaut ist - in ein Kunstwerk aus Licht und Farben verwandeln.
Damit bietet der Künstler, der die Debatte um die Ästhetik der Hochmoselbrücke verfolgt, Politikern und Bürgern eine Lösung an.

Denn viele Bürger der Gemeinde Zeltingen-Rachtig und der Region befürchten, dass sich die Hochmoselbrücke negativ auf das Landschaftsbild und dadurch auf den Tourismus in der Region auswirken wird. Selbst ihre Planer und Befürworter geben zu, dass die im Bau befindliche Hochmoselbrücke das Moseltal nicht ästhetisch aufwertet.

Schabbach plant, die Brücke mit einer dauerhaften Lichtinstallation zu verschönern (Video siehe am Ende dieses Artikels). Die Idee des Künstlers stellten Staatssekretär Rainer Bomba (Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur) und der parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser (MdB) bei einer Baustellenbesichtigung vor. Mit einer LED-ähnlichen Beleuchtung will Schabbach ein Farbenspiel auf die 160 Meter hohen Pfeiler der Brücke zaubern. "Ich kann mir eine täglich 20-minütige Inszenierung vorstellen", sagt Schabbach: "Ein Farbenspiel, das allabendlich ´in der Dunkelheit stattfindet und die Brücke zum Leben erweckt - musikalisch begleitet von einer Sinfonie, die ein Orchester aus Hollywood für mich einspielt." Gregor Eibes, Landrat des Landkreises Bernkastel-Wittlich, hofft, dass sich mit moderner Lichtkunst die Akzeptanz des Bauwerks bei der Bevölkerung erhöhen lässt "und die negativen Stimmen dann irgendwann verhallen".
Allerdings würde das Lichtkunstwerk den Steuerzahler acht Millionen Euro kosten, schätzt Staatssekretär Bomba. "Damit könnte man die Brücke ein Stück weit so gestalten, dass die Leute vor Ort aus dem Bauwerk touristisch einen Nutzen schlagen können." Nach den Schätzungen des Künstlers Schabbach soll dieser Nutzen nicht gerade gering ausfallen: "Ich rechne bereits im zweiten Jahr mit bis zu einer Million zusätzlichen Touristen in der Region und bis zu 500 000 neuen Fluggästen am Airport Frankfurt-Hahn, die anreisen, um das allabendliche Spektakel an der Hochmoselbrücke anzuschauen."Meinung

Zu hoch gegriffen
Wenn ein solch gigantisches Projekt mit einem so hohen Kostenvolumen gebaut wird, dann sollte es grundsätzlich nicht mehr darauf ankommen, auch noch Geld in Kunst am Bau zu stecken. Es ist eine gute Idee, die Brücke am Abend mit einer ästhetischen Lasershow zu beleuchten - wenn schon, denn schon. Aber das ist bislang nur ein Vorschlag. Wenn tatsächlich dafür Steuergeld verwendet werden soll, dann muss ein Ideenwettbewerb dafür ausgeschrieben werden. Möglichst viele unterschiedliche Künstler sollten die Möglichkeit haben, dazu Vorschläge einzureichen. Diese Vorschläge sollten öffentlich gemacht werden. Und letztlich muss ein neutrales Gremium darüber befinden, welcher Vorschlag realisiert werden soll. Nur so kann ein Kunst-am-Bau-Projekt eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung finden. Denn über diese Brücke gehen die Meinungen schon seit langem auseinander. hp.linz@volksfreund.de Eine Million zusätzliche Touristen pro Jahr und 500 000 weitere Passagiere für den Flughafen Hahn: Die Vorstellung des Künstler R.O. Schabbach, der glaubt, dass allein pro Tag 2740 Touristen nach Zeltingen-Rachtig reisen, um sich seine illuminierte Brücke anzuschauen, halte ich für unrealistisch. Meiner Meinung nach schätzen Touristen das Moseltal, wegen seiner Kulturlandschaft, die sich durch die Weinberge und die Natur rund um den Fluss auszeichnet. Ein Glas Riesling genießen und die Ruhe auf sich wirken lassen: So stellen sich wohl die meisten Touristen einen gelungenen Ausklang ihres Urlaubstages im Moseltal vor. Ein Spektakel aus Farben und eine Sinfonie aus Hollywood stören da eher die Kulisse. Schabbachs Idee fehlt der Bezug zur Landschaft. Zeltingen-Rachtig zu einer funkelnden und glitzernden Stadt wie Las Vegas umzugestalten, kann nicht die Lösung sein. mosel@volksfreund.deExtra

Gregor Eibes, Landrat des Landkreises Bernkastel-Wittlich: "Ich halte die Idee des Künstlers für umsetzbar und denke, dass sich ein solches Lichtkunstwerk ästhetisch positiv auf das Moseltal auswirken würde." Manfred Kappes, Ortsbürgermeister Zeltingen-Rachtig: "Wir haben uns mit dem Bauwerk abgefunden. Es sieht ganz erschreckend aus, wenn man die Pfeiler von unten sieht. Ich kann mir aber vorstellen, dass eine Lichtinstallation die Hässlichkeit des Bauwerks etwas mildert. Das wäre wichtig für uns, denn wir sind in Bezug auf Tourismus die zweitstärkste Gemeinde in der Verbandsgemeinde und wollen das auch bleiben. " Winfried Gassen, Ortsbürgermeister Lösnich: "In unserer Ortsgemeinde wird das Bauwerk überwiegend akzeptiert. Aus touristischer Sicht würde solch ein Lichtkunstwerk eine besondere Attraktion darstellen, die ich für sinnvoll und nützlich halte. Arno Simon, Ortsbürgermeister Ürzig: "Eine kunstgerecht beleuchtete Brücke ist sinnvoll. Die Bosporus-Brücke in Istanbul zeigt, dass so etwas gut aussehen kann." Alois Kaufmann, Ortsbürgermeister Erden: "Aus der Brücke ein Lichtkunstwerk zu machen, kann nicht falsch sein. Bei Gesamtkosten von 400 Millionen dürfen acht Millionen keine Rolle spielen." cmoExtra

Mit der Hochmoselbrücke wird man in einigen Jahren eine der größten Brücken Deutschlands bestaunen können. In einer Höhe von 158 Metern wird sich das Bauwerk 1,7 Kilometer lang über das Moseltal spannen. red