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Lichtkunst wie die von R.O. Schabbach braucht besondere Räume.

Kultur : Von der Magie des Lichts

Hoch auf der Hochmoselbrücke, tief in den Katakomben eines Ex-Militärkrankenhauses oder mitten auf dem Trierer Dom: Was ist das für eine Kunstform, die besondere „Räume“ braucht, und worin liegt ihr besonderer Reiz?

Zeltingen-Rachtig/Morbach/Trier Erstmals hat vor drei Wochen nach einigen Probeläufen eine bunte Lichtkunstskulptur die Mosel überspannt. Es ist das Werk des Künstler R.O. Schabbach aus Morbach-Hundheim, der in der Region und darüber hinaus für seine farbenfrohen Kunstwerke bekannt ist. So  manches Kunst-am-Bau-Projekt im Hunsrück und an der Mosel trägt seine Handschrift. Doch vor allem hat der 55-Jährige sich einen Namen damit gemacht, dass er Straßenzüge, Bauwerke, Felsen und auch ein ganzes Dorf mit einem neuen künstlerischen „Kleid“ versehen hat.

Gleich dreimal machte Schabbach seinen Wohnort Morbach-Hundheim zum „Lichtdorf“, in dem er bis zu 115 Gebäude zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügte. In Bad Bertrich wandelten die Besucher des Heller Herbstes in Rahmen einer „Sinfonie der Farben“ auf einer Länge von rund 1502 Metern durch einen Licht- und Farb-Canyon.

Doch Schabbach ist längst nicht mehr nur in der Region aktiv. Zum Jahreswechsel 2018/19 hat er beispielsweise  mehr als 30 000 Quadratmeter Strand  in Sarasota, Florida, in ein Kunstwerk verwandelt – und 2016 eine ganze Bucht in Malta zum Gedenken an ertrunkene Flüchtlinge in MIttelmeer.

Doch derzeit steht ein besonderes Objekt bei dem Träger des Kunstpreises des Kreises Bernkastel-Wittlich im Fokus: die im Herbst eröffnete Hochmoselbrücke. Einzelne von ihren Pfeilern hat er bereits 2017 und 2018 in Kunstwerke verwandelt. Doch im Januar gelang ihm ein neues Projekt: Erstmals wurde aus dem „Lichtkunst-Bild“ an der Brücke eine Skulptur.

Denn die Pfeiler hat er dreidimensional illuminiert. Zusammen mit einem Teil des Brückenträgers entstand ein Tor, das „Tor zur Mittelmosel“. Für Schabbach ist die Brücke  ein besonderes Objekt. Denn eine Brücke sei nicht nur Transportweg, sondern auch ein „Symbol für Zusammengehörigkeit und Zusammenführung, ein verbindendes Element diverser und unterschiedlichster Regionen und Kulturen“.

Warum arbeitet der gelernte Goldschmied mit Installationen und Skulpturen aus Licht? „Licht ist mein  Medium“, erklärt er. Damit zu arbeiten, habe mehrere Vorteile: Es zieht laut Schabbach Menschen magisch an. „Man kann Licht formen und wie ein Tuch über Häuser, Landschaften und auch Brücken legen.“ Und Licht habe eine weitere besondere Eigenschaft: Mit ihm könne man in anderen Größenordnungen arbeiten. Die Hochmoselbrücke ist mit 160 Metern die zweithöchste Brücke Deutschlands. Sogar der Kölner Dom passt darunter. Gegenstände in einer solchen Höhe anzustrahlen, sei keine Kleinigkeit. An diesem Vorhaben habe er lange gearbeitet und beispielsweise mit einem Freund zusammen spezielle Projektoren entwickelt.

Illuminationen stehen derzeit hoch im Kurs. Schwimmt Schabbach da auf einer Welle mit? Er schüttelt mit dem Kopf. Bäume anzustrahlen oder ein Gebäude, sei noch keine Lichtkunst. Illumination könne auch eine „Taschenlampe auf dem Dach“ sein. Und: „Alles, was Kunst sein möchte, müsse auch einen Inhalt haben, eine Botschaft.“

Lichtkunst steht auch im Zentrum der Illuminale, die in Trier seit acht Jahren stattfindet. Das Ziel der Veranstaltung von der Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm) und der Stadt Trier, ist es, verschiedene Schauplätze neu zu inszenieren: vom Petrisberg über das Moselufer bis hin zu den Unesco-Welterbestätten. Das sagt ttm-Sprecherin Dr. Paula Kolz. Der Begriff Illuminale komme zwar von illuminieren, sprich beleuchten, aber bei der Großveranstaltung– immerhin wird die Illuminale von bis zu 20 000 Menschen besucht – ist viel Lichtkunst im Spiel.

Kolz verweist auf Laserkunst wie 2018 in den Kaiserthermen, auf 3D-Skulpturen  und „Mappings“. „Mappings“ gelten als eine innovative Form der Medienkunst. Der Begriff bezeichnet eine individuell auf ein Objekt abgestimmte Videoprojektion.Lichtkunst sei in Trier mit seinen  historischen Stätten besonders interessant. Denn die bestehenden Fassaden werden nicht angegriffen, erklärt Kolz weiter. Es müssen keine Ausstellungswände eingezogen und keine Löcher gebohrt werden. Und was macht Lichtkunst für sie so faszinierend? „Lichtkunst spricht unsere Sehgewohnheiten auf eine Weise an, die stets große Emotionen hervorruft.“ Dass Lichtkunst massenkompatibel ist, demonstriere die Illuminale immer wieder aufs neue. Gefällig müsse sie deshalb allerdings nicht sein. Ihr Kunstcharakter biete auch die Chance, gesellschaftskritische Themen anszusprechen. Etwa das Videomapping „Soulmap“ des renommierten Lichtkünstlers Michael Batz, der 2019 auf der Domfassade das kontroverse Thema „Heimat(losigkeit)“ aufgriff (siehe kleines Foto). Wichtig sei es allerdings, die hohe Qualität zu halten. Deshalb haben sich die Veranstalter entschieden, vom jährlichen in einen zweijährigen Turnus zu wechseln. Und deshalb findet die nächste Illuminale erst 2021 statt (der Volksfreund berichtete).

Mit Lichtkunst befassen sich auch die Verantwortlichen  beim „generator.medienkunstlabor trier“ in den Katakomben unter dem Universitätsgebäude auf Campus II der Universität Trier. Doch gegensätzlicher könnte ein Konzept zu Schabbachs Projekten und der Illuminale nicht sein. Strebt das „Tor der Mittelmosel“ hoch in die Lüfte, so geht es in der ehemaligen Heizkraftzzentrale der französischen Garnison in den Untergrund. Und die große Zahl der Besucher der Illuminale sei auf dem Petrisberg weder machbar, noch wünschenwert. Zwischen 2000 und 3000 Menschen sehen die Ausstellungen im Medienkunstlabor, das auf Initiative des Faches Kunstgeschichte der Universität Trier entstand. Aufgrund der räumlichen Bedingungen sind ausschließlich geführte Touren bis maximal 25 Besuchern möglich. Dennoch biete der Ort ein „enormes Potenzial für Kunstausstellungen“, sagt die Kunstgeschichte-Doktorandin Andrea Günther, die dort bereits zwei Schauen kuratiert hat. Das liege an der spektakulären Kulisse ebenso wie an der Laborsituation. Denn regelmäßig werden internationale Künstler eingeladen, in den Räumen ein neues Werk zu gestalten.

Auch Günther ist überzeugt, dass das Publikum zur Lichtkunst einen unmittelbaren Zugang hat, da diese zunächst rein auf der optischen Wahrnehmung basiert und einen physiologischen Reiz bewirkt. Lichtkunst fordere in besonderem Maße einen Raum – ob geschlossener Innenraum oder urbaner Außenraum –, auf den sie reagieren kann.

Wer jetzt neugierig geworden ist und sich die aktuelle Ausstellung anschauen möchte, wird enttäuscht sein. Wegen eines Umbaues sind die Räume derzeit geschlossen. Allerdings gibt es verschiedene Aktionen außerhalb der Baustelle. Beispielsweise haben Studierende  im Palastgarten in einer Art Guerilla-Aktion mit mobilem Licht „interveniert“, schildert Günther. Weitere Aktionen sind  in Planung (Infos unter www.generator.uni-trier.de). Die sanierte Einrichtung wird vermutlich Anfang 2022 eröffnet. Zu diesem Anlass liegt den Organisatoren bereits eine Kooperationszusage des New Yorker Künstlers Alfredo Jaar vor.

 Lichtinstallation Inkubator: Werden und Vergänglichkeit sind das Thema der neuen multimedialen Ausstellung im Generator, dem als Ausstellungsort genutzten ehemaligen Heizungskeller des Geozentrums auf dem Trierer Petrisberg.
Lichtinstallation Inkubator: Werden und Vergänglichkeit sind das Thema der neuen multimedialen Ausstellung im Generator, dem als Ausstellungsort genutzten ehemaligen Heizungskeller des Geozentrums auf dem Trierer Petrisberg. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/Joerenessen + Kessner 2017
 Ein „Tor zur Mittelmosel“ (oben) wird am kommenden Freitag und Samstag bei Zeltingen-Rachtig geöffnet. Die Lichtkunstskulptur stammt vom Morbacher Künstler R.O. Schabbach. „Soulmap“ heißt das Videoprojekt von Michael Batz, das 2019 auf dem Trierer Dom zu sehen war (unten).
Ein „Tor zur Mittelmosel“ (oben) wird am kommenden Freitag und Samstag bei Zeltingen-Rachtig geöffnet. Die Lichtkunstskulptur stammt vom Morbacher Künstler R.O. Schabbach. „Soulmap“ heißt das Videoprojekt von Michael Batz, das 2019 auf dem Trierer Dom zu sehen war (unten). Foto: Hans Krämer

Aber immerhin, Freunde der Lichtkunst kommen in diesen Tagen auf ihre Kosten. Denn schließlich gibt es ja noch R.O. Schabbach. (siehe Info).