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Liebe zur Musik und jede Menge Reis

Liebe zur Musik und jede Menge Reis

Annika Meyer war über den sozialen Friedendienst im Ausland (Sofia e.V.), ein Jahr in Bolivien. Dort hat sie Musikunterricht gegeben. Die Gastfreundschaft und die Musikalität im Land haben die Abiturientin aus Klausen beeindruckt.

Klausen. In ihrem Jahr in Bolivien konnte Annika Meyer zwei Interessen miteinander verbinden: kirchliches Engagement und Musik. Denn schon vor ihrem Auslandsjahr war sie beispielsweise bei der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 in Trier dabei, und Cello spielt sie seit vielen Jahren.

Warum wollten Sie nach Bolivien gehen und nicht nach England, Frankreich oder in die USA?
Meyer: Nach dem Abitur wollte ich nicht gleich studieren, sondern erst einmal etwas anderes machen. Ich habe mich bei SoFiA für Lateinamerika oder Afrika beworben. Ich wurde dann für Bolivien ausgesucht.

Was haben sie dort gemacht?
Meyer: Ich habe dort an einer Musikschule gearbeitet. Kleinen Kindern Flötenunterricht gegeben, größere im Cello unterrichtet, einen Jugendchor geleitet und in einem Konvent von Franziskanerschwestern gelebt.

Wie waren die ersten Tage im 20 Flugstunden entfernten Land?
Meyer: Merkwürdig. Erst einmal war ich betroffen und geschockt von der Armut, die man dort sieht, vor allem vom Zustand der Häusern und Straßen. So hatte ich erst einmal viel zu verarbeiten.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Bolivien?
Meyer: Es gibt viele Unterschiede, manche Familien leben mit zehn Personen in einem Raum, die medizinische Versorgung ist für viele Menschen zu teuer. Sehr gerührt hat mich die Liebe vieler Bolivianer zur Musik. Der Musikunterricht in dem kleinen Dorf war gratis, Barockmusik hat dort wegen der Jesuiten und Franziskaner, die dort waren, eine große Tradition. Orchester mitten im Urwald gibt es und Instrumentenbauer, die Streichinstrumente in Lehmhütten herstellen. Die Bolivianer sind gute Tänzer, die Regionen haben eigene Tänze und Trachten. Die Tracht meines Lieblingstanzes habe ich mir mitgebracht.

Was ist dort gesellschaftlich prägend?
Meyer: Die Gastfreundschaft, und das Wir-Gefühl. Man versteht die Vorurteile, die viele Ausländer gegenüber Deutschen haben besser, zum Beispiel, dass wir distanziert, kaltherzig und ordentlich seien.

Was haben sie neben ihrer Familie am meisten vermisst?
Meyer: Das deutsche Essen. Dort gab es jeden Tag Reis und Fleisch, kaum Gemüse. Dafür aber viel Obst. Als ich nach Hause kam, habe ich mir eine selbst gemachte Pizza gewünscht.

Was machen sie in Zukunft?
Meyer: Ich beginne das Studium der Lateinamerikastudien in Eichstätt.

Die Fragen stellte TV-Mitarbeiterin Christina Bents.
Extra

Den sozialen Friedensdienst im Ausland (Sofia) gibt es im Bistum seit 1991. Jedes Jahr gibt es 60 bis 80 Bewerbungen auf 32 Stellen. Es sind nicht immer dieselben Länder. Mit dabei waren schon Ruanda, Bolivien, Rumänien, Kolumbien oder Jordanien. Um bei Sofia dabei zu sein, ist keine besondere schulische oder berufliche Qualifikation notwendig, aber man muss 18 Jahre alt sein. chb Info: http://www.bistum-trier.de/zivi/sofia-trier