Lieber ganztags – und ganz aus freien Stücken

PIESPORT. Keine Abmeldungen, dafür aber jede Menge Neuanmeldungen: Die Ganztagsgrundschule Piesport ist gefragt – und das über die Grenzen der Gemeinde hinweg.

Kaum ist die Grundschule Piesport mit 49 Ganztagsschülern an den Start gegangen, liegen für das Schuljahr 2006/2007 schon etliche Anmeldungen mehr vor. "Wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht", freut sich Rektor Klaus Weller über die 50-prozentige Steigerung. Ab Sommer drücken von 122 Kindern mindestens 74 auch nachmittags die Schulbank. Und das teils aus freien Stücken, wie Viertklässler Lukas beweist. Dass der Mülheimer Junge lieber in Piesport zur Schule geht, ging laut Weller von diesem selbst aus. "Ich geh' gern zur Schule", begründet Lukas seine Entscheidung. Lernt er doch dank der zusätzlichen Stunden jede Menge, wofür sonst keine Zeit geblieben wäre. So etwa donnerstags in der Schulgarten-AG, für die er sich dieses Halbjahr angemeldet hat. Mit elf Mitschülern aller Klassenstufen hat er einen Wildwuchsstreifen des Schulhofs in ein blühendes Fleckchen mit Kräuterschnecke verwandelt. Während sie dort jäten und gießen, proben andere in der Theater- und Musical-AG oder üben sich als Fußballer. An anderen Tagen wird musiziert, getanzt, Französisch gelernt, oder es steht ein Computerkurs an. Insgesamt können die Schüler an vier Nachmittagen zwischen 16 Angeboten wählen, die ab Sommer auf 26 aufgestockt werden. Neu wird zum Beispiel der Blockflötenunterricht der Kreismusikschule sein. Eine Ganztagsschule sei ja nicht statisch, so Weller, sondern sie müsse sich entwickeln. Wichtig sei aber ein ausgewogenes Verhältnis der Unterrichtsstunden von Lehrern und außerschulischem Personal sowie "ein gesundes Miteinander". Dass die Schule mit ihren Angeboten richtig liegt, belegt das Ausbleiben von Abmeldungen sowie die Erkenntnisse einer Halbjahresumfrage. "Von 49 Eltern haben in der Tat 42 abgegeben", hebt Weller den erfreulichen Rücklauf der Fragebögen hervor. Unterm Strich seien die Eltern "zu 82 Prozent zufrieden". Neben dem Projektangebot, das sogar 90 Prozent mit gut bewerten, stand bei der Aktion auch das Mittagessen für 2,50 Euro auf dem Prüfstand und die Belastung der Kinder, ihre tägliche "Lernzeit". "Wir legen Wert darauf, dass die Hausaufgaben vollständig hier erledigt werden", erklärt Weller. Für den Schulleiter hat die Ganztagsschule große Vorteile. So habe er ein Plus an Lerneffektivität festgestellt und eine Reduzierung von Flüchtigkeitsfehlern. Nicht zu vergessen der zusätzliche Anreiz für "lernfreudigere" Kinder. Dass von 122 Kindern im neuen Schuljahr nur 100 aus Piesport sind, bestätigt das Konzept. Denn unter den übrigen Kindern sind nicht nur Minheimer, die sowieso in Piesport zur Schule gehen, sondern auch Neumagener, Trittenheimer, Wintricher und Veldenzer. Als Plus der Schule hat sich auch die Beteilung am "Projekt erweiterte Selbständigkeit" erwiesen, dank dem Mittel zum Ausgleich von Fehlstunden bereit stehen.