1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Lieser soll in Wittlich zum Hingucker werden: Flussbett rückt an die Stadt

Lieser soll in Wittlich zum Hingucker werden: Flussbett rückt an die Stadt

Eine massive Veränderung rings um den Uferbereich an der Rommelsbachbrücke soll die Lieser als Gewässer aufwerten und den Fluss für Menschen besser erlebbar machen. Die Pläne waren Thema der Einwohnerversammlung in der Synagoge, zu der mehr als 100 Wittlicher gekommen sind.

Die Wittlicher sind immer für eine Überraschung gut. Künftig wollen sie Stadtbesucher mit einer neuen "Visitenkarte" überraschen: Dieses Mal ist nach den Großbaustellen in der Oberstadt die Unterstadt dran: Es geht um eine komplett neue Gestaltung der Lieser und ihres Ufers rings um die Rommelsbachbrücke/Feldstraße/Mündung Rommelsbach.

Terrassen zum Flussufer

Vereinfacht gesagt wird nicht nur der Platz an der Lieser künftig seinen Namen zu Recht tragen. Den trennen bislang eine Art langes gemauertes Hochbeet von der Feldstraße und eben auch vom Fluss, der - nochmals von einer weiteren Mauer eingefasst- komplett unsichtbar vorbeifließt.

Das Riesen-Hochbeet und die massive Hochwasserschutzmauer sollen weg und das Gelände zum Lieserufer hin stufenweise abgeflacht werden. "Lieserterrassen", so der Arbeitstitel, werden entstehen.

Auf der gegenüberliegenden Seite soll es im Brückenbereich ein breites Kiesufer geben. Der aus seinen verrohrten letzten Metern austretende und in die Lieser mündende Rommelsbach soll wieder komplett frei fließen. Er wird durch eine neue kleine Brücke überquert, dahinter schließt sich ein naturnah gestalteter Kinderspielplatz an.

Diese in drei Bauabschnitte geteilte nicht nur optisch massive Veränderung soll den Fluss als Gewässerraum aufwerten und zusätzlich einen Mehrwert für die ganze Stadt bringen.

Summa summarum soll das 2,5 Millionen Euro kosten. Etwas mehr als 2 Millionen davon sind förderfähig: Immerhin gibt es einen 90 Prozent-Zuschuss aus dem "Aktion-Blau-Plus-Topf" (der TV berichtete). Das wären fast 1,9 Millionen Euro. Das Beste: Die Förderzusage liegt vor. Im September könnte mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden.

Das erklärte Christoph Heckel vom Trierer Büro BGH Plan. Er stellte voran: "Wenn Sie vom Parkplatz kommen, sehen Sie nichts. Alles ist zugestellt. Es ist die große, massive Mauer, die die Kommunikation zwischen Stadt und Fluss ausschließt."

Das werde sich ändern, wenn Hochbeete, Ufermauer gefallen seien und auf der Stadtseite ein offener, weiter Platz zum Fluss hin abfalle. Der "einzig kritische Punkt", die Lieserbrücke selbst, erhalte einen mobilen Hochwasserschutz. Damit sei man für ein Jahrhundert-Hochwasser gewappnet.
An der Planung gab es fast keine Kritik (siehe Extra: Stimmen). Bericht zu den weiteren Themen der Versammlung folgt.
Extra: Stimmen der Bürger:


Franz-Josef Mertes: "Ich habe Bilder, da sind wir in der Unteren Kordel Boot gefahren, und ich stelle fest, dass in der Ohling abwärts wieder große Kiesbänke sind. Die müssen weg."

Herbert Daufenbach: "Ich will eine klare Aussage: Kein Hochwasser mehr im Stadtbereich. Ansonsten habe ich nichts dagegen, wenn es da besser aussieht."

Christoph Heckel (Planer): "Natürlich baut die ganze Konzeption auf Berechnungsmodelle auf. Das Modell weist nach, dass im Bereich der Brücke der Wasserstand gesenkt wird."

Joachim Gerke: "Ich bin bei der Behörde, die die Zulassung erteilt. Es gibt ein Gefahrenkataster. Auch heute ist die Innenstadt nicht komplett hochwasserfrei. Das Überschwemmungsgebiet reicht bis zum Karrstraßenparkplatz. Niemand kann Ihnen Hochwasserfreiheit garantieren."

Dieter Rass: "Ich muss sagen, dass mir die Planung gefällt. Bei den Kosten bin ich relativ sicher, dass die wesentlich überschritten werden, wie das bei öffentlichen Bauten fast schon zum guten Brauch geworden ist."

Christoph Heckel: "Die Grundlagen und die Kosten sind sauber ermittelt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir nicht über eine Lieserphilharmonie sprechen."

Hans-Günther Heinz: "Im ganzen Bachbett, da liegen seit drei Jahren gefällte Bäume. Es wäre dringend wünschenswert, dass da mal einer aufräumt."

Heinz Juli: "Das Lieserbett ist 50 Zentimeter höher als 1981. Bevor man oberhalb anfängt, müsste im unteren Bereich die Basis für gutes Gelingen erfolgen."

Bernhard Kossendey: "Wir investieren 2,5 Millionen Euro. Das sind immerhin Steuergelder. Ich erwarte davon keine großen Impulse für die Innenstadt. Da hätte heute kein Kind gespielt und die letzten vier Monate auch nicht. Da sind vielleicht acht Wochen im Jahr Impulse. Ich erwarte daher eine Alternativplanung, ob man das Geld nicht besser in die Innenstadt investiert."

Gerhard Heiseler: "Die Wortmeldung schreit nach Widerspruch. Ich finde die Planung zielführend. Sie wird erhebliche Vorteile für die Innenstadt bringen Ich kenne ein ähnliches Projekt aus Bad Dürkheim und bin sehr zuversichtlich: und wird sie weiterbringen."Meinung

Mal was anderes

Kommentar von Sonja Sünnen

Die Sorgen der Bürger vor einem Hochwasser sind verständlich. Angesichts der Komplexität der Planungen und der intensiv eingebundenen Fachleute muss man aber darauf vertrauen, dass man sich darauf verlassen kann: Es sei eher unwahrscheinlicher, dass ein Hochwasser komme, nach der Maßnahme werde es sogar ein bisschen besser. Für den, der es zu schätzen weiß, wird die Wirkung auf das Stadtbild sogar sensationell sein: Die Möglichkeit, direkt ans Flussufer zu gelangen, dort Platz zu nehmen, als Kind mit Wasser und Matsch herumzuspielen: Das klingt alles wunderbar und sieht auf dem Papier auf besser aus, als die jetzige, völlig zugemauerte Situation. Dass das Projekt mit fast 1,9 Millionen Euro bezuschusst wird, ist ein Glücksfall für die Stadt, die noch 600.000 Euro zu tragen hätte. Hoffentlich wird es tatsächlich nicht teurer. Da sind allerdings Zweifel verständlich. Von den neuen Möglichkeiten direkt am Wasser profitieren alle, bis auf die Angler. Schön, dass öffentliches Geld einmal nicht nur in Beton und Pflastersteine fließt.
s.suennen@volksfreund.de