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Lieserufer und Karrstraße: Wittlich setzt seit 2014 viele Vorhaben um

Wittlich in den vergangenen fünf Jahren : Viele Vorhaben und eine Premiere

Der Wittlicher Stadtrat liegt in den letzten Zügen – zumindest was seine Besetzung in der aktuellen Form angeht. Der TV hat die zurückliegenden fünf Jahre seit der Wahl des Gremiums noch einmal Revue passieren lassen, bevor am 26. Mai neu gewählt wird.

Um eines vorweg zu nehmen: Die Liste der Projekte, die in Wittlich in den vergangenen Jahren realisiert wurden, ist lang. Der TV hat die wichtigsten von ihnen aufgelistet, die Rangfolge entspricht nicht der Wichtigkeit.

Die Neugestaltung des Lieserufers war sicherlich eines der größten Vorhaben, die in den vergangenen fünf Jahren in Wittlich abgeschlossen wurden. Rund 2,5 Millionen Euro kostete die Umsetzung, die im Rahmen des Förderprogramms „Aktion Blau plus“ des Landes gemacht wurde. Das Land förderte das Projekt mit 1,8 Millionen Euro. Der Spatenstich war am 16. September 2016, nach rund eineinhalb Jahren wurde der Platz, der von den Menschen in seiner neuen Form gut angenommen wird und das Stadtbild grundlegend veränderte, am 4. Mai 2018 offiziell eingeweiht. Ganz problemlos läuft es allerdings noch nicht: Die neue Verkehrsführung mit dem verkehrsberuhigten Bereich wird von den Autofahrern häufig missachtet, viele fahren zu schnell durch die dortige Spielstraße. Deshalb ist angedacht, Schwellen zur Verkehrsberuhigung auf der Straße anzubringen. Diese allerdings würden das Gesamtbild optisch nicht gerade verschönern.

Der neugestaltete Parkplatz Karrstraße wurden ebenfalls im Mai 2018 eingeweiht. Der Neugestaltung vorangegangen war der erste Bürgerentscheid in der Stadt. Die Gegner einer Bebauung des Parkplatzes mit einem Wohn- und Geschäftshaus haben sich durchgesetzt und damit einen Stadtratsbeschluss gekippt. Im Bürgerentscheid am 8. November 2015 entschieden sich 3556 Wähler gegen die Bebauung und für den Erhalt der Fläche als Parkplatz. 936 Menschen stimmten dagegen, die Wahlbeteiligung lag bei etwa 30 Prozent.

Damit wurde der Grundsatzbeschluss des Wittlicher Stadtrats gekippt.

Neues Stadthaus: Die Pläne für die Umgestaltung des Stadthauses, das künftig Rathaus heißen soll, sind gemacht, die Umgestaltung hat bereits begonnen. Im vorderen Bereich werden alle Ämter des Bürgerbüros konzentriert. Im hinteren Bereich, wo früher der Netto-Markt war, werden ein großer sowie ein kleiner Veranstaltungssaal untergebracht. Auch der Eingangsbereich wird umgestaltet. Künftig sollen dort auch die Sitzungen der städtischen Gremien stattfinden. Die Kosten liegen bei rund 2,6 Millionen Euro. Die Stadt hatte das 5000 Quadratmeter große Gebäude, in das sie 1996 eingezogen war, im Januar 2014 für 4,7 Millionen Euro gekauft.

Ebenfalls in der Oberstadt soll ein zusätzliches Hotel auf dem Parkplatz am Haus der Jugend entstehen. Für das Projekt hat der Stadtrat im Dezember 2018 den Weg geebnet. Ein Investor will das Gebäude, in das unter anderem ein Supermarkt integriert werden soll, bauen, ein Hamburger Investor das Haus als Vier-Sterne-Herberge betreuen. Das alte Haus der Jugend soll als Tagungsstätte integriert werden. Zudem gibt es Überlegungen, am Lieserufer eine Jugendherberge zu errichten, in der Nähe von Sportzentrum und Vitelliusbad. Das Haus der Jugend soll, so die Pläne, in ein neues Mehrgenerationenhaus mit Kita integriert werden. Standort: In der Nähe des neuen Kinos. Denn das stand lange auf der Wunschliste der Wittlicher und wird, wenn alles läuft wie geplant, in diesem Jahr fertig werden. Gebaut wird es von Kurt Römer aus Daun, der dort bereits ein Kino betreibt und auch als Betreiber eines Lichtspielhauses in der geplanten Bit-Galerie in Bitburg im Gespräch ist.

Für die Belebung der Innenstadt sorgt seit 4. Oktober 2016 das Aktive Leerstandsmanagement Wittlicher Innenstadt, kurz Alwin. Mit mehreren Bausteinen wie einem Pop-Up-Laden soll die Altstadt belebt werden. Neustes Alwin-Projekt ist ein Genussmarkt, der am vergangenen Wochenende Premiere feiert und bis zum Herbst an jedem zweiten Samstag im Monat in Wittlich auf dem Marktplatz und dem Platz an der Lieser angeboten werden soll.

Das nächste dicke Brett, das gebohrt werden muss, ist der Neubau des Vitelliusbads. Die ersten Planungen für das neue Kombibad wurden kürzlich präsentiert, in trockenen Tüchern sind sie aber noch nicht. Derzeit finden Gespräche mit den Mainzer Ministerien statt, um Zuschüsse für den sehr wahrscheinlich mehr als 20 Millionen Euro teuren Neubau zu bekommen. Wenn es denn aber so, wie es geplant ist (oder in großen Teilen nach diesen Plänen) gebaut wird, kann sich das Bad sehen lassen. Andere Städte in der Größenordnung von Wittlich wie die Saar-Mosel-Stadt Konz haben für ein weniger attraktives Bad deutlich mehr Einbußen gemacht und das Freibad komplett für den Hallenbad-Neubau geopfert.

Gewerbegebiete: Die Stadt weist neue Flächen aus, und schneller fertig als geplant, sind sie bereits vergriffen, was sicherlich auch auf die günstige Verkehrslage der Stadt – die sich nach der Eröffnung des Hochmoselübergangs noch verbessern wird – zurückzuführen ist. Für einen neuen Großbau wie es der von Benninghoven in Wengerohr ist (eingeweiht in 2018) wird es keine Flächen mehr geben. Freie Flächen sind auch im Vitelliuspark nicht mehr zu haben, ausverkauft hieß es Anfang 2018. Alle Grundstücke des 18-Hektar-Areals sind verkauft, die Bebauung der letzten Freiflächen ist geplant. Das nächste Industriegebiet III Nord wird als nächstes Baureife haben. Dieses Areal hatte der Stadtrat 2016 vorangebracht. Hinter und neben dem Aldi-Zentrallager und dem Bungert-Oktoberfest-Areal sollen sich auf zehn Hektar weitere Gewerbebetriebe ansiedeln.

Vielleicht könnte die Eingemeindung von Flußbach in die Stadt Wittlich helfen. Denn die Kreis­stadt will nicht nur im Bereich Gewerbe wachsen, sondern auch, was die Einwohnerzahl angeht. Deshalb waren Stadt und Rat offen, als es darum ging, das nahe gelegene Flußbach (VG Traben-Trarbach) einzugemeinden. Doch das Land legte sein Veto ein.

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Logo_Kommunalwahl_2019 Foto: TV/Lambrecht, Jana

Würden die Flußbacher zu Wittlichern und damit zum kleinsten Stadtteil der Säubrennergemeinde werden, könnten sie auch den Rufbus nutzen, der seit Sommer 2016 unterwegs ist und im März 2018 ein neues Konzept bekam. Innerhalb von Wittlich werden in dem bundesweiten Pilotprojekt des Unternehmens ioki (gehört zur Deutschen Bahn) 70 Haltestellen zwischen fünf Uhr morgens und 20 Uhr abends angefahren.