Liftbetreiber in der Region müssen sich auf weniger Schnee einstellen

Nach Besucheransturm dieses Wochenende wetterbedingt kein Liftbetrieb möglich : Ist Wintersport in der Region bald Schnee von gestern?

Die Aussichten für Skifahrer in Eifel und Hunsrück werden schlechter. Das liegt am Klimawandel. Die Betreiber von Liftanlagen reagieren darauf unterschiedlich.

Auch wenn die kalte Jahreszeit die Region im Griff hat: Der Klimawandel ist zu spüren. Die Winter im Land sind nach Auskunft des TV-Wetterexperten Dominik Jung in den vergangenen 20 Jahren um ein bis 1,5 Grad Celsius wärmer geworden. Aber was bedeutet das für den Wintersport? Wie wird sich die Witterung in den nächsten 20 Jahren verändern?

Mit extremen Wetterlagen und vielen Niederschlägen sei zu rechnen, sagt Jung weiter. Das könne Schnee sein, aber immer häufiger Regen. Der Meteorologe hält die Aussichten für schlecht, in der Region „künftig im großen Stil Wintersport betreiben zu können“.

Die Prognosen von Prof. Günther Heinemann, Leiter des Fachbereichs für Umweltmeteorologie an der Universität Trier, gehen in eine ähnliche Richtung: „Die Schneemenge wird geringer.“

Mancherorts hat man sich darauf eingestellt. Am Idarkopf, Kreis Birkenfeld, entsteht in einem ehemaligen Wintersport-Gebiet der größte Bikepark Deutschlands. Und am Erbeskopf, dem mit 816 Metern höchsten Berg des Landes? Der dortige Betriebsleiter Klaus Hepp rechnet in Zukunft mit durchschnittlich 30 Lifttagen im Jahr. Kostenmäßig komme man dann Null auf Null auf.

Der Chef der Einrichtung, die von einem Zweckverband getragen wird, geht davon aus, dass in Zukunft aufgrund höherer Durchschnittstemperaturen der Anteil an technischem Schnee, erzeugt durch Schneekanonen, steigt. Eventuell müsse man über Schnee-Erzeuger-Anlagen nachdenken, die auch bei höheren Temperaturen arbeiten. Mit der derzeitigen Ausstattung sei dies erst ab vier Grad minus sinnvoll. Die Verantwortlichen setzen bereits auf Ganzjahresbetrieb. Im Sommer wird ein Lift von einer Rodelbahn genutzt, die Mountainbiker nutzen einen weiteren.

Auch in der Wolfsschlucht in der Nähe von Prüm in der Eifel spürt man den Klimawandel. „Es fehlen die Dauerfrostperioden“, sagt Joachim Bretz vom Skiklub. Der Verein bestreitet den Pistenbetrieb inklusive Schneekanonen ehrenamtlich, für den Lift ist die Stadt zuständig. In guten Wintern habe man etwa zwölf Lifttage. Ob der Betrieb noch kostendeckend sei, wenn der Klimawandel fortschreite, könne der Vorsitzende nicht sagen. Aber, so Bretz: „Wir werden diese Diskussion intensiv führen.“ Weniger Kopfzerbrechen macht der Klimawandel am Dollberg bei Neuhütten (Kreis Trier-Saarburg), wo der Lift des Skiclubs jetzt zehn Tage lang lief – ohne Schneekanonen.

Dass es künftig immer weniger Schnee geben soll, glaubt der Vorsitzende Bernd Rüdenauer nicht. „Es wird auch mal wieder Superjahre geben.“ Aber der Verein sei auf Naturschnee angewiesen. „Bleibt dieser aus, gibt es „keinen Skibetrieb, keine Liftfahrten und keine Stromkosten“. Aber eben auch keine zufriedenen Mitglieder.

Apropos unzufrieden: Mit der Pistengaudi dürfte es in der Region jetzt rasch vorbei sein. Wetterexperte Jung prognostiziert für die nächsten Tage Westwind, warme Temperaturen und Regen.

Die Kritik am Erbeskopf wächst. Volksfreund-Reporter haben sich das Treiben auf der Piste genauer angeschaut.

Die einen lieben ihn, die anderen stehen ihm kritisch gegenüber: dem Wintersport am Erbeskopf. Pünktlich zur Eröffnung der Saison fallen die Skifahrer und Snowboarder an der höchsten Erhebung des Landes in Scharen ein – allein am Wochenende waren laut Betreiber 20 000 Gäste am Erbeskopf. Und zum selben Zeitpunkt melden sich die Kritiker zu Wort. Der Sport sei umweltschädlich, zu teuer und ohnehin nicht zukunftsfähig. Aber wie stellt sich der Sachverhalt tatsächlich dar?

Nicht zukunftsfähig? Häufig stellen Kritiker wegen des Klimawandels den Wintersport in der Region komplett in Frage. In den vergangenen 20 Jahren sind die „Temperaturen in Rheinland-Pfalz im Winter um ein bis eineinhalb Grad Celsius gestiegen“, sagt TV-Meteorologe Dominik Jung. Schnee werde es auch in den nächsten 20 Jahren noch geben, ist Prof. Günther Heinemann vom Fachbereich für Umweltmeteorologie an der Universität Trier, überzeugt. Allerdings: „Die Schneemenge wird zurückgehen.“

Auch am Erbeskopf? Zumindest Klaus Hepp, Betriebsleiter am Erbeskopf, geht davon aus, dass künftig durchschnittlich 30 Lifttage pro Saison erreicht werden – womöglich mit weniger Natur- und mehr technischem Schnee. Möglicherweise müsse man dann auf modernere Anlagen umrüsten, die auch bei wärmerenTemperaturen Schnee produzieren. Derzeit sei das erst ab rund vier Grad minus sinnvoll. Der Erbeskopf sei das höchste Skigebiet im Land. Wo solle Wintersport denn sonst sinnvoll sein? Im Übrigen werde der Erbeskopf mit Kletterpark, Biketrails, Saar-Hunsrück-Steig und Nationalparktor ja längst ganzjährig besucht. Sommerrodler und Mountainbiker nutzen bereits in der warmen Jahreszeit die Lifte.

Teuer? Die Kostensituation für den Wintersportbetrieb hängt von vielen Faktoren ab: Als Faustregel gilt laut Hepp: Man kann bei rund 30 Lifttagen pro Saison kostendeckend arbeiten. Und noch ein paar Zahlen: Eine Grundbeschneiung kostet rund 6500 bis 7000 Euro. Laut Hepp kommen diese Kosten an einem Betriebswochenende wieder herein. Die Kritik wird vor allem in den Jahren mit wenigen Lifttagen laut. Etwa in der Saison 2013/14, als die Lifte überhaupt nicht im Einsatz waren. Betreiber ist der kommunale Zweckverband Wintersport-, Natur und Umweltbildungsstätte. Auch dort sind die Mittel nicht üppig. Die Schulden des Verbandes liegen bei 1,27 Millionen Euro. Davon entfallen rund 100 000 Euro auf den Wintersport. Und trotzdem: Muss der Wintersport überhaupt kostendeckend betrieben werden? Dazu hat Hepp eine eigene Meinung: Man erwarte das schließlich von keiner Sporteinrichtung, keinem Sportplatz und keinem Freibad.

Umweltschädlich? „Eine Region, die auf Nachhaltigkeit setzt, macht sich total unglaubwürdig, einen Hügel durch enormen Energie- und Wasseraufwand zu beschneien, nur damit viele Leute, meist mit Dieselautos, meist von weit her, den Berg anfahren, um ein paar Mal abzufahren“, schreibt beispielweise Gerhard Hänsel aus Brücken auf Facebook. Klaus Hepp kann die Kritik nicht nachvollziehen: Die Situation sei nicht zu vergleichen mit der in manchem Skigebiet in den Alpen, wo „hundert Schnee-Erzeuger“ in Betrieb seien. Man beschneie ohne Chemie. Der Schnee werde aus Sickerwasser produziert. Zugegeben, energetisch gebe es Nachholbedarf beim Flutlicht, das man auf LED-Leuchten umrüsten könnte.

Und zum Thema Verkehr: Auch wenn viele Wintersportfreunde aus Entfernungen von 150 Kilometern anreisen, der Schwarzwald mit seinen Skigebieten sei weiter weg. Ganz zu schweigen von den Alpen. Das Wintersportzentrum verträgt sich zudem auch mit dem angrenzenden Nationalpark. Dieser Meinung ist Nationalpark-Chef Dr. Harald Egidi.

Er verweist darauf, dass man sich vor der Gründung des Schutzgebietes mit Bürgern und Kommunen darauf verständigt habe, „dass das Wintersportzentrum Bestand haben soll“. Man habe sich bewusst für das „Hunsrückhaus als Standort eines Nationalparktores entschieden“, um unter anderem die Infrastruktur, etwa Parkplätze, nutzen zu können.

Der Traum des Betriebsleiters Der Wintersportbetrieb, das Nationalparktor, der Kletterpark, der Saar-Hunsrück-Steig – all das auf der höchsten Erhebung von Rheinland-Pfalz ist ein Aushängeschild für das Land. Um es noch attraktiver zu machen, schlägt Hepp vor, einen Vierer-Sessellift mit einigen Kabinen für Rollstuhlfahrer anzuschaffen. Wegen der Barrierefreiheit wäre das ein Alleinstellungsmerkmal. Der Lift könnte vom Hunsrückhaus schräg über das Skigebiet bis zu einem Panoramarestaurant laufen – winters wie sommers.

Als Beispiel nennt er Willingen im Sauerland, wo sich in der schneefreien Zeit „samstagvormittags schon 1500 Gäste tummeln“. Die Investition schätzt Hepp auf fünf Millionen Euro. Hepp: „Ein schöner Batzen, aber mit vereinten Kräften aller angrenzenden Landkreise, dem Land Rheinland-Pfalz, dem Nationalpark und dem Leaderprogramm wäre das möglich.“ Man könne dann auch die touristischen Früchte gemeinsam ernten.“ Mit dieser Auffassung steht der Wintersport-Fachmann derzeit allein.

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