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Little Amadeus und die vier Hörner

Little Amadeus und die vier Hörner

TRIER. Mozart in der Grundschule, und das live: Ein solches Angebot gibt es nicht alle Tage. Zum 250. Geburtstag des einstigen Wunderkindes gingen Musiker des Trierer Philharmonischen Orchesters im Rahmen der Aktion "Little Amadeus" in mehrere Grundschulklassen – und trafen auf ein hochinteressiertes Publikum.

"Habt Ihr das schon mal gehört?" Viele Hände recken sich in die Höhe. "Kleine Nachtmusik", tönt es aus der zweiten Reihe. Renate Wege freut sich. Obwohl die Version des Mozart-Klassikers für vier Hörner eher ungewohnt klingt, haben die Dritt- und Viertklässler von der Eurener Johann-Hermann-Grundschule keine Probleme, die Melodie wiederzuerkennen. Aufmerksam, ja geradezu gebannt lauschen die 50 Schüler im stilvollen "Bauernsaal", einem holzgetäfelten Dachraum mit schicker Bühne, dem Vortrag des Horn-Quartetts.Wie Hirtenhunde um die Herde

Eine Handvoll Lehrerinnen streift um die Stuhlreihen wie Hirtenhunde um die Herde, darauf bedacht, dass den Künstlern die angemessene Aufmerksamkeit zukommt. Doch sie brauchen kaum einzugreifen, denn ihre Schüler sind bestens vorbereitet, und die Musiker treffen nicht nur mit ihren Instrumenten genau den richtigen Ton. Es ist keine Einbahnstraße, die die Schulbeauftragte des Trierer Orchesters und ihre drei Mitstreiter einschlagen. Es geht interaktiv zu. Zum Beispiel bei der spaßigen kleinen Instrumentenkunde. Dass ein Horn ein Blechblasinstrument ist, lässt sich auch für Achtjährige leicht erkennen. Aber dass es sich um eine "aufgewickelte Röhre" von drei Metern Länge handelt, macht die Kids staunen. Ebenso wie die Demonstration von Anke Rieff, die anschaulich zeigt, wie man Horn-Töne auch aus einem Gartenschlauch mit aufgesetztem Haushaltstrichter hervorzaubern kann. Kein Wunder, dass das Angebot, sich selbst als Ton-Erzeuger zu betätigen, auf großes Interesse stört. Kraft allein scheint es nicht zu sein, was die Klänge hervorbringt - einige Mädchen sind erfolgreicher als ihre männlichen Klassenkameraden. Der König der Gartenschlauch-Hornisten ist allerdings "Little Mozart" persönlich: Johannes Koch, selbst Johann-Hermann Schüler, führt mit Mozart-Perücke und sichtlichem Stolz durch das Programm und berichtet, welche grandiosen Leistungen sein berühmter Namensvetter schon als kleines Kind vollbrachte. Dann ist wieder Musik dran: Bernd Wege und Achim Rösner spielen mit Echo-Effekten quer durch den Saal, und die Köpfe der Schüler pendeln hin und her. Es folgt die Fragestunde: Was man denn tun müsse, um Orchestermusiker zu werden, wollen die Kinder wissen. "Ohne Studium geht es nicht", sagte Renate Wege. Und wie viel so ein Horn wiege? Zweieinhalb Kilo. Die Frage nach dem Preis beantwortet Anke Rieff: Rund 5000 Euro, dafür könne man "schon ein kleines Auto kaufen". "Aber dafür kriegt man doch gar keines", sagt ein kleiner Auto-Experte in der vorletzten Reihe. Dann kommt doch noch mal Mozart zu seinem Recht. "Reich mir die Hand, mein Leben", bläst das Quartett, und ein Mädchen flüstert seiner Nachbarin was von "Don Giovanni" zu. Schulleiterin Petra Schneider-Jung und ihre Kolleginnen haben im Vorfeld der Aktion im Zusammenarbeit mit dem Kinderkanal wirklich ganze Arbeit geleistet. "Ich hab' heute auch Geburtstag", ruft ein Kind. Prompt gibt es zu Ehren des doppelten Wiegenfestes ein Ständchen. Zuckowskis "Wie schön, dass du geboren bist" hört sich auch in klassischer Besetzung gut an, und eine halbe Hundertschaft von Kinderstimmen macht den Hintergrund-Chor. Zum Schluss prasselt reichlich Beifall. Orchester-Gastspiele dieser Art gibt es nicht nur zu Mozarts Geburtstag, versichert Renate Wege. Interessierte Klassen können sich jederzeit an das Trierer Theater wenden. Informationen: 0651/7182464.