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Der elektrische Strom wird von Manderscheid bis Thalfang immer grüner, stellen regionale Experten fest. Bei der Windkraft hat sich die Konzentration auf wenige große Flächen als sinnvoll erwiesen. In naher Zukunft könnten sogar 100 Prozent der Elektrizität aus regnerativen Energien erzeugt werden - allerdings wird dann ein neuer Stromverbraucher hinzukommen: Die E-Mobilität.

Energie : Grüner Strom im Landkreis

Der elektrische Strom wird von Manderscheid bis Thalfang immer grüner, stellen regionale Experten fest.  Bei der Windkraft hat sich die Konzentration auf wenige große Flächen als sinnvoll erwiesen. Der Strombedarf wird aber durch die E-Mobilität steigen.

Die Interessensvertreter der Windkraft-Industrie schlagen Alarm: Wegen komplizierter Genehmigungsverfahren sei der Ausbau von Windkraftanlagen ins Stocken geraten. Es sei höchste Zeit, den Ausbau zu beschleunigen, denn das Ziel der Bundesregierung, bis 2030  einen Anteil von 65 Prozent aus erneuerbaren Energien zu erzielen, könne dann nicht erreicht werden.  Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie in Berlin, forderte jüngst mehr Flächen für Windkraft.  Vor allem die pauschale Abstandsregelung von 1000 Metern sei problematisch und „völlig kontraproduktiv“.

Die Lage im Landkreis: Wie ist die Situation im Landkreis Bernkastel-Wittlich?  Ist die Lage hier auch so dramatisch, wie sie in Berlin dargestellt wird?  Ein Paradebeispiel für den gebündelten Ausbau von Windkraftanlagen ist die AöR (Anstalt öffentlichen Rechts) Energie Bernkastel-Wittlich,  die am Ranzenkopf  die Planung von Windparks begleitet und ihren Sitz in der Kreisverwaltung hat. Der Ranzenkopf erstreckt sich über den Südosten der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues  in Richtung Einheitsgemeinde Morbach und gilt als besonders windhöffig. Mit diesem Begriff werden diejenigen Gebiete bezeichnet, in denen auch tatsächlich über das Jahr verteilt genug Wind weht, um eine Windkraftanlage kostendeckend zu betreiben.

Schwerpunkt Hunsrück: Wie die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich mitteilt, sind aktuell 15 Windparks in Betrieb, in denen insgesamt 71 Windenergieanlagen am Netz sind. Alle Anlagen befinden sich im  Hunsrück. Zudem laufen noch Genehmigungsverfahren für zwei Anlagen im Windpark Gielert (Verbandsgemeinde Thalfang) und im Windpark Wintrich, wo bereits zwölf Anlagen genehmigt und errichtet wurden.  Eine Anlage wurde 2016 aus naturschutzfachlichen Gründen zurückgestellt und wird nun wieder neu geprüft. Leo Wächter, Erster Beigeordneter der  Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues und stellvertretender Vorsitzender der Energie Bernkastel-Wittlich, erklärt: „Die meisten Anlagen konzentrieren sich auf die VG Bernkastel-Kues und die EG Morbach. Es kommen noch einige dazu, aber das ist weitestgehend abgeschlossen. Das, was wir im Flächennutzungsplan 2013/2014 geplant haben, wurde auch umgesetzt“. Roland Glaz, Geschäftsführer der Energie Bernkastel-Wittlich ergänzt: „Auch in Morbach wurde das im Flächennutzungsplan vollzogen. Auch in den Verbandsgemeinden Wittlich-Land und Traben-Trarbach werden die Flächennutzungspläne überarbeitet.“

Viele Klagen:  Wie Glaz erklärt, würden die Genehmigungsverfahren immer aufwendiger. „Wir haben für einen Windpark zum Beispiel 17 Anlagen geplant, zehn errichtet, sieben sind auf der Strecke geblieben,“ sagt Glaz. Häufig würden die Anlagen beklagt, oft von Naturschutzverbänden, aber auch von Privatpersonen.

Um die potenziellen Standorte optimal zu nutzen, sei es wichtig, die Windkraftanlagen auf größeren Flächen zu bündeln, wie auf dem Ranzenkopf.

„Konzentration ist wichtig. Wir waren uns damals von Anfang an einig, auf dem Ranzenkopf eine Konzentrationsfläche zu schaffen,“ sagt Leo Wächter. Und das habe sich ausgezahlt.

Die Energiebilanz: Wie sieht nun die Energiebilanz   aus? Dazu sagt Wächter: „Wir sind wirklich grün, nicht nur in der Windkraft. Man darf auch die Moselwasserkraftwerke nicht vergessen und die Photovoltaik, für die wir weitere Konzentrationsflächen schaffen wollen.“

Wie Roland Glaz anhand aktueller Statistiken erläutert, liegt die Stromeinspeisung des Landkreises Bernkastel-Wittlich aus erneuerbaren Energien im Jahr 2017 bei 562 859 Megawattstunden.

Diese Summe setzt sich zusammen aus den Bereichen Windkraft, Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse. Während der Anteil an Windkraftenergie 2010 noch bei etwa 50 000 Megawattstunden lag, konnte die Windkraft bereits 2017 die Wasserkraft mit 212 805 Megawattstunden überholen.

Der Stromanteil aus Wasserkraft betrug in diesem Jahr 192672 Kilowattstunden, gefolgt von Photovoltaik (112732 Megawattstunden), Biomasse (44115 Megawattstunden) und Gas aus Kläranlagen und Deponien (535 Megawattstunden).

Der Stromverbrauch: Wie sieht es mit dem Stromverbrauch im Landkreis aus? Der lag im Jahr 2016 bei 874 914 Megawattstunden (zum Vergleich der Verbrauch der kreisfreien Stadt Trier: 568 663 Megawattstunden). Den Löwenanteil davon, knapp 600 000 Megawattstunden, verbraucht die Industrie.

„Wir haben besonders in den Gewerbestandorten Wittlich und Morbach viel Industrie. Die verbraucht natürlich auch viel Strom,“ sagt Roland Glaz. Der Verbrauch der privaten Haushalte liege seit 2010 bei etwa 200 000 Megawattstunden. Gewerbe, Handel und Dienstleister verbrauchen hingegen etwa 50 000 Megawattstunden jährlich.

Würde man die energieintensive, aber natürlich auch Arbeitsplätze schaffende Industrie herausrechnen, dann hätte der Landkreis bereits heute eine vollends grüne Energiebilanz und sogar noch Überkapazitäten.  Durch den Ausbau der Windenergie und einiger Photovoltaikanlagen rechnet Roland Glaz für 2019 mit rund 712 859 Megawattstunden Einspeisung und für 2020 sogar mit 750 000 Kilowattstunden.

Dann würde der Anteil der durch Windkraft erzeugten Energie bei 392 000 Megawattstunden liegen.   Bleibt der Stromverbrauch im Landkreis stabil, wäre das Ziel, zu 100 Prozent Ökostrom zu erzeugen und damit den regionalen Bedarf abzudecken, 2020 schon fast erreicht.

Leo Wächter gibt jedoch eines zu bedenken: Sollte die E-Mobilität weiter wachsen,  würde sich der Strombedarf im Landkreis wiederum signifikant erhöhen.